| Die Kinder quittieren die Arbeit mit großen Augen und
die Erwachsenen bewundern die handwerklichen Fähigkeiten
der Vorführer. Geduldig werden die Fragen der neugierigen
Besucher beantwortet.
Im Grunde gibt es zwei unterschiedliche Zinnfigurenarten: die
Flachfiguren und die Rundfiguren. In der Zinnfigurenklause werden
in den Dioramen fast ausschließlich Flachfiguren verwendet,
was wohl auch damit zu tun hat, dass die Rundfiguren zu schwer
sind. Bei über 1000 Figuren im Schaukasten muss man das Gewicht
bei der Gestaltung berücksichtigen.
Die meisten Formen der Klause bestehen aus Schieferstein. Die
Formen für die Figuren werden nach Bedarf hergestellt.
Ein Graveur sichelt (kratzt) das Motiv in einen Schieferstein.
Nicht jeder Schiefer ist geeignet für die Herstellung von
Gießformen. Er sollte sehr feinkörnig und ohne Hohlräume
sein. Die geeigneten Schieferarten kommen aus der Eifel, dem Erzgebirge
und anderen Gebieten im Osten der Republik, auch italienischer
Schiefer wird oft verwendet.
Bis so eine Zinnfigur fertig ist, sind einige Arbeitsschritte
zu erledigen. Zuerst schmelzen wir Zinn, Blei und andere Metalle
in einem Elektro-Ofen zu einer speziellen Legierung und gießen
diese bei hohen Temperaturen in die Schieferformen.
Da sich im ruhenden Schiefer Wasser ansammelt, wird die Steinform
vor dem Gießvorgang in einem Backofen getrocknet. Mit einer
Gusskelle wird die flüssige Zinnlegierung in die Form gegossen.
Jede Form hat haarfeine Entlüftungskanäle, damit die
Luft entweichen und jede Feinheit der Form mit der Legierung ausgefüllt
werden kann. Metall, welches sich in die Lüftungskanäle
ausgebreitet hat, wird später abgezwickt und die Bruchstellen
werden abgeschliffen.
Beim Schaugießen im Turm stellen die Besucher fest, dass
auch einem Profi nicht jeder Guss gelingt.
Nicht immer erreicht das erhitzte Metall jede kleine Feinheit
der Form, unvollständige oder kaputte Figuren kommen einfach
wieder in den Schmelztiegel und werden beim nächsten Guss
wiederverwendet.
Die
abgekühlten Figuren werden gewaschen und von allen Rückständen
befreit. Eine extrem saubere Oberfläche ist nötig, damit
die Ölfarbe dauerhaft auf dem Zinn hält. Die Figur wird
mit Acrylfarbe grundiert und untermalt, später mit Ölfarbe
bemalt.
Für das Bemalen sollte man Geduld und eine ruhige Hand
mitbringen, eine Lupenleuchte hilft die Feinheiten der Figur besser
zu erkennen und mit Farbe hervorheben zu können. Bemalt werden
die Figuren nach historischen Vorlagen.
Die Dioramen der Klause behandeln u. a. die Themen Bauernkriege
und Reformation und Badische Revolution. Zwischen 1525 und 1526
erhob sich der „gemeine Mann“ gegen seine weltlichen
und kirchlichen Herren.
Die Aufstände in und um Freiburg können in mehreren
Dioramen bewundert werden. Eines erinnert z.B. an den Zug des
Schwarzwälder Bauerführers Hans Müller aus Bulgenbach
und seiner Rotte gegen die Stadt Freiburg.
Drei
Dioramen befassen sich mit der Reformation. In einem sieht man
Martin Luther mit seinen Getreuen bei der Verbrennung der päpstlichen
Bann-Androhungsbulle.
Höhepunkt in der zweiten Etage ist das noch im Bau befindliche
Diorama zur badischen Revolution 1848. Damals fanden am Ostermontag
1848 am Fuß des Schwabentors die entscheidenden Kämpfe
zwischen den Freiheitskämpfern und hessischen, württembergischen
und preußischen Soldaten statt.
