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Hierzu arbeiten die MitarbeiterInnen
der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) der Uniklinik
Freiburg und des Sozialspychiatrischen Dienstes (SpDi; Träger:
Caritasverband Freiburg-Stadt e.V., Diakonisches Werk Freiburg)
gemeinsam mit verschiedenen Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe
zusammen.
Man schätzt, dass ca. 70 % aller wohnungslosen Menschen
psychisch auffällig, bzw. psychisch krank oder suchtkrank
sind. Die häufigsten psychischen Erkrankungen sind Schizophrenie,
Depression und Borderline. Ob diese Menschen schon vor ihrer
Wohnungslosigkeit psychisch krank waren, lässt sich nicht
genau nachweisen.
Allerdings kann man davon ausgehen, dass diese Erkrankungen
durch die Wohnungslosigkeit vielleicht erst aufgetreten sind
oder, falls vorher schon vorhanden, sich in dieser Lebenssituation
verstärken. „Psychisch Kranke ohne festen Wohnsitz
sind Menschen, die in absoluter sozialer Randständigkeit
leben. Sie sind in hohem Grade stigmatisiert und ziehen sich
oft völlig zurück. Weil sie keine Lobby haben, finden
sie kaum Beachtung in unserer Gesellschaft“. (BANKEXTRA
Januar 2010)
Bisher hatten diese Menschen, subjektiv betrachtet, schlechte
Erfahrungen mit den psychiatrischen Einrichtungen gemacht
und suchen deshalb die bisher schon vorhandenen Beratungsstellen
PIA und SpDi nicht auf, um sich dort beraten zu lassen. Auch
den Fachkräften der Wohnungslosenhilfe gelingt es meistens
nicht, diese Menschen zu „erreichen“ und sie an
eine Beratungsstelle zu vermitteln.
In einem Interview mit dem Dipl.-Psych. Thomas Bock erklärt
der wohnungslose Pias seine Erfahrung mit der Psychiatrie:
„Die Psychiatrie ist eine gesellschaftliche Kraft, die
bestimmte Dinge inszeniert. Eine Art Religionsgemeinschaft,
bei der die Priester allein das Sagen haben. Man soll gar
nicht alles verstehen.
Aber wie sollen die umgekehrt mich verstehen können?
Die haben ihre eigene Sprache, ihre eigenen Gebräuche,
ja sogar einen eigenen Knast“. (Brückenschlag,
Band 17/2001)
Hier setzt die Arbeit des Projektes an. Um diese Menschen
zu erreichen, muss man die Beratungsangebote dorthin verlegen,
wo sich die Betroffenen aufhalten, um dadurch die Hemmschwelle,
den Weg zum Psychiater, zu überwinden. Die Beratung findet
in einer für den Ratsuchenden vertrauten Umgebung statt,
also nicht in der Fachpraxis. Dadurch kann ein Vertrauensverhältnis
zwischen dem Psychiater und Patienten leichter aufgebaut werden.
In diesen Gesprächen geht es darum, sich über die
Erkrankung und deren Behandlungsmöglichkeiten zu informieren
und, wenn nötig, auch längerfristige Lösungen
zu finden und umzusetzen.
Das Projekt hat folgende Leitziele:
- Wohnungslosen, psychisch kranken Menschen soll ein niedrigschwelliger
Zugang zu psychiatrischen und sozialpsychiatrischen Hilfen
angeboten werden.
- Die Hilfesysteme und Angebote sollen vernetzt werden.
Dazu arbeiten die Einrichtungen und Dienste der Wohnungslosenhilfe,
der Psychiatrie und der Sozialpsychiatrie für den Patienten
zusammen.
- Das psychiatrische Versorgungssystem und das für
wohnungslose Menschen sollen dauerhaft durch die Vernetzung
weiterentwickelt werden, damit auch wohnungslose psychisch
erkrankte Menschen eine psychiatrische Behandlung und sozialpsychiatrische
Begleitung erhalten können (Gleichbehandlung).
- Engagierte Personen aus Gruppen und den Vereinen sollen
eingebunden werden und Brückenfunktionen übernehmen.
Sie sprechen betroffene Personen an, vermitteln weiterführende
Hilfen und begleiten Betroffene ggf. zu den Hilfen. Die
ehrenamtlich Tätigen können sich qualifizieren
und werden von den Profis unterstützt.
- Betroffene, Angehörige und freiwillig Engagierte
und Fachleute werden über Krankheits-, Behandlungs-
und Umgangskonzepte informiert und geschult, ebenso über
das Versorgungssystem.
Kontakt zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
des Projektes „Psychiatrische und sozialpsychiatrische
Versorgung wohnungsloser psychisch kranker Menschen“
Sozialpsychiatrischer Dienst, Tel.:
36894-0
Pflasterstub‘: Tel.: 31916-50
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Momentan gibt es dieses Beratungsangebot in der Pflasterstube,
dem Ferdinand-Weiß-Haus, FreiRaum und bei den regelmäßigen
Sonntagstreffs in den christlichen Gemeinden Freiburgs, mitgetragen
von engagierten Personen von Freunde von der Straße.
Das Projekt wird von der Aktion Mensch e.V., dem Caritasverband
Freiburg-Stadt e.V. und dem Caritasverband für die Erzdiözese
Freiburg finanziert. Dies ist insofern wichtig, da diese Beratungsarbeit,
weil sie in einer Wohnzimmeratmosphäre und nicht in einer
Praxis stattfindet, von der Krankenkasse nicht bezahlt wird.
Die finanzielle Förderung ist bis Januar 2012 gesichert
und von daher ist es wichtig, die Unverzichtbarkeit des Hilfeangebotes
in das Bewusstsein der fachlichen und politischen Öffentlichkeit
zu transportieren, um so Sponsoren zu finden, die die vom
Projekt eingerichteten Hilfestrukturen danach finanziell unterstützen.
Uli
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