|
Allerdings muss Mensch auch sehr mobil sein, denn es ist nicht erlaubt
auf öffentlichen Parkplätzen zu wohnen. Als Didi dann
2004 mal wieder darauf hingewiesen wurde, dass er den Parkplatz
bis Montag zu verlassen habe, machte er sich auf die Suche nach
einem neuen Standort.
Das leerstehende Gelände am Schießplatz in der Nähe
des Flughafens war ideal und so stellte er sich auf den Platz. Wolle
war in der gleichen Situation und Didi bot ihm an, dass er sich
doch mit seinem Wagen dazustellen kann. Drei Monate später
kam Reinhold - gerade aus Frankreich zurück – ebenfalls
dazu und so entstand diese kleine Wagenburg, auf der mittlerweile
6 Menschen leben.
Da
es sich nicht um ein städtisches Grundstück handelte,
nahm die Gruppe den Kontakt zum Eigentümer (Liegenschaftsamt
des Landes Baden Württemberg) auf und dort hatte man auch nichts
dagegen, dass diese Menschen dort leben können, solange das
Gelände nicht an die Stadt Freiburg verkauft ist. Bedingung
war, dass der Platz nicht vermüllt wird, die Gruppe sich nicht
vergrößert und es zu keinen Schwierigkeiten mit der Nachbarschaft
kommt.
Nach diesem Okay wurde dann als erstes das mobile Toilettenhäuschen
gebaut, denn ein Chemieklo anzumieten, war zu teuer.
Von Anfang an wollten sie nicht an die Öffentlichkeit, sondern
ganz einfach ohne große Forderungen nur hier auf diesem Gelände
einfach in Ruhe leben. Nun hat sich die Situation geändert,
denn im Herbst 2006 ist das Grundstück an die Stadt Freiburg
verkauft worden und spätestens im April müssen sie das
Gelände verlassen.
Wie es dann weitergeht, weiß keiner von ihnen, allerdings
möchten sie sich an ihre bisherigen Abmachungen mit dem alten
Besitzer halten, denn dieser hatte sich der Gruppe gegenüber
in den letzen drei Jahren fair verhalten und das wollen sie nun
auch sein.
Sie möchten auf alle Fälle so weiterleben, denn alleine
in einer Wohnung zu leben, kann sich keiner von ihnen vorstellen
und deshalb suchen sie nach einem geeigneten Gelände. „Es
ist uns wichtig, als kleine überschaubare Gruppe weiterhin
zusammen zu leben“ und deshalb möchten sie auch nicht
in eine der Freiburger Wagenburgen umziehen. Die Gruppe könnte
sich auch vorstellen in einem Haus oder einem Bauerhof in der näheren
Umgebung zu leben. Das Haus kann auch gerne renovierungsbedürftig
sein, denn handwerklich geschickt sind sie alle.
Auch ihren Optimismus haben sie nicht verloren und deshalb kamen
sie dann im letzten Herbst auf die Idee ihre Gemeinschaftshütte
wieder aufzubauen, denn die hatten ihnen 2005 ein paar Neider angezündet.
„Wir wollten es den Winter über noch einmal gemütlich
haben“, meinte Wolle. Um den offenen Kamin herum bauten sie
mit dem vorhandenen Material dieses gemütliche Wohnzimmer.
Für die Isolierung und den Innenausbau mussten sie das Material
im nahe gelegenen Baumarkt kaufen.
Eine Couch, ein paar Sessel und der Tisch waren schnell organisiert,
denn durch den Verkauf des FREIeBÜRGER kommen sie mit vielen
Menschen in Kontakt und die halfen ihnen gerne dabei, dass es in
ihrer Hütte gemütlich wird.
Hier sitzt man nun an den langen Winterabenden zusammen, spielt
Karten, kocht gemeinsam oder schaut in den Fernseher. Ja, auch diesen
„Luxus“ haben sie sich geleistet und der Strom kommt
vom Aggregat, dass man gemeinsam angeschafft hat. „Wir wollen
zusammen leben und nicht einsam vor uns dahin vegetieren“
ist ihr Lebensmotto.
