Die Strassenzeitung aus Freiburg

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Lebenselixier und Machtfaktor

Wasser ist auf den ersten Blick gesehen banal. Es ist nass, geruch-, geschmack- und farblos. Trotzdem ist es das wichtigste Gut, was wir auf der Erde haben.

Wasser hat, als einziges natürliches Element, die Eigenschaft, große Mengen an Sonnenenergie aufzunehmen, die in den Meeren gespeichert und dort in Wärme umgewandelt wird. Diese Wärme wird langsam an die Umgebung abgegeben und dadurch gibt es auf der Erde ein relativ stabiles Klima.

Wenn Wasser verdunstet, nimmt es wohl große Mengen Energie auf, ohne dass sich seine Temperatur spürbar verändert und verwandelt sich erst dann in Wärme, wenn der Wasserdampf wieder zu flüssigem Wasser kondensiert.

Auch Eis gibt diese Wärme erst wieder im flüssigen Zustand weiter. Für den Süßwasserkreislauf ist es wichtig, dass Wasser die Eigenschaft hat seinen Zustand zu wechseln – es schmilzt, verdunstet, wird wieder flüssig oder erstarrt zu Eis.

Gäbe es diesen permanenten Wechsel nicht, wäre unsere Erde ein ziemlich unwirtschaftlicher Planet mit extrem starken Temperaturschwankungen.

Hätte Wasser diese ungewöhnlichen Eigenschaften als Wärmespeicher nicht, würde die Hälfte der auf die Erde einstrahlenden Sonnenenergie wieder ins Weltall zurückreflektiert und ginge für die Erde verloren.

 

 

Wir hätten ein Klima unter dem Gefrierpunkt, denn für ein Leben auf der Erde brauchen wir drei Viertel der Sonnenenergie und Wasser ist das einzige natürliche Element, welches diese Menge an Energie speichern kann.

Für den Menschen und die Natur ist Wasser in flüssiger Form natürlich am wichtigsten. Wir nutzen es für die Landwirtschaft und brauchen es als Trinkwasser. Dafür benötigen wir Süßwasser und das steht uns nicht unbegrenzt zur Verfügung, denn nur 2,5% der gesamten Wassermenge ist Süßwasser. Nur ein Drittel davon steht uns als Grundwasser zur Verfügung, der Rest befindet sich in den Eiskappen der Pole und den Gletschern. Diese begrenzte Menge an Süßwasser, die im 18. Jahrhundert für eine Milliarde Menschen zur Verfügung stand muss heute für fast sieben Milliarden reichen und dadurch kann sich das Grundwasser nicht so schnell regenerieren wie es verbraucht wird.

Ein weiteres Problem ist, dass diese lebenswichtigen Grundwasservorkommen ungleich verteilt sind. Gerade in den bevölkerungsreichsten Ländern gibt es weniger Grundwasser als in Europa oder den USA. Diese Verteilung entscheidet über Dürre und Fruchtbarkeit, über extreme Wasserknappheit und Flutkatastrophen. Von dieser relativ kleinen Wassermenge, die uns zur Verfügung steht, hängt es ab, ob die Weltbevölkerung ausreichend frisches Trinkwasser und die Landwirtschaft genügend Wasser zur Bewässerung ihrer Felder hat.

Wem gehört das Wasser?

Hrsg.: K. Lanz, L. Müller, Ch. Rentsch, R. Schwarzenbach, Verlag Lars Müller Publishers,

Baden 2006. ISBN 3-03778-015-0 EUR 44,90

Die Landwirtschaft verbraucht 70% des vom Menschen genutzten Süßwassers und in Afrika und Asien sind es sogar 80-90%. Für die Fleischproduktion benötigt man sogar die 10-fache Menge Wasser. Damit wir ein 300 Gramm Steak essen können, werden 3.000 Liter verbraucht! Um die stetig wachsende Bevölkerung zu ernähren, kam es zur Industrialisierung der Landwirtschaft.

Mit dem Bau von Stauseen, der Umleitung von Flüssen über Hunderte von Kilometern, dem Bau weit verzweigter Bewässerungskanäle und der Ausbeutung der Grundwasservorräte wird der zunehmende Wasserverbrauch der modernen Agrarindustrie gedeckt. Dies hat wohl die Ernährungslage von Millionen Menschen verbessert, allerdings auch ökologische Schäden verursacht, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Mittlerweile werden immer größere Mengen an Düngemittel und Pestiziden eingesetzt, die die Anbauflächen schädigen. Durch übermäßige oder falsche Wasserzufuhr sind weltweit ein Drittel der Anbauflächen versalzt. Durch diese Versalzung werden Jahr für Jahr über 1 Million Hektar Ackerland unfruchtbar.

