Die Strassenzeitung aus Freiburg

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Eigenes Volks-Kraftwerk im Keller

Unseren regierenden Politikern in Berlin und den großen Stromkonzernen fällt zur sicheren Energieversorgung in der nahen Zukunft nicht viel mehr ein, als eine Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken.

Ohne natürlich zu wissen, was man mit den Atomabfällen macht. Gleichzeitig will man die Förderung der Solarenergie senken.

Sehr innovativ und zukunftsweisend finde ich diese Zielsetzung nicht. Frankreich z.B., welches hauptsächlich auf die Atomenergie gesetzt hat, hat in warmen Sommern einen Strommangel, da die erwärmten Flüsse nicht mehr die Atomreaktoren kühlen können und diese somit ausfallen.

Sicher, die regenerativen Energien (Wind- und Wasserkraft, Solar,...) sind in den nächsten Jahren noch nicht in der Lage, die Stromversorgung in Deutschland dauerhaft zu sichern.

 

Foto: Thomas Liebig © LichtBlick AG

Nun kommt von der Firma Lichtblick und VW eine neue Idee, wie man einen Teil der Stromversorgung sichern kann:
Das ZuhauseKraftwerk.

DAS UNSICHTBARE GROSSKRAFTWERK

Die Idee, die hinter dem ZuhauseKraftwerk steht, ist, dass in wenigen Jahren ca. 100.000 kleine Zuhausekraftwerke zusammen das größte Gaskraftwerk in Deutschland bilden sollen. Jedes Zuhausekraftwerk ist über das Internet oder Mobilfunk mit einer zentralen Leitstelle verbunden. Die Leitstelle ermittelt rund um die Uhr den Strombedarf und schaltet entsprechend viele Stromgeneratoren an. Lichtblick nennt das SchwarmStrom. Nebenbei sorgt die Steuerung dafür, dass die einzelnen Häuser jederzeit genug Wärme erhalten.

Das System ähnelt dem Zusammenschluss vieler kleiner Computer in einem Netzwerk zu einem leistungsstarken Großrechner – ein seit Jahren bekanntes und bewährtes Prinzip.

Der deutsche Autohersteller VW produziert die hocheffizienten Mini-Blockheizkraftwerke mit dem Namen EcoBlue. Lichtblick vertreibt die Anlagen als ZuhauseKraftwerke, installiert sie beim Kunden und vernetzt sie zu einer Einheit.

SO FUNKTIONIERT DAS ZUHAUSEKRAFTWERK

Der Motor – ein auf Gas-Betrieb umgerüsteter 2-Liter-Dieselmotor – treibt einen Generator zur Stromerzeugung an. Dieser Strom wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Gleichzeitig wird mit der Abwärme des Motors das Wasser im Wassertank aufgewärmt. Die Kombination von Strom und Wärmegewinnung, die so genannte Kraft-Wärme-Kopplung, macht das ZuhauseKraftwerk äußerst effizient: VW beziffert den Wirkungsgrad auf über 90 %. Die Verbrennungsenergie wird also fast vollständig in Strom oder Wärme umgesetzt.

Zum Vergleich: Die deutschen Atom- und Kohlekraftwerke kommen derzeit durchschnittlich gerade einmal auf 40 %, d.h. über die Hälfte der eingesetzten Primärenergie bleibt ungenutzt, ein Großteil verfliegt über Kühltürme und -wasser in die Umgebung.

LEISTUNG AUF MEHRFAMILIENHÄUSER UND KLEINGEWERBE AUSGELEGT

Jedes ZuhauseKraftwerk besteht aus einem Gas-Motor mit Stromgenerator in einer Schallschutzkiste und einem Wassertank. An der Wand hängt ein kleines Steuergerät. Jedes Kellerkraftwerk liefert 20 kW elektrische plus 34 kW Wärmeleistung. Für einen 4- oder 5-Personenhaushalt ist das ZuhauseKraftwerk aber überdimensioniert. In einem Einfamilienhaus werden in der Regel nur zwischen 2 und 15 kW Wärmeleistung (Heizung, Warmwasser) verbraucht.

Daher ist die Verwendung des ZuhauseKraftwerks in der derzeitigen Auslegung nur für Mehrfamilienhäuser, kleinere Gewerbebetriebe und öffentliche Gebäude wie Schwimmbäder oder Kindergärten sinnvoll. Lichtblick selbst empfiehlt seine ZuhauseKraftwerke erst ab einem Wärmebedarf von 45.000 kWh im Jahr.