Die Aufständischen hatten einen langen Marsch von Konstanz
nach Freiburg hinter sich, waren müde und schlecht bewaffnet.
Die Soldaten waren ausgeruht, da sie mit dem Zug gekommen waren
(schon 1846 war eine Zugstrecke nach Freiburg gelegt worden).
Außerdem waren die Truppen viel besser ausgerüstet.
Die Freiheitskämpfer hatten keine Chance...
Auch andere Themen sind in den Dioramen anschaulich dargestellt,
interessante Ausschnitte der Geschichte gibt es in der Zinnfigurenklause
zu entdecken – ein Besuch kann sich lohnen und das nicht
nur am Tag der Offenen Tür. Schauen Sie doch mal rein!
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EIGENE GESCHICHTE:
Das Museum wurde 1969 von Andreas Lehmann gegründet.
Die Unterstützung des damaligen Oberbürgermeisters
Eugen Keidel machte es möglich, dass Herr Lehmann mit
seiner Sammlung in die Räume des mittelalterlichen
Turms ziehen konnte. In den folgenden Jahren schuf Lehmann
weitere kulturhistorische Dioramen.
1987 kam Andreas Müller zum ersten Male nach Freiburg
und besuchte die Klause. Da Herr Müller großes
Interesse an deutscher Geschichte und Dioramenbau zeigte,
lud Lehmann Müller zur Zusammenarbeit ein.
Nachdem Andreas Lehmann nach längerer Krankheit im
Juni 1989 verstarb, übernahm Herr Müller die Leitung
der Klause. Am 2.11.1989 gründete Herr Müller
mit 13 Gleichgesinnten den Freundes- und Förderkreis
der Zinnfigurenklause im Schwabentor e.V. Seit 1989 wird
nun die Klause vollständig von dem ehrenamtlich wirkenden
Verein betrieben, der Dioramen gestaltet, die Figuren gießt
und bemalt und die Museumsräume für Besucher aus
aller Welt öffnet.
Wegen des hohen Alters von Herrn Müller begann schon
2007 die Suche nach einer neuen Leitung der Klause. Das
Kulturamt der Stadt Freiburg kam 2007 auf die Idee, das
Archiv Soziale Bewegung nach Übernahme der Leitung
des Museums zu fragen. Nach einigen klärenden Gesprächen
übernahm das ASB die Leitung des Museums, schon die
Saison 2008 lief in Zusammenarbeit zwischen Freundeskreis
und ASB ab.
Der Freundes- und Förderkreis der Zinnfigurenklause
im Schwabentor e.V. kümmert sich um den Bau der Dioramen,
den Guss und die Bemalung der Figuren und die Öffnung
der Klause, das Archiv Soziale Bewegung kümmert sich
um die Öffentlichkeitsarbeit, so entstanden u.a. neue
Flyer über die Klause, ein neues Türschild weist
auf das Museum hin. Das ASB kümmert sich außerdem
um die Verwaltungsaufgaben des Museums und ist der Ansprechpartner
für die Stadt Freiburg.
Für die Zukunft der Zinnfigurenklause ist geplant,
die Ausstellungsräume um die dritte Etage zu erweitern
und den Besuchern zukünftig die Hintergründe der
historischen Konflikte mit modernen Anschauungsmittel und
Techniken verständlicher zu machen.
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Der Freundes- und Förderkreis der Zinnfigurenklause im Schwabentor
e.V. freut sich über neue und engagierte Leute in den eigenen
Reihen. Wenn Sie beim Verein mitmachen wollen, dann rufen Sie
an: 0761 / 59 59 56 2 oder schicken eine E-Mail: ZinnfigurenFreundeskreis@web.de
Die Vereinsmitglieder treffen sich regelmäßig in
den Arbeitsräumen über dem Schwabentor, Eingang Schlossbergring
2.
Hier werden die Dioramen gebaut, die Zinnfiguren gegossen und
bemalt, feine Holzarbeiten verrichtet, sich mit Geschichte beschäftigt.
Um im Verein mitarbeiten zu können, muss man keine Vorkenntnisse
mitbringen. Die Vereinsmitglieder sind gerne bereit, ihr Wissen
an andere Leute weiter zu geben.
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