Das Wasser nimmt, wenn es im Boden versickert, kleine Mengen von Mineralsalzen der Gesteine auf und je länger das Wasser in der Erde bleibt, umso salziger wird es. Auch die Verdunstung spielt dabei eine Rolle, denn je mehr Wasser verdunstet, desto mehr steigt der Salzgehalt im verbleibenden Wasser. Deshalb versalzen die Böden ausgerechnet in den wasserärmsten, warmen und trockenen Regionen wesentlich schneller, als in den gemäßigten Zonen.

Etwa die Hälfte des Wassers versickert oder verdunstet wirkungslos bei den oben genannten Bewässe-rungsmethoden, bevor es die Pflanze überhaupt erreicht.

Diese sinnlose und schädliche Bewässerung kann zum Teil mit der Mikro- oder Tröpfchenbewässerung vermieden werden. Das Prinzip hierfür ist ganz einfach: Das Wasser wird durch ein System von dünnen Plastikschläuchen direkt an die Wurzeln der Pflanzen transportiert und kann über eine Art Tröpfchenzähler dosiert werden. Bei dieser Bewässerungsmethode werden nur 40 % Wasser benötigt, die Böden versalzen nicht und die Erträge sind um 20% höher als bei der herkömmlichen Bewässerung.

Die Tröpfchenbewässerung kann allerdings nicht in der ganzen Landwirtschaft eingesetzt werden und ist für Kleinbauern kaum zu finanzieren. Trotzdem wäre es eine Alternative und müsste finanziell gefördert werden.

Wasser ist ein Machtfaktor.

Flüsse kennen keine Grenzen und deshalb liegen weltweit ca. 2/3 der Staaten an einem oder mehreren Flüssen, dessen Wasser sie sich mit anderen Ländern teilen müssen. Syrien und der Irak sind für die Trinkwasserversorgung ihrer Bevölkerung und zur Energieversorgung abhängig vom Wasser des Euphrat und Tigris. Fast 80% seines Oberflächenwassers erhält Syrien aus anderen Ländern, hauptsächlich aus der Türkei, und der Irak ist zu 60% von dieser Wasserzufuhr abhängig.

Der Irak und Syrien sind als Anrainer dieser beiden Flüsse darauf angewiesen, dass die Türkei, in deren Staatsgebiet die Quellen der Ströme liegen, genug Wasser für sie übrig lässt. Deshalb ist Wassermangel hier an der Tagesordnung. Auch die Türkei beklagt den Wassermangel im eigenen Land und baute aus diesem Grund riesige Staudämme.

Deshalb gibt es hier schon seit Jahrzehnten Streit um die Wasserrechte an den beiden Flüssen. Als die Türkei 1990 zur Erstbefüllung des Atatürk-Staudamms die Wasserzufuhr des Euphrats für einen Monat vollständig absperrte, standen militärische Auseinandersetzungen kurz bevor, die allerdings noch in letzter Sekunde abgewehrt werden konnten.

Die Türkei wäre jederzeit in der Lage, Syrien und den Irak im wahrsten Sinne den Hahn abzudrehen und ihnen damit das lebensnotwendige Wasser vorzuenthalten.

Bei diesen Konflikten spielt sicherlich auch die unterschiedliche Auffassung der Kurdenfrage eine Rolle.

Dieser Machtkampf um Wasser spielt auch im Nahostkonflikt und anderen Gebieten eine nicht unwesentliche Rolle. Zwischen 1949 und 1998 gab es weltweit 1831 Wasserkonflikte, bei denen 37 mit Waffengewalt ausgetragen wurden und bei 93 Konflikten kam es zu unmissverständlichen Androhungen von Gewalt und wirtschaftlicher Sanktionen. Dieser Kampf ums Wasser wird sich weiter verschärfen, denn Süßwasser wird immer knapper und ein Grundrecht auf Wasser gibt es international nicht.

