Die Strassenzeitung aus Freiburg
  

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Mahlzeit! Heute ist Sonntag, der 01. August 2010


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Haut- oder Dummköpfe?

Mit zunehmender Präsens der NPD in der Politik tauchen jetzt wieder häufiger Berichte in den Medien über Skinheads auf.

Da in den meisten Berichten diese Skinheads mit Neonazis gleichsetzt werden möchte ich hingegen an dieser Stelle etwas Aufklärarbeit leisten.

Hierzu müssen wir einen Blick auf die Vergangenheit Englands werfen.

Wir befinden uns in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, genauer gesagt in den 60`ern:

Extreme große soziale Unterschiede zwischen den einzelnen Gesellschaftsschichten prägten das Bild des Landes.

Zum damaligen Bild gesellten sich bald gesellschaftliche Erscheinungen die auch vor dem Rest der Welt keinen Halt machten

Langhaarige Zottelköpfe in lustigen, bunten Klamotten (nennen wir sie mal Hippies) die auf seltsamen Wolken schwebend den Weltfrieden predigten, Jugendliche aus Arbeiter- und Mittelschicht die einen auf reich machten (nennen wie sie Mod) und Horden Motorradfahrender Gestalten (Rocker oder Biker) machten die Gegend unsicher , vom „Rest“ mal ganz zu schweigen.

 


Werfen wir nun einmal einen genaueren Blick auf die sogenannten Mod, speziell auf jene unter ihnen die aus der Arbeiterschicht stammten. Sie investierten das wenige Geld dass sie hatten in schweinisch teure Markenklamotten und Anzüge, um sich äußerlich von ihrer Schicht zu unterscheiden. Zusätzlich legten sie sich Motorroller zu, die sie an allen möglichen Stellen verchromten und aufmotzten und die sie als ihr ein und alles behandelten. Man könnte sagen in dieser Gruppe herrschte mehr der „Schein über das Sein“.

Bald kam es innerhalb dieser Gruppe zur Aufspaltung. Einige wenige die sich nicht mehr dem „Trend“ unterwarfen um einen auf reich zu machen kleideten sich immer mehr in der Freizeit in ihrer „Arbeiterkluft“.

Sie schoren sich die Haare kurz bis ganz kahl , so dass man ihre Kopfhaut gut erkennen konnte (daher der Name Skinhead = Hautkopf) und zogen zusammen mit farbigen Einwandererkindern aus ihrer Schicht, die sich zunehmend genau so kleideten, den sog. „Rudeboys“, um die Häuser, um mit ihnen Musik zu machen und zu feiern.

Die farbigen Jugendlichen hatten ihre Musik mit nach England gebracht und zusammen mit den andern Jugendlichen spielten sie den sog. Ska (ähnlich dem Reggae).

Das ganze Entwickelte sich mehr und mehr zu einer eigenen Subkultur die sich scharf von den anderen „Gruppen“ den „Hippies“, den „Rockern“, den „Mod“ und den anderen abkapselte und auch in andere Länder überschwappte.

Gegen Ende der 60`er war der „Skinhead“ geboren.

Aufritte der Szene nach Außen hin sorgten weitgehend für Empörung.
Die „Skinheads“ waren ein lauter, oftmals auch aggressiver Haufen. Wenn es sein musste prügelten sie sich gerne, auch untereinander und sie nahmen in der Regel kein Blatt vor den Mund.
Der bunt gemischte Haufen aus farbigen und weißen Jugendlichen aus der Arbeiterschicht, die gegen das Bürger- und Spießertum rebellierten, und auch noch stolz auf ihre Herkunft und ihre Schicht waren, passte ganz und gar nicht in die ohnehin schon so kompliziert gewordene Welt des „Normalbürgers“.
Allgemein verpönt war der „Skinhead“ deswegen schon zu den Anfangszeiten.

Dann, währende der ersten Hälfte der 70er Jahre spaltete sich die Szene in verschiedene auch politisch orientierte Gruppen auf.
Ein Teil machte weiter wie bisher, die Anhänger dieser Gruppe verstehen sich auch heute noch als traditionelle Skinheads. Sie grenzen sich von politischen Gruppierungen jeder Art ab und leben die ursprünglichen Werte der Bewegung weiter aus.Ein weiterer Teil der Bewegung jedoch driftete ins rechte Lager ab.
Diese Entwicklung wurde gerade in England durch die beiden Parteien „National Front“ und „British National Party (BNP)“ gefördert und vorangetrieben.

Berichterstattungen der Medien, die reine Hetzkampagnen gegen den Rest der Szene waren, folgten .Bald darauf versuchten der Szene nicht angehörige Neonazis diese zu unterwandern. Dies gelang ihnen nur bedingt und nur bei denjenigen, die der Rechten Seite ohnehin schon zugeneigten oder offenen waren.

Jetzt hatte der „Skinhead“ seinen Ruf als rechter Schläger, der ihm bis heuet anhaftet.

Der „rechte Teil der Szene“, der sich zum Teil auch als „Skinhead“ verstand oder versteht, wurde und wird vom Rest der Szene weitgehend als „Bonehead“ betitelt (Bonehead engl.: Dummkopf, wörtlich Knochenkopf).

