Die Strassenzeitung aus Freiburg
  

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Mahlzeit! Heute ist Sonntag, der 01. August 2010


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Damals und heute

Seit Juni 1998 gibt es den FREIeBÜRGER und wenn wir mal wieder in den alten Ausgaben herumblättern, fällt uns auf, dass einige Artikel, die wir damals geschrieben haben, auch heute noch aktuell sind.

Dieser Artikel erschien schon im September 2005.

 

ZU DEN TOPARTIKEL
Juni2009

Zm Archiv

 

 

 



BÄUMCHEN WECHSLE DICH…


Mittlerweile gibt es in Deutschland ca. 40 Straßenzeitungen. Fast alle werden regional verkauft und 23 von ihnen haben sich dem Bundesverband Soziale Straßenzeitungen angeschlossen.

Diese Straßenzeitungen respektieren die Verkaufsgebiete der anderen Straßenzeitungen. Logischerweise gibt es auch „Schwarze Schafe“ unter den Zeitungen.

Seit ca. 1994 gibt es eine „Straßenzeitung“ die sich anfangs „Jedermann“, „Kunst von der Straße“, danach „Streetworker“ und jetzt „StraMaX“ nennt.

 

 

 

Das damalige Logo

Kopf und Initiator dieser Zeitung war Wilhelm der Dritte (Hans Werner Wilhelm, gestorben Nov. 2004). Verkauft wurde diese Zeitung mit den ständig wechselnden Namen meistens nach der gleichen Methode. In regelmäßigen Abständen taucht eine Gruppe, meistens Frauen aus osteuropäischen Ländern, in Freiburg auf und verkauft diese Zeitung immer nach dem gleichen Prinzip.

Angeblich sammelten sie für eine Suppenküche oder einem Straßenkinderprojekt in Rumänien. Damals war es nicht möglich, in irgendeiner Weise mit den Herausgebern in Kontakt zu kommen. Früher, als sich die Zeitung noch Jedermann nannte, landete ich bei meinen Telefonaten immer im Wohnzimmer einer Familie, die mir dann erklärte, sie seien die Geschwister von Wilhelm III. und der wäre im Moment nicht da. Einen Rückruf oder eine Antwort erhielt ich auf meine Nachfragen nie. Auf die Inhalte dieser Zeitung möchte ich nicht weiter eingehen, da die Artikel zum größten Teil aus dem Internet oder aus anderen Zeitungen abgeschrieben sind.

Im Juni war dann wieder ein Trupp ZeitungsverkäuferInnen unterwegs, diesmal mit der ersten Ausgabe des StraMaX und es wurden Spenden für ein Kinderheim in Rumänien gesammelt.
„Immer wieder wurde diese Zeitung von jungen Osteuropäerinnen in der Freiburger Innenstadt ohne Genehmigung angeboten. Außerdem erbaten sie – teilweise sehr aufdringlich – Spenden für ein angebliches Straßenkinderprojekt in Rumänien“.
(BZ 12.7.05)

Wieder versuchte ich Kontakt mit den Herausgebern aufzunehmen.

Da im Impressum nur ein Postfach angegeben ist, rief ich den Kioskbetreiber in Darmstadt an, da dieser als Vertrieb erwähnt wird. Er klang ziemlich genervt und erklärte mir, dass er etliche Beschwerden wegen dem StraMaX bekomme. Als ich ihm vorschlug, dann solle er die Zeitung doch einfach aus seinem Sortiment herausnehmen, erklärte er mir verzweifelt: „Die armen Menschen bedrohen mich, wenn ich ihnen keine Zeitungen gebe!“

Danach schrieb ich eine E-Mail an die Redaktion und bekam nach ca. 2 Wochen eine Antwort: „Hi Uli, schicke uns einfach die Anschrift eurer Redaktion, damit wir euch unsere Informationsmappe zusenden können“. Auf diese Informationsmappe warte ich bis heute noch!
Eine Anfrage beim Ordnungsamt Darmstadt brachte mich auch nicht weiter: „Es ist davon auszugehen, dass es sich um eine karitative Einrichtung handelt“ – als Adresse wird der oben erwähnte Kiosk angegeben.