Ohne Wasser stirbt ein Mensch innerhalb von drei bis vier Tagen und Wasser ist zusammen mit Luft und Nahrung die wichtigste Lebensgrundlage aller Lebewesen. Deshalb ist es wichtig, dass wir mit dem Trinkwasser sparsamer umgehen, denn auch der Zugang zu Trink- und Nutzwasser ist auf der Welt ungleich verteilt. In den hochentwickelten Ländern verbraucht ein Mensch über 100 Liter am Tag, während in Afrika, Asien und Lateinamerika Millionen von Menschen mit weniger als 20 Litern am Tag auskommen müssen. Für dieses Wasser, was oft verschmutzt ist, müssen diese Menschen oft auch noch kilometerweit laufen.

Eine Milliarde Menschen haben keinen sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser und über zwei Milliarden haben noch nicht einmal Zugang zu den einfachsten sanitären Einrichtungen.

Dieses Problem spitzt sich gerade in den Städten zu, wo immer mehr Menschen in Slums wohnen. Diese Bewohner sind von der Wasserversorgung vollkommen abgeschnitten, denn der Bau und der Unterhalt einer funktionierenden Wasserversorgung sind sehr aufwendig und teuer. Das führt dazu, dass das Wasser in diesen Großstädten sehr stark mit Fäkalien und chemischen Schadstoffen verseucht ist.

Beispielsweise liegt die Hälfte der Favelas (Slums) von Sao Paulo an den Ufern der Reservoirs, die die Stadt mit Wasser versorgen. Weil die Bewohner ihren Müll, mangels Infrastruktur direkt in den Reservoirs oder Bachläufe entsorgen, entsteht ein hohes Gesundheitsrisiko und die Stadt muss das Trinkwasser immer stärker chloren, um so Durchfallerkrankungen zu verhindern.

Wir sollten allerdings hierfür nicht die Schuld bei den Bewohnern suchen, denn es hat Ursachen und Gründe, warum Menschen in Slums leben. Es ist der Kampf ums Überleben, der sie zwingt, vom Land in diese weltweit immer stärker anwachsenden Slums zu ziehen.

„Wasser ist ein Lebensmittel, so wie jedes andere Lebensmittel sollte es einen Marktwert haben“, sagte der Nestle-Konzernchef Peter Brabeck-Letmathe in einem Interview den Filmemachern von „We feed the World“. Nestle gehört zu den vier weltweit größten Mineralwasserherstellern der Welt. Mineralwasser ist ein boomen-des Geschäft und für das Jahr 2010 rechnen diese Wasserverkäufer mit einem Umsatz von 265 Milliarden Litern. Mineralwasser wird zum größten Teil in Europa und den USA, also den grundwasserreichen Staaten verkauft und die Länder, in denen eine Wasserknappheit besteht, haben davon keinen Nutzen. Stattdessen werden ihre Grundwasserreserven wie zum Beispiel in der indischen Stadt Plachinada ausgebeutet. Dort hat der Konzern Coca Cola eine Abfüllstation gebaut, die täglich 1,5 Millionen Liter Wasser aus dem Boden pumpt. Seitdem ist der Grundwasserpegel in dieser Region um 100 Meter gesunken und viele Brunnen, aus denen die Frauen bisher das Trinkwasser geholt haben, sind deshalb versiegt. Die Folge ist, dass die Frauen über 5 Kilometer weit lauf müssen, denn die Flasche Wasser zum Preis von 12 Rupies (0,22 Euro) kann sich dort niemand leisten.

Mineralwasser ist gerade in diesen wasserarmen Regionen auch keine echte Alternative. Es kann wohl als Trinkwasser genutzt werden, aber für den tagtäglichen Alltagsgebrauch (Kochen und Körperhygiene) ist dies keine Lösung, weil die Menschen das Geld, um dieses Wasser zu kaufen, gar nicht haben.

Zum Abschluss noch zwei kurze Anmerkungen:

Jährlich werden rund 500 Millionen Tonnen an industriellen Abfällen in Flüsse, Seen und Meere eingeleitet. Über 40% der Flüsse in den USA sind zum Schwimmen, Fischen und als Trinkwasserquelle ungeeignet und in China über 80%.

Ausgerechnet die Hauptverursacher dieser Umweltzerstörungen verhinderten mit ihrem Veto beim UN-Klimagipfel in Kopenhagen, dass es zu konkreten verpflichtenden Vereinbarungen der Teilnehmerstaaten gekommen ist.

Mit Klein- und Kleinstanlagen könnten rund 180.000 Megawatt Wasserkraftstrom erzeugt werden, das entspricht einer Leistung von 180 Atomkraftwerken. Leider wird nur ein Viertel dieses Potenzials genutzt.

Uli

 

 

 

 

 

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