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Wir hätten ein Klima unter dem Gefrierpunkt, denn für ein Leben
auf der Erde brauchen wir drei Viertel der Sonnenenergie und
Wasser ist das einzige natürliche Element, welches diese
Menge an Energie speichern kann.
Für den Menschen und die Natur ist Wasser in flüssiger
Form natürlich am wichtigsten. Wir nutzen es für
die Landwirtschaft und brauchen es als Trinkwasser. Dafür
benötigen wir Süßwasser und das steht uns
nicht unbegrenzt zur Verfügung, denn nur 2,5% der gesamten
Wassermenge ist Süßwasser. Nur ein Drittel davon
steht uns als Grundwasser zur Verfügung, der Rest befindet
sich in den Eiskappen der Pole und den Gletschern. Diese begrenzte
Menge an Süßwasser, die im 18. Jahrhundert für
eine Milliarde Menschen zur Verfügung stand muss heute
für fast sieben Milliarden reichen und dadurch kann sich
das Grundwasser nicht so schnell regenerieren wie es verbraucht
wird.
Ein weiteres Problem ist, dass diese lebenswichtigen Grundwasservorkommen
ungleich verteilt sind. Gerade in den bevölkerungsreichsten
Ländern gibt es weniger Grundwasser als in Europa oder
den USA. Diese Verteilung entscheidet über Dürre
und Fruchtbarkeit, über extreme Wasserknappheit und Flutkatastrophen.
Von dieser relativ kleinen Wassermenge, die uns zur Verfügung
steht, hängt es ab, ob die Weltbevölkerung ausreichend
frisches Trinkwasser und die Landwirtschaft genügend
Wasser zur Bewässerung ihrer Felder hat.
Wem gehört das Wasser?
Hrsg.: K. Lanz, L. Müller, Ch.
Rentsch, R. Schwarzenbach, Verlag Lars Müller
Publishers,
Baden 2006. ISBN 3-03778-015-0 EUR
44,90
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Die Landwirtschaft verbraucht 70% des vom Menschen genutzten
Süßwassers und in Afrika und Asien sind es sogar
80-90%. Für die Fleischproduktion benötigt man sogar
die 10-fache Menge Wasser. Damit wir ein 300 Gramm Steak essen
können, werden 3.000 Liter verbraucht! Um die stetig
wachsende Bevölkerung zu ernähren, kam es zur Industrialisierung
der Landwirtschaft.
Mit dem Bau von Stauseen, der Umleitung von Flüssen
über Hunderte von Kilometern, dem Bau weit verzweigter
Bewässerungskanäle und der Ausbeutung der Grundwasservorräte
wird der zunehmende Wasserverbrauch der modernen Agrarindustrie
gedeckt. Dies hat wohl die Ernährungslage von Millionen
Menschen verbessert, allerdings auch ökologische Schäden
verursacht, die nicht mehr rückgängig gemacht werden
können.
Mittlerweile werden immer größere Mengen an Düngemittel
und Pestiziden eingesetzt, die die Anbauflächen schädigen.
Durch übermäßige oder falsche Wasserzufuhr
sind weltweit ein Drittel der Anbauflächen versalzt.
Durch diese Versalzung werden Jahr für Jahr über
1 Million Hektar Ackerland unfruchtbar.
Das Wasser nimmt, wenn es im Boden versickert, kleine Mengen
von Mineralsalzen der Gesteine auf und je länger das
Wasser in der Erde bleibt, umso salziger wird es. Auch die
Verdunstung spielt dabei eine Rolle, denn je mehr Wasser verdunstet,
desto mehr steigt der Salzgehalt im verbleibenden Wasser.
Deshalb versalzen die Böden ausgerechnet in den wasserärmsten,
warmen und trockenen Regionen wesentlich schneller, als in
den gemäßigten Zonen.
Etwa die Hälfte des Wassers versickert oder verdunstet
wirkungslos bei den oben genannten Bewässe-rungsmethoden,
bevor es die Pflanze überhaupt erreicht.
