Die Strassenzeitung aus Freiburg


Mahlzeit! Heute ist Dienstag, der 09. Februar 2010
   


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Wir luden Ellen und Jan von den Straßenpunks zu uns in die Redaktion ein um durch ein Interview mehr über deren Situation zu erfahren.

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AKTUELL        Räumung, die x-te!    

A m Donnerstag den 1.Februar 2007 überreichte Herr Hügle (Amt für Liegenschaften und Wohnungswesen) uns die Räumungsverfügung für das von uns besetzte Gelände am alten Schießplatz in Freiburg.

Räumungsfrist ist Montag, 05.02.2007, 12:00 Uhr.

In der Verfügung heisst es: "Sollten Sie unserer Aufforderung nicht fristgerecht nachkommen, müssten Sie mit einer zwangsweisen Räumung des Geländes und der Beschlagnahme und Sicherstellung Ihrer Wagen rechnen."
Wieder einmal hat die Stadtverwaltung Freiburg ihre Hausaufgaben gemacht - Note: UNGENÜGEND.Nachdem wir seit dem Jahr 2001 konsequent aus einer "Unterkunft" in die nächste vertrieben werden, will die Stadt uns diesen Februar erneut in die Obdachlosigkeit treiben.
Aktuell bewohnen 12 Menschen mit Wohn- und Bauwagen ein kleines Gelände nahe der neuen Messe. Ein Fakt, der vier Monate niemanden gestört hat.
Ausgerechnet im Winter ist dies den bekannten Wohnraumvernichtern der stadt wieder ein Dorn im Auge. Wir sollen geräumt werden und doch "bitte ins Obdachlosenheim gehen".
NIX DA!

Wir dulden keine weiteren Räumungen alternativer Wohnformen1
Mehr Wohn- und Bauwagenplätze, gegen die Hetze!


Die Freiburger Straßenpunx

Räumung, die x-te!   Der Artikel aus der Ausgabe Oktober 2006

Am frühen Morgen des 1. August fuhren Räumfahrzeuge und etliche Einsatzwägen der Polizei in Begleitung einiger Wägen des Abschleppunternehmens BAUER vor dem durch die Straßenpunx besetztem Gelände am Eselwinkel vor. Die Polizeikräfte, zu einem Großteil aus Göppingern bestehend, waren wohl noch vom Einsatz gegen das D.I.Y.-Festivals am letzten Wochenende in der Stadt behalten worden. In einem der hinteren Richtung IKEA geparkten Polizeiwagen befanden sich mehrere Polizeihunde.

Etwa gegen viertel vor sieben wurde die Polizei von einem der Straßenpunx bemerkt, der darauf hin sofort Alarm schlug. Die kleine Gruppe der Punx wurde zusammen mit ihrem damaligen Besuch von rund 70 Polizisten in voller Kampfmontur eingekesselt. 70 Polizisten in voller Kampfmontur für etwa ein Duzend Punx!

Wer sich noch nicht im Freien befand, wurde aufgeweckt und teilweise unter der Androhung, dass bei nicht sofortigem Verlassen des Wohnwagens die Türe gewaltsam geöffnet werden würde, unsanft ins Freie zitiert. Durch anfänglichen Widerstand, dieser höflichen Aufforderung Folge zu leisten, gelang es einem der Punx einen Telefonanruf nach außen zu tätigen. Jegliche Versuche der anderen diesbezüglich waren zuvor von der Polizei unterbunden worden. Den Punx wurde klargemacht, dass sie geräumt werden würden, ihre nötigsten Sachen zu packen hätten und das Gelände augenblicklich zu verlassen sei.
Das Packen der Sachen war zunächst durch den engen Kessel der Polizei nicht jedem möglich. Die Eingekesselten Personen wurden zunächst nacheinander von Polizisten begleitet vom Gelände eskortiert und zur Personalienaufnahme in ein Polizeifahrzeug gerufen.
Nach der Personalienaufnahme war es den Punx dann gestattet, ihr nötigstes Hab und Gut – nur so viel wie sie eben gerade noch tragen konnten - zu packen und sich danach damit vom Platz zu begeben.

nzwischen war auch der angerufene Berichterstatter eingetroffen, der unmittelbar damit anfing die Räumungsaktion zu filmen und zu fotografieren.
Wenige Minuten nach diesem Reporter tauchten dann auch nach und nach die ersten Sympathisanten der Straßenpunx auf. Ein Teil von ihnen half zunächst ein paar Punx dabei, das Gepäck der Gruppe aus dem Regen zu holen und in die Autos zu verstauen. Danach schloss sich die Gruppe wieder zusammen um den weiteren Verlauf der Räumung zu verfolgen.

