Aber die Zeiten wurden auch für mich
schlechter, nach gut 13 Jahren im Berufsleben war auch ich
arbeitslos.
Die anfallende Arbeit im Verlag wurde immer
weniger, die Anzahl der Zeitungswerbung sank stetig, schließlich
kämpfte der kleine Verlag ums Überleben und konnte
uns nicht mehr bezahlen. Bald sah die Verlagsführung
keinen anderen Ausweg mehr, als mir und einigen Kollegen
zu kündigen. Erstmal empfand ich es gar nicht so schlimm,
ohne Arbeit zu sein. Ich dachte, hey, ein, zwei Monate Pause,
und dann gibt es schon wieder einen Job.
Aber jeder weiß, wie die wirtschaftliche Lage sich
in den letzten Jahren entwickelt hat, natürlich fand
ich keine neue Arbeit. Bei einem kleinen Umtrunk im Anschluss
an eine Beerdigung eines gemeinsamen Kollegen 2003 sprachen
mich die Leute des FREIeBÜRGER an. Ihr bisheriger Zeitungslayouter
hatte aufgehört, und sie brauchten dringend jemanden,
der ihnen das Heft layoutet und für die Druckerei fertig
macht.
Da dies jahrelang bei meinem Job mein Aufgabengebiet war
und ich sowieso nicht viel anderes zu tun hatte, sagte ich
schnell zu.
Ich dachte ja eigentlich, ich kann die Daten und das vorgegebene
Layout meines Vorgängers benutzen, jedoch stellte ich
im Büro des FREIeBÜRGER beim Durchschauen der
CDs schnell fest, dass da viele der mir vorliegenden Daten
unvollständig oder ganz einfach unbrauchbar waren.
Nach längerem Blick auf das vorliegende Material war
dann klar, dass es einfacher ist, schnell ein neues Grundlayout
zu machen, den Schriftzug neu zu erstellen. Eine Zeit lang
war ich nun für das Layout des FREIeBÜRGER zuständig,
jedoch kümmerte ich mich auch darum, dass die anderen,
besonders Carina, fit genug im Layout-Programm Pagemaker
und bei der Bildbearbeitung wurden.
Im Februar 2004 bekam ich vom Arbeitsamt endlich einen
Weiterbildungskurs bezahlt, hier konnte ich meine Kenntnisse
in Spezial-Programmen wie Photoshop, QuarkXPress, Illustrator
auffrischen und vertiefen, lernte die Welt des Webdesigns
kennen, beschäftigte mich mit Html, Flash und Dreamweaver.
Die Kursteilnahme hatte mir insgesamt viel Spaß gemacht,
habe wirklich einiges an neuem Wissen mitgenommen, dennoch
sah die Situation nach der Qualifizierung und einem guten
Abschluss für mich nicht anders aus wie vorher. Ich
war immer noch arbeitslos.
Das Geld wurde langsam echt knapp, meine Miete wurde nicht
ganz vom Amt übernommen, so blieb mir nur sehr wenig
Geld zum Leben. Schließlich nutzte auch ich die Möglichkeit,
mir mit Zeitungsverkauf etwas dazuzuverdienen. Anders bin
ich einfach nicht mehr über die Runden gekommen.
Heute habe ich einen dieser „legendären“
2-Euro-Jobs und bin sehr froh, dass ich ihn beim FREIEBÜRGER
ausüben darf.
Die Arbeit bei der Straßenzeitung nimmt ständig
zu, und allein mit ehrenamtlicher Arbeit ist das schon eine
ganze Weile nicht mehr zu schaffen.
Bis letztes Jahr gab es ja von der Stadt KOLA-Stellen beim
FREIeBÜRGER, aber die wurden bei der Zusammenlegung
von Sozial- und Arbeitslosenhilfe gestrichen.
Eigentlich dachten wir ja, dass wir dafür einige 2-Euro-Jobs
vom Arbeitsamt genehmigt bekommen, aber erstmal wurde nichts
draus, erst nach langem Kampf und vielen Diskussionen konnte
ich mit einem guten halben Jahr Verzögerung vor 2 Monaten
einen geringfügig bezahlten Job beim FREIeBÜRGER
antreten.
Mein Aufgabenbereich liegt jetzt hauptsächlich in
der Akquisition und Betreuung von unseren Werbekunden, wenn
gewünscht auch in der Gestaltung der Anzeigen. Aber
natürlich mache ich wie jeder andere in der Redaktion
auch manchmal einfach Aufgaben, die gerade anfallen.
Ich bin insgesamt sehr zufrieden hier, ich arbeite mit
netten Menschen zusammen und an einem Projekt, das ärmeren
Menschen hilft und ein Sprachrohr für die „sozial
Schwachen“ dieser Stadt ist.
Micky
