OKTOBER 2022

Oktober-Ausgabe 2022

Liebe LeserInnen,

der Urlaub ist vorbei und weiter geht's, wie immer. Das hört sich nach langweiliger Routine an, doch es wäre schön, wenn wir das in diesem Jahr sagen könnten. Denn nichts ist mehr so, wie wir es gewohnt sind. Die Inflation hat uns nun auch persönlich getroffen und das ziemlich hart!

Egal in welches Geschäft man gerade geht, egal was man gerade braucht, die Preise sind ins Unermessliche gestiegen. Man hat das Gefühl, das bisschen Geld, das man in der Tasche hat, verliert täglich an Wert und zwar gewaltig. Nun kann ich auch die Geschichten meines Opas verstehen, die er mir von der Inflation der 20er Jahre erzählte. Bei Waren des täglichen Bedarfs fängt das schon an. Das Brot ist um 50 % teurer geworden, Fleisch und Wurst lasse ich beim Einkauf meistens schon aus und Kaffee ist inzwischen wirklich der Luxusartikel, der er früher einmal war. Ist schon paradox: Meine Ärzte versuchen seit langem, mir diese Sachen auszureden und schaffen es nicht, so eine Inflation macht alles ganz einfach… Dinge, die nicht zum Essen sind, leiste ich mir schon gar nicht mehr, denn ich weiß ja nicht, wie hoch der Brotpreis nächste Woche ist. Natürlich wird jetzt gesagt, wir sollen uns doch nicht so haben, es trifft ja alle. Das ist völlig richtig. Doch der „Gutverdiener“ oder der „Besitzende“ muss nicht groß nachdenken, ob und was er sich leisten kann und will. Die einfachen Werktätigen, die Geringverdiener und wir zukünftigen Bürgergeldbezieher haben es da ungleich schwerer. Die Politik ist mal wieder ratlos und lässt mal dem einen und mal der anderen eine Einmalzahlung zukommen. Das ist für den Moment ganz gut, hilft aber nicht auf Dauer! Vielleicht sollte man doch damit beginnen, bei den einzelnen Betrieben zu kontrollieren, ob die Preiserhöhungen in diesem Umfang gerechtfertigt sind. Ich glaube, da würde es manche Überraschung geben.

Doch das ist wie gesagt erst der Anfang. Richtig kritisch wird es mit den Heiz- und Energiekosten, da kommt man echt ins Grübeln. Seit Putin in der Ukraine eingefallen ist, wurden wir ja darauf vorbereitet, dass Heizen teurer wird. Auch zum vorsorglichen Stromsparen wurden wir schon vor Monaten angehalten, damit wir nicht aus allen Wolken fallen, wenn die Abrechnung im Briefkasten liegt.

Ein Stück weit kann man das ja alles nachvollziehen. Alles, was auch nur entfernt mit russischem Öl oder Gas zu tun hat, wird teurer. Es wäre unnormal, wäre es nicht so! Aber dass der Energieverbrauch um so viel teurer wird, darauf hat uns niemand vorbereitet. Doch wir werden ja von den PolitikerInnen nicht alleingelassen, ein jeder hat gute Ratschläge für uns. Wir sollen die Reihen schließen und Schulter an Schulter durch die Krise gehen, wir sollen Strom sparen, wo wir nur können und am besten solche Stromfresser wie Bäckereien schließen und, und, und. Mir ist doch gleich viel wärmer geworden...

Na klar, Scholz, Lindner, Habeck, Merz und alle mit 6- bis 7-stelligem Jahreseinkommen werden weder frieren noch im Dunkeln sitzen, die müssen sich nicht ans Händchen nehmen und gemeinsam durch die Krise wandern. Doch was ist mit der Masse derer, die ihnen ins Amt verholfen haben? Der Oktober ist da, die Heizperiode hat begonnen und außer den 300 Euro „Wärmezuschuss“ hat sich nicht viel getan. Und das wird vorn und hinten nicht reichen, die Preise sind schon jetzt um ein Vielfaches gestiegen. Für Gas-, Öl- und Elektroheizungen wird man in diesem Winter tief in die Taschen greifen müssen, was für viele Menschen nicht nur schwer zu bewältigen sein wird, es wird für viele unmöglich.

Deshalb haben im Sommer viele Haushalte auf Holz- und Kohlefeuerung gewechselt, in dem Glauben, damit kostengünstiger heizen zu können. Doch da waren gleich zwei Fehler in der Rechnung: Erstens sind auch hier die Preise wahnsinnig gestiegen und zweitens gibt es in den Baumärkten zur Zeit keine Briketts.

Auch ich heize seit Jahren mit Holz oder Briketts und das ist für mich alternativlos. In den letzten Jahren zahlte ich für eine Palette Briketts etwa 160 Euro, in diesem Jahr würden sie bei fast allen Märkten 320 Euro kosten, also das Doppelte. In einem Baumarkt müsste ich sogar 400 Euro berappen, das sind 150 % Steigerung! Wie kann man so etwas begründen? Die Briketts werden immer noch in Schwarze Pumpe (bei Hoyerswerda) hergestellt, ich musste selbst mal dort arbeiten, daher kenne ich das. Der Strom oder die Wärme, die dafür benötigt wird, kommt vom eigenen Kraftwerk, da braucht man kaum Öl oder Gas. Und der Transport bis hierher kann auch nicht so viel kosten, dass eine solche Preiserhöhung gerechtfertigt ist. Auch hier sollte die Politik einschreiten.

Ich habe vor ein paar Tagen meinen Bewilligungsbescheid vom Amt bekommen, nun kann ich Kohlen kaufen gehen. Der Betrag wurde vom Amt schon sehr großzügig erhöht, ich dachte, das wird locker reichen... Aber auch hier gibt es zwei Fehler: Die Teuerung ist deutlich größer als der Zuschuss und zudem nützt mir der Schein nix, solange es keine Briketts gibt. Aber was jammer ich hier rum, mir geht es gut, andere sind schlimmer dran. So zum Beispiel die Kommission für politisch korrektes Verhalten, die gerade diskutiert, ob Winnetou politisch korrekt ist oder ob man ihn verbieten soll... Ich bin gespannt!

 

Für heute war es das, lassen Sie sich trotz allem Ihren Tag nicht vermiesen und bleiben Sie gesund!

 

UNTER ANDEREM IN DIESER AUSGABE:

Weg von der Straße – Wohnen ist Menschenrecht

Zum Tag der Wohnungslosen – Eine Parkbank ist kein Zuhause

Im Gespräch mit Lukas Oettle – Einem der Gründer von beneFit e. V.

900 Jahre Armut in Freiburg (Teil 20)

Buchbesprechung von utasch – Manuel Vilas: Die Reise nach Ordesa