Diese sinnlose und schädliche Bewässerung kann
zum Teil mit der Mikro- oder Tröpfchenbewässerung
vermieden werden. Das Prinzip hierfür ist ganz einfach:
Das Wasser wird durch ein System von dünnen Plastikschläuchen
direkt an die Wurzeln der Pflanzen transportiert und kann
über eine Art Tröpfchenzähler dosiert werden.
Bei dieser Bewässerungsmethode werden nur 40 % Wasser
benötigt, die Böden versalzen nicht und die Erträge
sind um 20% höher als bei der herkömmlichen Bewässerung.
Die Tröpfchenbewässerung kann allerdings nicht
in der ganzen Landwirtschaft eingesetzt werden und ist für
Kleinbauern kaum zu finanzieren. Trotzdem wäre es eine
Alternative und müsste finanziell gefördert werden.
Wasser ist ein Machtfaktor.
Flüsse kennen keine Grenzen und deshalb liegen weltweit
ca. 2/3 der Staaten an einem oder mehreren Flüssen, dessen
Wasser sie sich mit anderen Ländern teilen müssen.
Syrien und der Irak sind für die Trinkwasserversorgung
ihrer Bevölkerung und zur Energieversorgung abhängig
vom Wasser des Euphrat und Tigris. Fast 80% seines Oberflächenwassers
erhält Syrien aus anderen Ländern, hauptsächlich
aus der Türkei, und der Irak ist zu 60% von dieser Wasserzufuhr
abhängig.
Der Irak und Syrien sind als Anrainer dieser beiden Flüsse
darauf angewiesen, dass die Türkei, in deren Staatsgebiet
die Quellen der Ströme liegen, genug Wasser für
sie übrig lässt. Deshalb ist Wassermangel hier an
der Tagesordnung. Auch die Türkei beklagt den Wassermangel
im eigenen Land und baute aus diesem Grund riesige Staudämme.
Deshalb gibt es hier schon seit Jahrzehnten Streit um die
Wasserrechte an den beiden Flüssen. Als die Türkei
1990 zur Erstbefüllung des Atatürk-Staudamms die
Wasserzufuhr des Euphrats für einen Monat vollständig
absperrte, standen militärische Auseinandersetzungen
kurz bevor, die allerdings noch in letzter Sekunde abgewehrt
werden konnten.
Die Türkei wäre jederzeit in der Lage, Syrien und
den Irak im wahrsten Sinne den Hahn abzudrehen und ihnen damit
das lebensnotwendige Wasser vorzuenthalten.
Bei diesen Konflikten spielt sicherlich auch die unterschiedliche
Auffassung der Kurdenfrage eine Rolle.
Dieser Machtkampf um Wasser spielt auch im Nahostkonflikt
und anderen Gebieten eine nicht unwesentliche Rolle. Zwischen
1949 und 1998 gab es weltweit 1831 Wasserkonflikte, bei denen
37 mit Waffengewalt ausgetragen wurden und bei 93 Konflikten
kam es zu unmissverständlichen Androhungen von Gewalt
und wirtschaftlicher Sanktionen. Dieser Kampf ums Wasser wird
sich weiter verschärfen, denn Süßwasser wird
immer knapper und ein Grundrecht auf Wasser gibt es international
nicht.
Ohne Wasser stirbt ein Mensch innerhalb von drei bis vier
Tagen und Wasser ist zusammen mit Luft und Nahrung die wichtigste
Lebensgrundlage aller Lebewesen. Deshalb ist es wichtig, dass
wir mit dem Trinkwasser sparsamer umgehen, denn auch der Zugang
zu Trink- und Nutzwasser ist auf der Welt ungleich verteilt.
In den hochentwickelten Ländern verbraucht ein Mensch
über 100 Liter am Tag, während in Afrika, Asien
und Lateinamerika Millionen von Menschen mit weniger als 20
Litern am Tag auskommen müssen. Für dieses Wasser,
was oft verschmutzt ist, müssen diese Menschen oft auch
noch kilometerweit laufen.
Eine Milliarde Menschen haben keinen sicheren Zugang zu sauberem
Trinkwasser und über zwei Milliarden haben noch nicht
einmal Zugang zu den einfachsten sanitären Einrichtungen.
