Werfen wir
nun einmal einen genaueren Blick auf die sogenannten Mod, speziell
auf jene unter ihnen die aus der Arbeiterschicht stammten. Sie
investierten das wenige Geld dass sie hatten in schweinisch teure
Markenklamotten und Anzüge, um sich äußerlich
von ihrer Schicht zu unterscheiden. Zusätzlich legten sie
sich Motorroller zu, die sie an allen möglichen Stellen verchromten
und aufmotzten und die sie als ihr ein und alles behandelten.
Man könnte sagen in dieser Gruppe herrschte mehr der „Schein
über das Sein“.
Bald kam es innerhalb dieser Gruppe zur
Aufspaltung. Einige wenige die sich nicht mehr dem „Trend“
unterwarfen um einen auf reich zu machen kleideten sich immer
mehr in der Freizeit in ihrer „Arbeiterkluft“.
Sie schoren sich die Haare kurz bis ganz
kahl , so dass man ihre Kopfhaut gut erkennen konnte (daher der
Name Skinhead = Hautkopf) und zogen zusammen mit farbigen Einwandererkindern
aus ihrer Schicht, die sich zunehmend genau so kleideten, den
sog. „Rudeboys“, um die Häuser, um mit ihnen
Musik zu machen und zu feiern.
Die farbigen Jugendlichen hatten ihre Musik
mit nach England gebracht und zusammen mit den andern Jugendlichen
spielten sie den sog. Ska (ähnlich dem Reggae).
Das ganze Entwickelte sich mehr und mehr
zu einer eigenen Subkultur die sich scharf von den anderen „Gruppen“
den „Hippies“, den „Rockern“, den „Mod“
und den anderen abkapselte und auch in andere Länder überschwappte.
Gegen Ende der 60`er war der „Skinhead“
geboren.
Aufritte
der Szene nach Außen hin sorgten weitgehend für Empörung.
Die „Skinheads“ waren ein lauter, oftmals auch aggressiver
Haufen. Wenn es sein musste prügelten sie sich gerne, auch
untereinander und sie nahmen in der Regel kein Blatt vor den Mund.
Der bunt gemischte Haufen aus farbigen und weißen Jugendlichen
aus der Arbeiterschicht, die gegen das Bürger- und Spießertum
rebellierten, und auch noch stolz auf ihre Herkunft und ihre Schicht
waren, passte ganz und gar nicht in die ohnehin schon so kompliziert
gewordene Welt des „Normalbürgers“.
Allgemein verpönt war der „Skinhead“ deswegen
schon zu den Anfangszeiten.
Dann, währende der ersten Hälfte
der 70er Jahre spaltete sich die Szene in verschiedene auch politisch
orientierte Gruppen auf.
Ein Teil machte weiter wie bisher, die Anhänger dieser Gruppe
verstehen sich auch heute noch als traditionelle Skinheads. Sie
grenzen sich von politischen Gruppierungen jeder Art ab und leben
die ursprünglichen Werte der Bewegung weiter aus.Ein weiterer
Teil der Bewegung jedoch driftete ins rechte Lager ab.
Diese Entwicklung wurde gerade in England durch die beiden Parteien
„National Front“ und „British National Party
(BNP)“ gefördert und vorangetrieben.
Berichterstattungen der Medien, die reine
Hetzkampagnen gegen den Rest der Szene waren, folgten .Bald darauf
versuchten der Szene nicht angehörige Neonazis diese zu unterwandern.
Dies gelang ihnen nur bedingt und nur bei denjenigen, die der
Rechten Seite ohnehin schon zugeneigten oder offenen waren.
Jetzt hatte der „Skinhead“
seinen Ruf als rechter Schläger, der ihm bis heuet anhaftet.
Der „rechte Teil der Szene“,
der sich zum Teil auch als „Skinhead“ verstand oder
versteht, wurde und wird vom Rest der Szene weitgehend als „Bonehead“
betitelt (Bonehead engl.: Dummkopf, wörtlich Knochenkopf).
Die wörtliche Bedeutung des Wortes
lässt sich dahingehen erklären, dass sich rechte „Skinheads“
meist die Köpfe so kahl scheren, dass die „Haare“
selbst für einen Skinhead ziemlich kurz sind.
Durch die Nassrasur sieht man nicht nur
die Kopfhaut sondern auch deutlich die Konturen der darunterliegenden
Knochen.
Die eigentliche Bedeutung des Wortes,
also Dummkopf, kommt sicher daher, da der Ursprung der gesamten
Bewegung anfänglich nichts mit faschistischem Gedankengut
zu tun hatte und die übrigen Mitglieder der Szene dieses
Gedankengut aus der Szene entfernen wollen. Sie versuchen sich
von den „Neonazis“ zu distanzieren, indem sie die
„rechten Skinheads“ als „Boneheads“ bezeichnen.
