Die Strassenzeitung aus Freiburg


Guten Morgen! Heute ist Donnerstag, der 09. September 2010
   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Notlösungen sind keine Lösungen

 


Seit einigen Jahren spielt sich für eine Gruppe wohnungsloser Punks das fast immer gleiche Spiel ab. Unter der Leo-Wohlleb-Brücke, wo sie sich aufhielten, werden sie regelmäßig geräumt und im Herbst/Winter können diese jungen Menschen mit befristeten Mietverträgen untergebracht werden. Im Frühjahr stehen sie dann wieder auf der Straße. Eine langfristige Lösung gab es bis jetzt noch nicht. Aus diesem Grund zogen sie in diesem Jahr mit ihren Wohnwägen und Hunden auf den ehemaligen Schießstand der Französischen Armee am Flughafen, in der Hoffnung endlich ihre Ruhe zu haben. Das Gelände wurde provisorisch eingezäunt und am Eingang wurden Besucher und Spaziergänger auf die freilaufenden Hunde hingewiesen.

 

 





 

 

Am 28.9.2005 sollten die Bewohner das Gelände verlassen, da die Stadt Freiburg keine weitere Wagenburg zulassen will. An diesem Tag kam es dann zu einer einvernehmlichen Lösung zwischen der Stadt und den „Platzbesetzern“ am ehemaligen Schießplatz. Die Gruppe hatte noch eine Woche Aufschub und man bot ihnen eine Übergangslösung für den Winter an. Die Stadtbau war bereit acht Zwei-Zimmer-Wohnungen im Laubenweg für die 16 Punks bis Ende April 2006 zur Verfügung zu stellen und die Wohnwägen sollten kostenfrei in einer Lagerhalle untergestellt werden.
Die Punks machten bei den Verhandlungen aber auch klar, alle oder keiner, denn ursprünglich sollten nur die Bewohner unter 27 Jahren in den Laubenweg einziehen. Da das Gelände am Schießplatz kontaminiert (bleibelastet) ist, mussten sie auch noch eine Erklärung unterschreiben, dass sie auf Schadenersatzansprüche, bei gesundheitlichen Schäden, verzichten.

Die Mietverträge wurden zwischen der Stadtbau und der Freiburger StrassenSchule abgeschlossen und nun stand dem Umzug nichts mehr im Wege.
Erst nach dem Umzug erfuhren sie, dass die Wägen nicht, wie ursprünglich versprochen, bis zum Frühjahr untergestellt werden, sondern nur für einen Monat.

Soweit, so gut und wie geht’s dann weiter im Frühjahr 2006?
Das Haus soll im Zuge des Stadtteilsanierungsprogramms „Soziale Stadt Alt-Haslach“ abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Der größte Teil der Mieter ist aus diesem Grunde schon umgezogen, allerdings in teurere Wohnungen und wann das Haus abgerissen wird, steht noch nicht fest. Die Stadtbau hatte schon im letzten Winter befristete Mietverträge für 8 Leute abgeschlossen und laut BZ waren die Erfahrungen mit ihnen ausnahmslos gut und von der Nachbarschaft gab es keine Beschwerden.

Aus diesem Grund ist es für die Punks nicht nachvollziehbar, warum sie im April wieder ausziehen mussten und nun wieder einziehen können. Warum ist es nicht möglich bis zum Abriss weiter im Laubenweg 1 zu wohnen? Durch einen längerfristigen Mietvertrag wäre es auch realistischer ein Haus anzumieten.

In Freiburg gibt es ca. 700 wohnungslose Menschen und für 16 von ihnen hat man nun eine Übergangslösung gefunden. Dies war aber nur möglich, weil diese Gruppe öffentlich präsent ist und durch die Freiburger StrassenSchule eine Interessenvertretung hat.
Was passiert mit den anderen Wohnungslosen in diesem Winter? Sie müssen weiterhin draußen bleiben! Es geht mir nicht darum Neid zu schüren oder Gruppen gegeneinander auszuspielen, sondern die Frage muss einfach erlaubt sein: Warum bleiben die anderen Wohnungen im Laubenweg 1 leer?
Die Stadt Freiburg macht seit einigen Jahren, unter der Schirmherrschaft vom grünen OB Dr. Salomon, eine Plakataktion und sucht Zimmer für Studenten, eine begrüßenswerte Aktion.
Auch hier stellt sich die Frage, warum nur für Studenten?
Seitdem ich Freiburg kenne, hat sich einiges in der Wohnungs-losenhilfe verbessert. Die Grundversorgung für wohnungslose Menschen ist sehr breit gefächert. Dies war allerdings auch nur möglich, weil private und freie Träger sich sehr engagiert für diese Menschen eingesetzt haben. Dabei wird leicht vergessen, dass auch die Stadt Freiburg eine Verantwortung hat und auch wahrnehmen muss.
Regelmäßig finden Fachgespräche der Wohnungslosenhilfe statt, aber auch hier gibt es keine konkreten Antworten, wie man für die 700 Menschen bezahlbaren Wohnraum beschafft. 2006 wird dann endlich über die Frage „Vermittlung in Wohnraum“ geredet, wie ich kurzfristig erfahren habe.
Hier ist die Stadt gefordert. Anstatt billigen Wohnraum zu verkaufen, um den städtischen Haushalt zu sanieren oder wie letztes Jahr im Spittelacker und demnächst im Laubenweg zu vernichten, müssen Lösungen gefunden werden diesen zu erhalten.
Warum stehen im Laubenweg Wohnungen leer und Menschen müssen auf der Straße schlafen? Diese Wohnungen könnten doch bis zum Abriss genutzt werden, anstatt leer zu stehen. Der Stadt würden keine großartigen Mehrkosten dadurch entstehen.
Ich würde es mir wünschen, wenn sich unser OB genauso engagiert für diese wohnungslosen Menschen einsetzen würde, anstatt dieses Problem zu ignorieren.
Uli