Dieses Problem spitzt sich gerade in den Städten zu,
wo immer mehr Menschen in Slums wohnen. Diese Bewohner sind
von der Wasserversorgung vollkommen abgeschnitten, denn der
Bau und der Unterhalt einer funktionierenden Wasserversorgung
sind sehr aufwendig und teuer. Das führt dazu, dass das
Wasser in diesen Großstädten sehr stark mit Fäkalien
und chemischen Schadstoffen verseucht ist.
Beispielsweise liegt die Hälfte der Favelas (Slums)
von Sao Paulo an den Ufern der Reservoirs, die die Stadt mit
Wasser versorgen. Weil die Bewohner ihren Müll, mangels
Infrastruktur direkt in den Reservoirs oder Bachläufe
entsorgen, entsteht ein hohes Gesundheitsrisiko und die Stadt
muss das Trinkwasser immer stärker chloren, um so Durchfallerkrankungen
zu verhindern.
Wir sollten allerdings hierfür nicht die Schuld bei
den Bewohnern suchen, denn es hat Ursachen und Gründe,
warum Menschen in Slums leben. Es ist der Kampf ums Überleben,
der sie zwingt, vom Land in diese weltweit immer stärker
anwachsenden Slums zu ziehen.
„Wasser ist ein Lebensmittel, so wie jedes andere Lebensmittel
sollte es einen Marktwert haben“, sagte der Nestle-Konzernchef
Peter Brabeck-Letmathe in einem Interview den Filmemachern
von „We feed the World“. Nestle gehört zu
den vier weltweit größten Mineralwasserherstellern
der Welt. Mineralwasser ist ein boomen-des Geschäft und
für das Jahr 2010 rechnen diese Wasserverkäufer
mit einem Umsatz von 265 Milliarden Litern. Mineralwasser
wird zum größten Teil in Europa und den USA, also
den grundwasserreichen Staaten verkauft und die Länder,
in denen eine Wasserknappheit besteht, haben davon keinen
Nutzen. Stattdessen werden ihre Grundwasserreserven wie zum
Beispiel in der indischen Stadt Plachinada ausgebeutet. Dort
hat der Konzern Coca Cola eine Abfüllstation gebaut,
die täglich 1,5 Millionen Liter Wasser aus dem Boden
pumpt. Seitdem ist der Grundwasserpegel in dieser Region um
100 Meter gesunken und viele Brunnen, aus denen die Frauen
bisher das Trinkwasser geholt haben, sind deshalb versiegt.
Die Folge ist, dass die Frauen über 5 Kilometer weit
lauf müssen, denn die Flasche Wasser zum Preis von 12
Rupies (0,22 Euro) kann sich dort niemand leisten.
Mineralwasser ist gerade in diesen wasserarmen Regionen auch
keine echte Alternative. Es kann wohl als Trinkwasser genutzt
werden, aber für den tagtäglichen Alltagsgebrauch
(Kochen und Körperhygiene) ist dies keine Lösung,
weil die Menschen das Geld, um dieses Wasser zu kaufen, gar
nicht haben.
Zum Abschluss noch zwei kurze Anmerkungen:
Jährlich werden rund 500 Millionen Tonnen an industriellen
Abfällen in Flüsse, Seen und Meere eingeleitet.
Über 40% der Flüsse in den USA sind zum Schwimmen,
Fischen und als Trinkwasserquelle ungeeignet und in China
über 80%.
Ausgerechnet die Hauptverursacher dieser Umweltzerstörungen
verhinderten mit ihrem Veto beim UN-Klimagipfel in Kopenhagen,
dass es zu konkreten verpflichtenden Vereinbarungen der Teilnehmerstaaten
gekommen ist.
Mit Klein- und Kleinstanlagen könnten rund 180.000
Megawatt Wasserkraftstrom erzeugt werden, das entspricht einer
Leistung von 180 Atomkraftwerken. Leider wird nur ein Viertel
dieses Potenzials genutzt.
Uli
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