Die wörtliche Bedeutung des Wortes lässt sich dahingehen erklären, dass sich rechte „Skinheads“ meist die Köpfe so kahl scheren, dass die „Haare“ selbst für einen Skinhead ziemlich kurz sind.

Durch die Nassrasur sieht man nicht nur die Kopfhaut sondern auch deutlich die Konturen der darunterliegenden Knochen.

Die eigentliche Bedeutung des Wortes, also Dummkopf, kommt sicher daher, da der Ursprung der gesamten Bewegung anfänglich nichts mit faschistischem Gedankengut zu tun hatte und die übrigen Mitglieder der Szene dieses Gedankengut aus der Szene entfernen wollen. Sie versuchen sich von den „Neonazis“ zu distanzieren, indem sie die „rechten Skinheads“ als „Boneheads“ bezeichnen.

Durch die von ihrem alten Sänger, Ian Stuart Donaldson und neuen Musikern, 1982 neu gegründeten Band Skrewdriver die nach ihrer Neugründung eindeutig rechtsextreme Musik machte erhielt das rechts orientierte Lager für sich„populäre“ Unterstützung .

Weitere Personen konnten so über rechtspolitische Musik beeinflusst und ins„Boot“ der Neonazis gezogen werden.Besonders der Sänger von Skrewdriver, Ian Stuart Donaldson der maßgeblich an der Gründung des Neonazinetzwerks „Blood & Honour“ (Blut & Ehre) beteiligt war, hatte großen Einfluss auf die „Neunazis“.
Nach seinem Unfalltod wurde zu einer Ikone der Rechten.

Die Aufspaltung der Szene in politische Lager wurden auch von der Szene im außerhalb von England wahrgenommen und wiederholte sich dort.
Da „Blood & Honour Division Deutschland“ in der BRD verboten ist bedienen sich „Neonazis“ gerne mit Symbolen die der Normalbürger nicht erkennt:

Die "28" z.B. steht für den zweiten und achten Buchstaben des Alphabets also B und H was das bei uns verbotene „Blood & Honour“ bedeutet.
Die des weiteren als Teil des „Blood & Honour“ Netzes bestehende Gruppe „Combat Adolf Hitler“ („Kampfgruppe Adolf Hitler“) bedient sich gerne
der Symbolik „C 18“.

168:1 steht für das „Ergebnis“ eines Sprengstoffanschlags in Oklahoma, wo ein „Neonazi-Terrorist“ 1995 168 Menschen in den Tod riss. Der „Terrorist“ wurde zum Tode verurteilt .Des weiteren gibt es noch die sog. „Hammerskins“Die „Hammerskins“ sind eine Gruppierung von „Neonazi – Skinheads“ , deren harter Kern in Deutschland auf rund 300 Mitglieder geschätzt wird. Sie betreiben paramilitärisches Training, führen Läden und organisieren rechtsextreme Konzerte. Die Schwerpunkte ihrer Aktivitäten sind in Mecklenburg-Vorpommern, der Lüneburger Heide, dem südliche Baden-Württemberg, Sachsen, Berlin und Brandenburg und im Bodenseeraum.

Die Neonazi - Szene hat im Ausland, besonders in den skandinavischen Ländern ihre Bollwerke. Von dort aus organisieren sie Treffen auch mit deutschen Neonazis.

Seit der Aufspaltung der Szene in den 70ern gab es jedoch auch einen Teil der „Skinheads“ die sich als linkspolitisch äußerten.

Diese gründeten gegen Ende der 80er unter anderem

SHARP (SHARP = Skinheads Against Racial Prejudice also Skinheads gegen Rassenvorurteile)
Weitere den linken zuzuordnenden Gruppierungen sind unter anderem die „RASH“
(Red and Anarchist Skinhead) und die „Redskins“.Seit dem Aufkommen der „Punkbewegung“ sieht man diese linksorientierten
Skinheads auch oft zusammen mit sog. „Punks“ und / oder sogar mit „Autonomen“ zusammen.

Immer noch gibt es noch die Gruppe der traditionellen „Skinheads“, der„Tradskins“ die sich als unpolitisch sehen und die Werte der ursprünglichen Bewegung leben.

Eine weiter nicht kleine Gruppe bilden die „Oi-Skins“ die sich selbst auch als unpolitisch sehen. Einige dieser „Oi-Skins“ driften allerdings eher ins rechte Lager ab.

Dann gibt es noch eine Gruppe aus homosexuellen „Skinheads“ die sich„Gayskins“ nennen.

Die Musik, die in der Szene gehört wird reicht heute vom „Ska“ über den „Punk“ und „Straßenpunk“ bis hin zu „Hardcore“.

Sie sehen also, dass es der Realität nicht wirklich nahe kommt „Skinheads“ mit „Neonazis“ gleichzusetzen.

Der Ursprung der Szene liegt jedenfalls nicht im Rechtsextremismus und es gibt genug „linke-“ und „traditionelle Skinheads“ die sich als „Skinheads“ verstehen und gemeinsam die „rechten“ als der Szene nicht zugehörig sehen. Unter den linken und traditionellen Skinheads findet man übrigens auch heute noch einige Farbige.

Christian

 



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