Das Räumungskommando aus Polizei und Abschleppunternehmen hatte währenddessen damit begonnen die Barrikaden abzureißen, was trotz der großen Maschinen durch die Konstruktion der Barrikaden zunächst zu einigen erfolglosen Versuchen führte.
Nachdem die Barrikaden dann schließlich im Müllcontainer platziert wurden, begann das Räumkommando eine grobe Mülltrennung vorzunehmen. Dabei wurden nicht nur alle Gegenstände, die ansonsten so ins gängige Müllschema passen, wie z. B. echter Müll, weggeworfen, sondern auch etliches wichtiges Eigentum der Punx, wie z. B. ein kompletter Bauwagen! Damit erreichte die übertrieben ausgeführte Räumung, sowie die Zerstörung fremden Eigentums - unter lautem Protest auf Seiten der Punx und unter manch breitem Grinsen auf Seiten der Polizei - ihren traurigen Höhepunkt.

Nachdem der Müll aussortiert worden war und der Container den Weg nicht mehr versperrte, wurden die noch verbliebenen Wägen der Punks unter erstaunlich präziser, fachmännischer Kenntnis durch den Zuständigen vom Platz gezogen, denn bei einigen der Wägen hörte es sich so an, als ob ihr gesamtes Innenleben dabei zu Bruch gegangen wäre. Ein weiterer Wagen setzte dann beim Abschleppen einige Male auf dem Boden auf.
Kurz darauf war der ganze Spuk vorbei!

Den Punx war klar, dass etwas getan werden musste. Die Gruppe der Beobachter löste sich langsam auf. Zuerst wollten die Punx ihr Gepäck loswerden und ihre Hunde an einen ruhigen Platz bringen. Später wollte man sich wieder mit dem Rest der Gruppe vor dem Rathaus treffen.

Als die Punxs dort eintrafen, fanden sie die Rathaustüren schon verschlossen und etwa 20 ihrer Sympathisanten, die das Rathaus besetzt hielten, von Polizeikräften umringt im Rathausfoyer eingeschlossen vor. Die Gruppe bestand auf einem Gespräch mit dem Oberbürgermeister. Die Betroffenen standen allerdings draußen vor verschlossen Türen. Wie jetzt da rein kommen? Durch die Hintertüre! Ein Versuch war’s wert.

Bereits nach kurzer Zeit kamen die Punx wieder um die Ecke. Der Hintereingang zum Rathaus war schon von Polizei bewacht, die auch von ihren Schlagstöcken Gebrauch machten. Die Gruppe der Punx und der nicht eingeschlossenen Sympathisanten begann nun damit, vor dem Rathaus eine Demo zu organisieren. Es wurden fleißig Flyer geschrieben und kopiert und ein Transparent enthüllt. Inzwischen durften dann auch die Punx ins Rathaus. Ihnen wurde ein Gespräch mit den alt bekannten Gesprächspartnern, u. a. dem Sozialbürgermeister Herrn von Kirchbach angeboten. Dies lehnte die Gruppe allerdings ab. Nach etlichen verteilten Flyern und einer kurzen Weile des Wartens stand dann schließlich fest, dass es doch ein Gespräch mit Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon geben würde und ein Teil der Punx verschwand im Rathaus.

Währendessen wurden draußen vor dem Rathaus weiter neue Flyer gedruckt und verteilt. Hin und wieder wurden einige längere Gespräche mit interessierten und kritischen Bürgern geführt.

Die Punx, die das Gespräch mit dem OB führten, verließen schließlich das Rathaus. Es gab wie erwartet nichts Positives zu berichten.
Es hieß, sie sollten entweder wieder in den Laubenweg ziehen oder wenn sie ein Leben im Bauwagen führen wollten, sich den Schattenparkern anschließen. Würden sie erneut eine Brücke beziehen, würde diese umgehend geräumt werden. Nur mit einer Mehrheit auf Seiten der Punx im Gemeinderat wären erneute Verhandlungen möglich.
Somit entstand der Beschluss, in den nächsten Tagen eine Demo gegen die Repression durch die Ereignisse der letzen Tage (Räumung des D.I.Y.-Camps, die Räumung der Straßenpunx) zu organisieren und in den nächsten Wochen immer mittwochs mit dem Veranstalten einer Volks-Küche auf dem Rathausplatz Präsens und Protest zu zeigen.