Diese Auskunft kostete uns übrigens 15 Euro Bearbeitungs-Gebühr.
In der aktuellen Ausgabe des StraMaX war auch ein Artikel abgedruckt, bei dem als Quelle die Frankfurter Rundschau (FR) vom 4.März 2005 angegeben wurde. Ich wandte mich an die FR und nach einem Telefonat mit dem verantwortlichen Redakteur, bei dem ich ihm die dubiosen Verkaufsmethoden erklärte, erschien am 4. August 2005 erneut ein Artikel mit der Überschrift: „Dubiose Praktiken beim Zeitungsverkauf“ in der FR. In dem Artikel weist „der erste Vorsitzende des Vereins Jedermann – Kunst von der Straße, Karl Heinz R. (vollständiger Name der Redaktion bekannt), der den Streetworker herausgibt, alle Vorwürfe zurück.“

Ich schickte diesen Artikel an die Redaktion vom StraMaX und bat um eine Stellungnahme.
Am 22.August bekam ich dann die folgende Antwort:

„Hallo Uli,
wir werden dazu Stellung beziehen. Ein einfacher Besuch unserer Suppenküche am Darmstädter Hauptbahnhof hätte vermutlich genügt um alle Ungereimtheiten aus der Welt zu schaffen. Da Sie selbst an einem Straßenzeitungsprojekt mitwirken, wird Ihnen bekannt sein, dass die Verkäufer mitunter unverschämte Verkaufspraktiken an den Tag legen

. Sie werden verstehen, dass wir weder Zeit noch Mittel zur Verfügung haben, die Verkäufer zu überwachen, da wir außer von unseren Stammkunden, die zu 90 % auch regelmäßige Gäste unserer Suppenküche sind, meistens noch nicht mal den Vornamen kennen. Des Weiteren wird unsere Zeitung nachgedruckt und von dubiosen Verkäufern an den Mann gebracht.

Wir sind uns auch nicht sicher, wie wir diesen Umstand aus der Welt räumen können. Ab und zu bekommen wir von aufmerksamen Käufern eine gefälschte Ausgabe zugesendet, aber ohne ein Foto bzw. einen Namen oder zumindest eine genaue Beschreibung des Verkäufers können wir nichts ausrichten.

Eigentlich sollte dies auch Aufgabe des zuständigen Ordnungsamtes bzw. der hierfür zuständigen Behörde sein. Wir hoffen, dass Sie in ihrer Septemberausgabe objektiv berichten, in jedem Fall werden wir uns eine Septemberausgabe beschaffen. Wir raten Ihnen ausdrücklich von einer „Hetzkampagne“ ab, dies ist nicht unser beider Interesse.

Der Artikel der Frankfurter Rundschau wird auch noch ein Nachspiel haben, wir werden in jedem Fall eine Gegendarstellung verlangen. Sollten Sie in Ihrer Septemberausgabe Unwahrheiten über unser Projekt verbreiten, so werden wir dagegen angehen und versuchen, ein Verkaufsverbot über diese Ausgabe zu erwirken.