Wer als erster aufsteht, macht schon mal das Feuer im Kamin an,
damit es in der Hütte wieder warm wird und kocht auch die erste
Kanne Kaffee, denn nach und nach kommen die anderen Mitbewohner
herein.
Jetzt wird auch der grobe Tagesplan abgesprochen, wer sich heute
um was kümmert, denn es gibt in solch einer Gemeinschaft einiges
zu tun. Das Wasser muss in Kanistern aus der nahe gelegenen Tankstelle
geholt werden, der Müll muss entsorgt werden und auch der Einkauf
will organisiert sein. Reinhold und Wolle kümmern sich um das
Gemüse, welches sie jeden Samstag von einem Händler auf
dem Münstermarkt geschenkt bekommen - da er dieses nicht mehr
am Montag verkaufen kann, müsste es sonst in den Müll
geworfen werden. Mittlerweile können sie damit auch die anderen
Wagenburgen in ihrer Nachbarschaft versorgen. Beim Kochen - denn
essen ist für sie wichtig - hilft dann jeder mit.
Jeder von ihnen hat seinen eigenen Wagen, in den er sich zurückziehen
kann und wenn er unter Menschen sein möchte, kommt er halt
in die Gemeinschaftshütte.
Wie man an Hand dieser Menschen sieht, muss ein Leben im Wagen
nicht - wie es anscheinend viele meinen - armselig sein. Im Gegenteil,
mit vielen kleinen Dingen des täglichen Alltags geht man wesentlich
bewusster um. Wer von uns macht sich schon großartig Gedanken
darüber, dass z.B. Wasser nicht einfach so aus der Leitung
kommt, sondern ein wichtiger Teil unseres Lebens ist. Wer erst einmal
die Erfahrung gemacht hat, mit wie wenig Wasser man im täglichen
Leben auskommen kann, wird damit in der Zukunft ganz anders umgehen.
„Wir haben in diesen drei Jahren bewiesen, dass es möglich
ist so zu leben“ meint Karlheinz und er kann es deshalb nicht
verstehen, warum es nicht möglich sein soll, auch weiterhin
in solch einer kleinen Gemeinschaft zusammenleben zu können.
Diese Art des gemeinschaftlichen Zusammenlebens ist für diese
Wagenburgler sehr wichtig, denn in dieser kleinen Familie ist einer
für den andern da, man baut sich gegenseitig auf und dadurch
haben sie auch ihre Lust,
am Leben teilzunehmen, wiedergewonnen.
„Alleine in einer Wohnung ist mir die Decke auf den Kopf
gefallen“, erzählt mir Wolle und der Rest der Gruppe
kann dies nur bestätigen. Durch diese Einsamkeit sind sie letztendlich
obdachlos geworden, denn Einsamkeit lässt sich nicht einfach
nur mit Alkohol oder Drogen verdrängen. Aus diesem Grund kann
sich auch keiner von ihnen vorstellen in einer Einrichtung der Wohnungslosenhilfe
zu leben, denn dort wäre der Abstieg von vorneherein wieder
vorprogrammiert - darin sind sich alle einig. Wenn man es geschafft
hat, sich aus der Obdachlosigkeit heraus wieder etwas Eigenes aufzubauen,
dann bedeutet eine Unterbringung in einer Versorgungseinrichtung
einen drastischen Rückschritt, bei dem die Selbständigkeit
auf der Strecke bleibt.
Dieses Argument sollte berücksichtigt werden, denn an Hand
der Wagenburg im Rieselfeld kann man sehen, wie es möglich
ist, dass sich Menschen so wieder stabilisieren können. Mittlerweile
arbeiten sechs der achtzehn BewohnerInnen und zwei von ihnen machen
eine Ausbildung.
Uli
|