DIE LETZTEN SECHS WOCHEN
Der Wagenplatz war geräumt. Sich wie die letzten Jahre über immer wieder von einem kurzfristigen Kompromiss mit der Stadt zum nächsten zu bewegen, kommt für die Straßenpunx nicht mehr in Frage. Seit fünf Jahren waren sie permanent etlichen Brücken- und Platzräumungen ausgesetzt und über die vergangenen Winter von einem Quartier ins nächste gesteckt worden um dieses dann im darauf folgenden Frühling verlassen zu müssen. Das Reihenhaus, das den Punx im Laubenweg I als Winterquartier gedient hatte, dürfte eigentlich überhaupt nicht mehr stehen. Es sollte nach dem ersten Winter, den die Punx dort verbracht hatten, abgerissen werden.
Im folgenden Winter durften sie allerdings genau dort wieder einziehen um das Haus dann in diesem Jahr wieder verlassen zu müssen. Scheinbar hätten die Punx noch in den Wohnungen bleiben können. Das Kündigungsschreiben, dessen Kopie dem FREIeBÜRGER bereits seit der letzten Ausgabe vorliegt, lässt allerdings Gegenteiliges verlauten. Es besteht kein Zweifel darüber, dass die Wohnverhältnisse der Straßenpunx im Laubenweg tatsächlich gekündigt worden sind.
Sicherlich hätten die Punx in den Wohnungen bleiben können, aber ob sie das dann auch gedurft hätten und keine Schritte gegen sie eingeleitet worden wären, bleibt zu bezweifeln. Nach der Kündigung ihrer Wohnungen hatte die Gruppe den Platz am Eselwinkel mit ihren Wohnwägen besetzt und sich dort ein neues Zuhause aufgebaut. Sie hatten aus Holzresten eine Bar aufgebaut und einen Vorratskeller gegraben. Das Ganze war mit Planen überdacht. In der Mitte des Platzes standen mehrere Sofas.
Es gab ein Dixiklo und später sogar einen Kühlschrank und Musik. Die Punx hatten sich verbarrikadiert und bereits einen Räumungsversuch zu Beginn der Platzbesetzung abwehren können. Es war immer fleißig am Platz und an den Barrikaden gearbeitet worden. All dies hatte letztendlich nicht viel genützt und jetzt standen die Straßenpunx wieder vor den Nichts.

Trotz der Androhung, sofort wieder geräumt zu werden, quartierten sich die Punx erneut unter der Leo-Wohleb-Brücke ein. Sie bauten sich um das klassenzimmergroße, von Geländern abgegrenzte ebene Stück, einen Wind- und Sichtschutz mit Paletten, Brettern und Planen und machten sich auf die Suche nach Matratzen und Ähnlichem. Nach und nach nahm der Platz unter der Leo-Wohleb-Brücke Gestalt an. Es wurden mehrere Matratzen besorgt und so eine bequemere Liegefläche geschaffen, später kam noch ein Sofa dazu. Es war richtig gemütlich - man hatte fast schon das Gefühl, sich in einer richtigen Wohnung zu befinden. Mittlerweile konnte schon davon ausgegangen werden, dass der Brückenbezug der Polizei bekannt und erste Gegenmaßnahmen im Gange waren. Allerdings ließen die ersten offensichtlichen Besuche der Polizei noch etwas auf sich warten.

Am Samstag den 5 August fand in Freiburg die angekündigte Antirepressionsdemonstration statt, die ohne Zwischenfälle und friedlich verlief. Über den gesamten August verteilt wurden mittwochs mehrere Demonstrationen mit anschließender VoKü auf dem Rathausplatz abgehalten.

Kurze Zeit später hatten sich die ersten Polizisten unter der Brücke blicken lassen und sich zunächst erkundigt, ob sich unter den Straßenpunx auch Minderjährige aufhalten würden. Die Punx konnten mittlerweile davon ausgehen, dass das Ordnungsamt bereits die nötigen Schritte für die Brückenräumung unternehmen würde. Den Straßenpunx war schnell klar, dass eine neue Lösung her muss. Aber wohin nach der bevorstehenden Räumung der Brücke? Aufgeben kam und kommt für die Gruppe nicht in Frage.
Zwischenzeitlich hatten sie einen Teil ihres bei der Räumung beschlagnahmten Eigentums wieder in ihren Besitz bringen können. Ein Tischkicker stand jetzt auch wieder unter der Brücke. Die Punx hatten den Boden um die Matratzen mit mehreren Teppichen ausgelegt und ihre Einrichtung um einen kleinen Tisch mit Marmorplatte und einen kleinen Schrank erweitern können. Fast alle ihre neuen Gegenstände hatten sie auf dem Sperrmüll gefunden oder geschenkt bekommen.

Etwa Mitte September kam dann Bewegung in die Gruppe der Straßenpunx. Das Ordnungsamt hatte verlauten lassen, dass es bisher sehr viel zu tun gehabt hätte und die Punx wohl nur deswegen so lange unter der Brücke in Ruhe gelassen worden wären.
Am Donnerstag, den 14. September waren die Punx in Aufbruchstimmung.

Inzwischen hatten sie ihre beschädigten Bauwägen wieder in Besitz und waren sich über das genaue Ausmaß der durch die superfachmännisch durchgeführte Räumung verursachten Beschädigungen im Klaren.
In einem der Wägen waren die Fenster nicht verschlossen worden, es war dementsprechend vollkommen nass darin, außerdem sah es aus, als habe dort eine Bombe eingeschlagen. Ein anderer der Wägen war an Seite und Rückwand stark beschädigt worden.
Nach und nach wurde das Lager unter der Brücke von den Straßenpunx, ihren Freunden und einigen Sympathisanten abgebaut und die Einrichtung abtransportiert.

Am darauf folgenden Freitagmorgen, den 15. September war die Leo-Wohleb-Brücke verlassen. Auf dem Boden stand eine Botschaft an die Stadt. Doch wo sind die Punx?
Michael

Zur Räumung siehe auch:
http://de.indymedia.org//2006/08/153868.shtml


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