Diese unseriösen Verkaufspraktiken werden von uns nicht unterstützt, und wir können sie auch nicht dulden. Allerdings sind uns mehr oder weniger die Hände gebunden. wenn wir die Herausgabe unseres Projektes einstellen würden, würden diese Personen wahrscheinlich einfach ein anderes Blatt kopieren/nachdrucken bzw. sich beschaffen und verkaufen. Wirklich schade, wir haben erfahren, dass einer Ihrer Redakteure in Darmstadt lebt, wieso haben sie sich nicht mal die Mühe gemacht unsere Suppenküche zu besuchen um diesen Umstand zu klären? Wir bleiben in Kontakt,

Robert M.
P.S.: Ich hatte die letzten beiden Wochen einfach beruflich und privat zu viel um die Ohren, sonst hätte ich gewiss früher geantwortet. Ich habe ihre E-Mail erst heute gelesen. Wissen Sie denn eine Lösung für dieses Problem? Wir wissen, dass wir nämlich nicht das einzige Straßenzeitungsprojekt sind, die hiervon betroffen sind. Dies schadet dem Ruf aller Straßenzeitungen, nicht nur unserer, es ist also in unser aller Interesse das solche Personen verfolgt und zur Rechenschaft gezogen werden“.

Anscheinend hat der zweite Artikel in der FR die Redaktion nervös gemacht. Wieder wird so getan, als sei man das arme Opfer und nicht der Täter. Angeblich wird der StraMaX auch kopiert, bzw. nachgedruckt – schon im Streetworker 1/2005 wird davor gewarnt: „Die Zeitung STREEWORKER wurde schon des Öfteren kopiert und in minderwertiger Qualität nachgedruckt und in Umlauf gebracht...Wir werden umgehend rechtliche Schritte einleiten, sofern es in unserer Macht liegt“.

Naja, wie soll das funktionieren? Um die Zeitung nachzudrucken muss ich die Druckvorlagen haben. Bleibt noch das Kopieren. Dazu brauche ich allerdings einen Kopierladen, der auf Zeitungspapier kopiert. Mir ist kein Laden bekannt, der das macht und außerdem wären die Kosten für das Kopieren einer ganzen Zeitung sehr hoch. Stellt sich für mich auch noch die Frage, wieso muss die Redaktion darauf hinweisen, dass solche Sachen angeblich gemacht werden und warum wird dann dagegen nichts unternommen? Herr M. weist auch darauf hin, dass dies angeblich auch mit anderen Straßenzeitungen gemacht wird – mir ist dies allerdings nicht bekannt und es wäre von daher nett, wenn Herr M. dann aber auch konkrete Namen nennen würde.

Sicherlich – da hat Herr M. Recht – gibt es einige schwarze Schafe unter den Verkäufern. Aber auch hier wieder, das „arme Opfer“. Angeblich kenne man die meisten Verkäufer noch nicht einmal mit dem Vornamen. Sorry, was ist das für eine Straßenzeitung, die ihre Verkäufer nicht kennt?

Auch hier stellt sich wieder die Frage, warum werden auf Seite 2. im StraMaX die „Regeln für den Verkauf“ veröffentlicht und sonderbarerweise verstoßen die Verkäufer gegen alle Regeln, die hier aufgelistet sind! In der aktuellen Ausgabe schreibt ein Leser: „Es war ein ausländisches Mädchen, dass mir die Zeitung anbot mit einem Hinweis auf Waisenkinder, für die die Spende sein sollte. Das mit den Waisenkindern war leicht zu durchschauen“. Herr M. macht es sich sehr einfach, wenn er meint, dies sei die Aufgabe der Behörden, etwas dagegen zu unternehmen.

Auf andere Vorwürfe von uns geht er erst gar nicht ein: Wieso geht beim Verkaufspreis nicht eindeutig hervor, wie viel der Verkäufer bekommt. Bei allen Straßenzeitungen ist dies für den Käufer klar ersichtlich?

Auf dem Titelbild des FREIeBÜRGER schreiben wir, Preis: 1,50 Euro, davon 70 Cent für den Verkäufer.Transparenz ist für die Hintermänner anscheinend ein Fremdwort.
Was haben die Herausgeber zu verbergen? Denn ansonsten würden sie ja offener antworten. Wieso wird bei dem oben erwähnten Artikel in der FR darauf hingewiesen, dass der Name des Vereinsvorsitzenden der Redaktion bekannt ist?
Solange ich hierauf keine Antworten bekomme, gehe ich davon aus, dass mein Eindruck, es handele sich hier um ein organisiertes Drückergeschäft, stimmt.

