|
Am 28.9.2005 sollten die Bewohner das Gelände verlassen, da
die Stadt Freiburg keine weitere Wagenburg zulassen will. An diesem
Tag kam es dann zu einer einvernehmlichen Lösung zwischen der
Stadt und den „Platzbesetzern“ am ehemaligen Schießplatz.
Die Gruppe hatte noch eine Woche Aufschub und man bot ihnen eine
Übergangslösung für den Winter an. Die Stadtbau war
bereit acht Zwei-Zimmer-Wohnungen im Laubenweg für die 16 Punks
bis Ende April 2006 zur Verfügung zu stellen und die Wohnwägen
sollten kostenfrei in einer Lagerhalle untergestellt werden.
Die Punks machten bei den Verhandlungen aber auch klar, alle oder
keiner, denn ursprünglich sollten nur die Bewohner unter 27
Jahren in den Laubenweg einziehen. Da das Gelände am Schießplatz
kontaminiert (bleibelastet) ist, mussten sie auch noch eine Erklärung
unterschreiben, dass sie auf Schadenersatzansprüche, bei gesundheitlichen
Schäden, verzichten.
Die Mietverträge wurden zwischen der Stadtbau und der Freiburger
StrassenSchule abgeschlossen und nun stand dem Umzug nichts mehr
im Wege.
Erst nach dem Umzug erfuhren sie, dass die Wägen nicht, wie
ursprünglich versprochen, bis zum Frühjahr untergestellt
werden, sondern nur für einen Monat.
Soweit, so gut und wie geht’s dann weiter im Frühjahr
2006?
Das Haus soll im Zuge des Stadtteilsanierungsprogramms „Soziale
Stadt Alt-Haslach“ abgerissen und durch einen Neubau ersetzt
werden. Der größte Teil der Mieter ist aus diesem Grunde
schon umgezogen, allerdings in teurere Wohnungen und wann das Haus
abgerissen wird, steht noch nicht fest. Die Stadtbau hatte schon
im letzten Winter befristete Mietverträge für 8 Leute
abgeschlossen und laut BZ waren die Erfahrungen mit ihnen ausnahmslos
gut und von der Nachbarschaft gab es keine Beschwerden.
Aus diesem Grund ist es für die Punks nicht nachvollziehbar,
warum sie im April wieder ausziehen mussten und nun wieder einziehen
können. Warum ist es nicht möglich bis zum Abriss weiter
im Laubenweg 1 zu wohnen? Durch einen längerfristigen Mietvertrag
wäre es auch realistischer ein Haus anzumieten.
In Freiburg gibt es ca. 700 wohnungslose Menschen und für
16 von ihnen hat man nun eine Übergangslösung gefunden.
Dies war aber nur möglich, weil diese Gruppe öffentlich
präsent ist und durch die Freiburger StrassenSchule eine Interessenvertretung
hat.
Was passiert mit den anderen Wohnungslosen in diesem Winter? Sie
müssen weiterhin draußen bleiben! Es geht mir nicht darum
Neid zu schüren oder Gruppen gegeneinander auszuspielen, sondern
die Frage muss einfach erlaubt sein: Warum bleiben die anderen Wohnungen
im Laubenweg 1 leer?
Die Stadt Freiburg macht seit einigen Jahren, unter der Schirmherrschaft
vom grünen OB Dr. Salomon, eine Plakataktion und sucht Zimmer
für Studenten, eine begrüßenswerte Aktion.
Auch hier stellt sich die Frage, warum nur für Studenten?
Seitdem ich Freiburg kenne, hat sich einiges in der Wohnungs-losenhilfe
verbessert. Die Grundversorgung für wohnungslose Menschen ist
sehr breit gefächert. Dies war allerdings auch nur möglich,
weil private und freie Träger sich sehr engagiert für
diese Menschen eingesetzt haben. Dabei wird leicht vergessen, dass
auch die Stadt Freiburg eine Verantwortung hat und auch wahrnehmen
muss.
Regelmäßig finden Fachgespräche der Wohnungslosenhilfe
statt, aber auch hier gibt es keine konkreten Antworten, wie man
für die 700 Menschen bezahlbaren Wohnraum beschafft. 2006 wird
dann endlich über die Frage „Vermittlung in Wohnraum“
geredet, wie ich kurzfristig erfahren habe.
Hier ist die Stadt gefordert. Anstatt billigen Wohnraum zu verkaufen,
um den städtischen Haushalt zu sanieren oder wie letztes Jahr
im Spittelacker und demnächst im Laubenweg zu vernichten, müssen
Lösungen gefunden werden diesen zu erhalten.
Warum stehen im Laubenweg Wohnungen leer und Menschen müssen
auf der Straße schlafen? Diese Wohnungen könnten doch
bis zum Abriss genutzt werden, anstatt leer zu stehen. Der Stadt
würden keine großartigen Mehrkosten dadurch entstehen.
Ich würde es mir wünschen, wenn sich unser OB genauso
engagiert für diese wohnungslosen Menschen einsetzen würde,
anstatt dieses Problem zu ignorieren.
Uli
|