Liebe LeserInnen,
was war das für ein aufregender Mai... Was sich weltweit so abgespielt hat, ist kaum noch zu toppen. Wir haben einen neuen Kanzler, die Welt hat einen neuen Papst und die USA werden von einem Irren regiert. Nicht schlecht für einen Monat!
Das ging ja diesmal schnell mit der Papstwahl. Ich hatte mich eigentlich auf ein mehrwöchiges Spektakel eingestellt, aber dann war der Papst schon nach einem Tag da. Man hat in den Tagen eine Menge über den Vatikan erfahren – das war mal nicht schlecht. Sonst habe ich damit eigentlich nichts am Hut. Der neue Papst ist ein Amerikaner – und dass er Trump und dessen Politik ablehnt, macht ihn mir durchaus sympathisch.
Hierzulande hat es dafür etwas länger gedauert, bis weißer Rauch aus dem Reichstag kam. Im ersten Wahlgang gab es keine absolute Mehrheit für den Bundeskanzler – ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik, was das hohe Haus sehr erschüttert hat. Als ich Merz so ansah, dachte ich doch glatt, dass die paranoiden Verschwörungsfantasien, die er vor fünf Jahren schon mal hatte, wieder in ihm hochkommen. Damals ging es um die Nachfolge von Angela Merkel als Vorsitzende der Partei. Da war Merz dann der Meinung, die Parteispitze hätte ein Projekt „Merz verhindern“ laufen. Das nur mal zu seiner Kanzlertauglichkeit. Aber ernsthaft, haben die Damen und Herren von SPD und CDU eigentlich darüber nachgedacht, was sie mit ihrer Stimmverweigerung im ersten Wahlgang hätten anrichten können? Wäre Alice Weidel nicht vor das erstbeste Mikrofon gerannt und hätte Merz in Grund und Boden geredet und beschimpft, dann hätte das böse ausgehen können. Die hätten echt unsere Regierung lahmlegen und die Demokratie aushebeln können. Was wäre passiert, wenn die AfD im zweiten Gang geschlossen für Merz gestimmt hätte? Dann hätte Merz nach CDU-Regeln und auch nach seinen eigenen Maximen den Job nicht annehmen dürfen. Und dann? Das wäre dann mit jedem weiteren CDU-Kandidaten so gegangen, bis der Bundespräsident die Nase voll gehabt hätte und Neuwahlen angesetzt hätte! Und die hätten böse ausgehen können. Es ist ja (für diesmal) noch mal gut gegangen. Ich kann jetzt nicht unbedingt sagen, dass ich froh bin, dass Merz doch noch Kanzler geworden ist, aber ganz ehrlich, die Alternative hätte ich erst recht nicht gewollt.
Doch noch mehr graut es mir, wenn ich über den Teich in die USA schaue. Was Donald Trump in den letzten Monaten angestellt hat, ist langsam nicht mehr lustig. Der setzt sämtliche Gesetze, die ihm nicht passen, außer Kraft. Er zerstört alles, was auch nur entfernt einen demokratischen Anschein hat, verbietet jede Meinung, die nicht seine ist, und beleidigt Menschen auf der ganzen Welt. Und das alles völlig allein, ohne sich mit jemandem zu beraten – denn seine Lakaien sind meist genauso überrascht von dem, was er tut, wie wir. Diktator wäre bei Trump eigentlich noch zu milde ausgedrückt! WissenschaftlerInnen und PsychiaterInnen sprechen bei diesem Krankheitsbild von Cäsarenwahn – ich glaube, das trifft es ziemlich genau. Vor allem denkt er absolut nicht darüber nach, was er sagt oder tut. Als er neulich den Präsidenten von Südafrika mit Fotos von angeblichen Massakern an weißen Südafrikanern traktierte, habe ich bewundert, wie ruhig der geblieben ist. Dass schon zwei Stunden später die ganze Welt wusste, dass die Bilder aus dem Kongo stammen, interessiert Trump nicht. Eine Entschuldigung kam natürlich auch nicht. Auch der Ukrainekrieg ist für ihn nur ein Spiel – er hat ja schon verlauten lassen, dass er den Friedensnobelpreis will... Ich hoffe nur, dass unsere Regierung bei diesem Spiel nicht mitmacht, nur weil wir die USA brauchen. So brauchen wir sie sicher nicht.
So, genug geschimpft! Wir wünschen Ihnen wie immer viel Spaß beim Lesen und bleiben wenigstens Sie besonnen.
Carsten