In Stuttgart haben StraMaX-Verkäufer versucht, mit Trott-War-Zeitungen Spenden für Projekte, etwa einer Suppenküche, zu sammeln. In Freiburg sammelte eine Verkäuferin angeblich Spenden für den Freiburger Essenstreff, die dort aber nie eingingen. Auch unsere Kollegen aus Essen bestätigten mir dieses Verkaufsgebaren. „Verkaufspraktiken wie diese schaden dem guten Image, das sich andere Zeitungen erworben haben.“, sagte die erste Vorsitzende des Bundesverbandes Beatrice Gerst: „Mir tut das sehr leid, denn es trifft die falschen, die Verkäufer, nicht die Hintermänner“. (FR 4.8.05)

Logischerweise verkaufen sie ihr Heft überall dort, wo sich schon andere Straßenzeitungen etabliert haben. So nutzen Streetworker/StraMax-Verkäufer das Leser-Engagement für ihre Zwecke. Mittlerweile greift die Freiburger Polizei auch direkt ein, sobald Fremdverkäufer hier unterwegs sind, denn für den Verkauf braucht man in Baden-Württemberg eine Verkaufsgenehmigung vom Ordnungsamt

. Das Innenstadtrevier hat uns deshalb eine Handynummer gegeben, damit wir es sofort benachrichtigen können, sobald andere Verkäufer unterwegs sind. Als StraMaX-Verkäufer das letzte Mal in Freiburg unterwegs waren, dauerte es ca. 5 Minuten, bis die Polizei eingriff und die Zeitungen beschlagnahmte. In Stuttgart griff die Polizei ebenfalls ein.
Uli

P.S. Ich verstehe diesen Artikel nicht als Hetzkampagne, sondern wir möchten unsere Leser ganz einfach und sachlich darüber informieren, was der StraMaX für eine Zeitung ist.

Seit Anfang 2009 tauchen wieder verstärkt VerkäuferInnen dieser Zeitung in Freiburg und dem Umland auf. Aktuell wird sie unter dem Namen „Straßenträumer“ verkauft.

Diese Namensänderung hatte einen guten Grund, denn hinter den Vorgängern agierte ein Verein namens „Food for you“.

Dieser Verein „Food for you“ mit Sitz im hessischen Darmstadt (wieder ist der Kiosk die einzige Kontaktadresse, die im Impressum erwähnt wird) darf in Rheinland-Pfalz keine Zeitungen mehr verkaufen.

„Auch das Spendensammeln sei dem Verein untersagt, teilte die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) gestern mit.

Nach Angaben der Trierer Spendenaufsicht erbrachte der Verein „Food for you e.V.“ keinen Nachweis über die zweckgebundene Verwendung des durch den Zeitungsverkauf oder Spenden erworbenen Geldes.

Der vor vier Jahren gegründete Verein lasse die Zeitungen, „StraMax“ und „Streetworker“ für vermeintlich gemeinnützige Zwecke vertreiben, so die Behörde. Zudem rufe er zu Spenden für Obdachlose und Kleiderkammern auf. Die ADD verhängte nach eigenen Angaben nun ein Zwangsgeld, da „Food for you“ sich bislang geweigert habe, die Zeitungsvertreiber über das Verkaufsverbot der Obdachlosenzeitung in Rheinland-Pfalz zu unterrichten“. (SWR 14.02.2009).

Bisher gilt dieses Verkaufsverbot allerdings nur für Rheinland Pfalz. Sollten Sie VerkäuferInnen dieser Zeitung sehen, rufen Sie uns einfach an und wir werden uns mit dem Ordnungsamt bzw. der Polizei in Verbindung setzen!

Weitere Infos bei:

 



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