Durch die von ihrem alten Sänger,
Ian Stuart Donaldson und neuen Musikern, 1982 neu gegründeten
Band Skrewdriver die nach ihrer Neugründung eindeutig rechtsextreme
Musik machte erhielt das rechts orientierte Lager für sich„populäre“
Unterstützung .
Weitere Personen konnten so über
rechtspolitische Musik beeinflusst und ins„Boot“ der
Neonazis gezogen werden.Besonders der Sänger von Skrewdriver,
Ian Stuart Donaldson der maßgeblich an der Gründung
des Neonazinetzwerks „Blood & Honour“ (Blut &
Ehre) beteiligt war, hatte großen Einfluss auf die „Neunazis“.
Nach seinem Unfalltod wurde zu einer Ikone der Rechten.
Die Aufspaltung der Szene in politische
Lager wurden auch von der Szene im außerhalb von England
wahrgenommen und wiederholte sich dort.
Da „Blood & Honour Division Deutschland“ in der
BRD verboten ist bedienen sich „Neonazis“ gerne mit
Symbolen die der Normalbürger nicht erkennt:
Die "28" z.B. steht für
den zweiten und achten Buchstaben des Alphabets also B und H was
das bei uns verbotene „Blood & Honour“ bedeutet.
Die des weiteren als Teil des „Blood & Honour“
Netzes bestehende Gruppe „Combat Adolf Hitler“ („Kampfgruppe
Adolf Hitler“) bedient sich gerne
der Symbolik „C 18“.
168:1 steht für das „Ergebnis“
eines Sprengstoffanschlags in Oklahoma, wo ein „Neonazi-Terrorist“
1995 168 Menschen in den Tod riss. Der „Terrorist“
wurde zum Tode verurteilt .Des weiteren gibt es noch die sog.
„Hammerskins“Die „Hammerskins“ sind eine
Gruppierung von „Neonazi – Skinheads“ , deren
harter Kern in Deutschland auf rund 300 Mitglieder geschätzt
wird. Sie betreiben paramilitärisches Training, führen
Läden und organisieren rechtsextreme Konzerte. Die Schwerpunkte
ihrer Aktivitäten sind in Mecklenburg-Vorpommern, der Lüneburger
Heide, dem südliche Baden-Württemberg, Sachsen, Berlin
und Brandenburg und im Bodenseeraum.
Die Neonazi - Szene hat im Ausland, besonders
in den skandinavischen Ländern ihre Bollwerke. Von dort aus
organisieren sie Treffen auch mit deutschen Neonazis.
Seit der Aufspaltung der Szene in den 70ern
gab es jedoch auch einen Teil der „Skinheads“ die
sich als linkspolitisch äußerten.
Diese gründeten gegen Ende der 80er
unter anderem
SHARP (SHARP = Skinheads Against Racial
Prejudice also Skinheads gegen Rassenvorurteile)
Weitere den linken zuzuordnenden Gruppierungen sind unter anderem
die „RASH“
(Red and Anarchist Skinhead) und die „Redskins“.Seit
dem Aufkommen der „Punkbewegung“ sieht man diese
linksorientierten
Skinheads auch oft zusammen mit sog. „Punks“ und
/ oder sogar mit „Autonomen“ zusammen.
Immer noch gibt es noch die Gruppe der
traditionellen „Skinheads“, der„Tradskins“
die sich als unpolitisch sehen und die Werte der ursprünglichen
Bewegung leben.
Eine weiter nicht kleine Gruppe bilden
die „Oi-Skins“ die sich selbst auch als unpolitisch
sehen. Einige dieser „Oi-Skins“ driften allerdings
eher ins rechte Lager ab.
Dann gibt es noch eine Gruppe aus homosexuellen
„Skinheads“ die sich„Gayskins“ nennen.
Die Musik, die in der Szene gehört
wird reicht heute vom „Ska“ über den „Punk“
und „Straßenpunk“ bis hin zu „Hardcore“.
Sie sehen also, dass es der Realität
nicht wirklich nahe kommt „Skinheads“ mit „Neonazis“
gleichzusetzen.
Der Ursprung der Szene liegt jedenfalls
nicht im Rechtsextremismus und es gibt genug „linke-“
und „traditionelle Skinheads“ die sich als „Skinheads“
verstehen und gemeinsam die „rechten“ als der Szene
nicht zugehörig sehen. Unter den linken und traditionellen
Skinheads findet man übrigens auch heute noch einige Farbige.
Christian |