Oktober 2023

Liebe LeserInnen,

wir hoffen, Sie sind wohlbehalten aus dem Urlaub zurück und können gut erholt den Rest des Jahres angehen. Auch wir sind frisch und munter wieder da, wie Sie ja an unserer Oktoberausgabe sehen können. Und fast unbemerkt ist auch der Herbst mal wieder da, womit wir schon beim ersten Thema wären.

Tagsüber merkt man eigentlich noch nicht viel vom Wechsel der Jahreszeit, doch in der Nacht sinken die Temperaturen schon empfindlich. Das ist natürlich völlig normal um diese Zeit, doch für Obdachlose und für finanziell schwach aufgestellte Menschen beginnt nun wie in jedem Jahr eine sehr schwierige Zeit. Obdachlose müssen sich jetzt auf die Suche nach einer „Winterplatte“ machen, das heißt sie müssen einen Schlafplatz finden, an dem sie vor Wind und Kälte wenigstens einigermaßen geschützt sind. Besser wäre es natürlich, sie würden für den Winter eine der städtischen Unterkünfte aufsuchen. Wer das möchte, findet Hilfe in jeder Anlaufstelle für Obdachlose sowie beim Sozialamt und dem Jobcenter.

Doch auch viele Menschen, die ein Dach über dem Kopf haben, machen sich Sorgen, wie sie den Winter überstehen angesichts der drastisch angestiegenen Heizkosten. Wer wie ich in einem ofenbeheizten Wohnwagen lebt, war im vergangenen Winter schon verärgert über die völlig überteuerten Briketts. Damals ging der Preis in den Baumärkten um glatte 100 % (!) nach oben. Doch damit nicht genug, dieser Wucherpreis ist in diesem Jahr nochmals um ca. 60 % erhöht worden! Natürlich hat das Sozialamt schon im letzten Jahr die Unterstützung erhöht, doch in diesem Jahr bleibt es bei dieser Summe. Statt mehr als drei Paletten Briketts kann ich mir dieses Jahr nicht mal anderthalbe kaufen. Eine Erklärung für diese ungeheure Teuerung bekommt man natürlich im Baumarkt nicht. Wenn überhaupt bekommt man etwas zu hören wie „es wird alles teurer“ oder „das liegt am Krieg“. Das ist absoluter Schwachsinn, das liegt einzig und allein an den Baumärkten und ihrer Profitsucht! Wenn man sich mal ausrechnet, wie viele Paletten Briketts in einen Güterzug passen und das mal der Preissteigerung rechnet, dann weiß man, warum und für wen die Kohlen teurer werden. Da frage ich mich, warum es ein Kartellamt gibt. Die sind nämlich unter anderem dafür da, eine missbräuchliche Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung zu verhindern. Und genau das liegt hier vor! Doch wahrscheinlich halten die auch schon Winterschlaf...

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich wieder bei unseren Lesern aus Villingen-Schwenningen bedanken! Wie schon im vergangenen Jahr schenkten sie mir eine Fuhre trockenes Brennholz und brachten es mir auch noch frei Haus. Daran könnten sich die Baumärkte mal ein Beispiel nehmen!

Doch was nutzt der schönste Ofen und ein Berg voll Briketts, wenn man nichts drumherum zum Wohnen hat? Denn das Wohnen bleibt weiter das größte soziale Problem in Deutschland. Unsere Regierung hat das natürlich schon lange erkannt und handelt entsprechend! Zum wiederholten Mal trafen sich PolitikerInnen mit Akteuren der Baubranche zum Wohnungs-Krisengipfel, ins Leben gerufen wurden diese Treffen vor vielen Jahren mal von Angela Merkel. Schon damals wurde festgestellt, dass in unserem Land Hunderttausende von Wohnungen fehlen und exakt an diesem Punkt ist man auch heute noch. Damals wie heute plant(e) die Bundesregierung, 400.000 Wohnungen jährlich zu bauen und damals wie heute wird diese Zahl nicht annähernd erreicht. Was also tun?

In diesem Jahr überrascht Kanzler Scholz mit seinem schon sprichwörtlichen „Doppel-Wumms“, von dem sogar die Baubranche positiv angetan ist. Allerdings dürften das so ziemlich die einzigen sein. Denn in einem 14-PunkteProgramm, welches die Regierung vorgestellt hat, geht es unter anderem um neue Abschreibungsmöglichkeiten für Baufirmen, damit sich ihre Bauprojekte schneller refinanzieren. Weiter geht es um Bauförderungen für Familien mit einer Einkommensgrenze von 90.000 Euro und es wird ein neues Programm für den Kauf und den Umbau älterer Gebäude geben. Eines ist nach diesem Gipfel klar: Durch die 14 Punkte werden auch keine 400.000 Wohnungen entstehen. Und zweitens: An den sozialen Wohnungsbau wird wie immer kaum gedacht. Denn noch immer gibt es in Deutschland eine unglaubliche Anzahl an obdachlosen Menschen oder an alleinerziehenden Müttern und Vätern in viel zu kleinen Wohnungen oder an völlig alleinstehenden Menschen ohne richtige Wohnung, die alle eins gemeinsam haben: zu wenig Geld! Wann gibt es für diese Menschen mal einen Wohnungsgipfel? Wahrscheinlich nie, denn zumindest die Baubranche hat an diesem Personenkreis wenig Interesse. Das dürfte bekannt sein, doch dass PolitikerInnen diese Klientel auch vergessen, ist zumindest fragwürdig.

Fragwürdig ist auch weiterhin Friedrich Merz. Seine Aussagen zum letzten AfD-Eklat in Thüringen dürften nicht nur mich verärgert haben. Es war ja eigentlich nur eine Frage der Zeit bis es mal so weit kommt, das muss nicht verwundern. Andererseits macht es mir Angst, dass dieser Mensch in zwei Jahren Kanzler werden will! In den nächsten Monaten stehen ja einige Wahlen an, da darf man gespannt sein...

Das war es mal wieder von mir, wir wünschen Ihnen wie immer viel Spaß beim Lesen und bleiben Sie uns treu!

Carsten

 

UNTER ANDEREM IN DIESER AUSGABE:

• Seit vielen Jahren Baustelle und Belastungen – Interview mit einer Vonovia-Mieterin aus dem Auggener Weg
• Benachteiligt aufgewachsen, obdachlos geworden – Wie mein Leben sich zum Guten wendete
• Housing First – Erst die Wohnung, dann der Rest
• Stadt-für-Alle-Nachrichten
• 900 Jahre Armut in Freiburg (Teil 31)
• Verkäufer Marcus
• Krimitipps von utasch
• Nachhaltiges Reisen – Wie wir unterwegs Positives für das Klima tun können
• Im Gespräch mit dem Marktmeister Walter Dreyer

u. v. m.