FLEXIBILITÄT HILFT BEIM AUSBAU REGENERATIVER ENERGIEN

Das Konzept der Minikraftwerke kann 2 wesentliche Probleme der Stromversorgung lösen:

  • 1. Sowohl das Stromangebot als auch die Stromnachfrage schwanken stark: Auf der einen Seite wird Wind- und Solarstrom nur dann produziert, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint. Und nach Einschätzungen von Experten werden im Jahr 2020 ca. die Hälfte des deutschen Stroms aus regenerativen Energiequellen kommen. Auf der anderen Seite wird beispielsweise am Tag mehr Strom verbraucht als in der Nacht. Um diese zum Teil sehr schnellen Schwankungen aufzufangen, sind große Kohle- oder Kernkraftwerke zu träge: Sie anzufahren dauert Stunden bis Tage. Die Klein-Kraftwerke starten innerhalb von Minuten. Und je nach Bedarf können 10, 1.000 oder 100.000 von ihnen angelassen werden.
  • 2. Die Keller-Kraftwerke sind sehr effizient, gehen also mit der eingesetzten Primärenergie äußerst sparsam um. Das schont die Umwelt, das Klima und den Geldbeutel. Noch verbrennen die Klein-Kraftwerke Erdgas, nutzen also einen nicht-regenerativen Energieträger. Langfristig hat Lichtblick jedoch vor, die ZuhauseKraftwerke mit Biogas zu befeuern. Dann sind sie auch im Betrieb völlig CO2-neutral.

WAS KOSTET DAS ZUHAUSEKRAFTWERK?

Der Hausbesitzer zahlt einmalig ca. 5000,- Euro als Installations- und Leihgebühr für das Klein-Kraftwerk. Das Kraftwerk bleibt Eigentum der Firma Lichtblick. Die Lichtblick-Techniker kümmern sich um den Abriss und die Entsorgung der bisherigen Heizungsanlage und bauen das VW-Blockheizkraftwerk samt Wärmespeicher, Daten- und Stromanschluss ein.

Die Reparaturen und Wartung übernimmt Lichtblick kostenfrei. Die Anlage kann laut Hersteller innerhalb von 2 Tagen installiert werden.

In der Folgezeit zahlt der Kunde einen monatlichen Grundpreis von 20,- Euro und die von ihm verbrauchte Wärme. Berechnungsgrundlage hierfür ist der vom Statistischen Bundesamt ermittelte Gaspreisindex.

Im Gegenzug erhält der Kunde eine monatliche Kellermiete von 5,- Euro und 0,5 Cent für jede ins Netz eingespeiste Kilowattstunde Strom.

ATOMAUSSTIEG ZUM MITMACHEN?

Jedes ZuhauseKraftwerk liefert 20 kW elektrische Leistung. Wenn 100.000 von ihnen gleichzeitig laufen, speisen sie zusammen 2 Gigawatt Strom ins Netz ein. Das ist so viel wie 2 Atomkraftwerke produzieren.

Dazu ist das Projekt wirtschaftlich sehr interessant, da durch die flexible Steuerung genau dann Strom erzeugt werden kann, wenn er – aufgrund hoher Nachfrage und knappen Angebots – gerade relativ teuer an den Strombörsen verkauft werden kann.

Bei dem Energieversorger Lichtblick sind bereits 6 Wochen nach der Vorstellung des ZuhauseKraftwerkes über 25.000 Kundenanfragen eingegangen. „Das Interesse an den ZuhauseKraftwerken ist überwältigend. Viele Hausbesitzer, Wohnungsbaugesellschaften und Kommunen sind begeistert von unserer Idee. Sie wollen einen Beitrag zur Energiewende leisten“ erklärte Gero Lücking, Vorstand Energiewirtschaft bei Lichtblick.

Lichtblick hat in Hamburg bereits die ersten Verträge mit Privatkunden abgeschlossen. Die Stadt Hamburg hat im September ’09 allein100 ZuhauseKraftwerke für Kindertagesstätten, Altenheime und Wohnungsbaugesellschaften bestellt. Lichtblick wird die ersten Anlagen im Frühsommer 2010 einbauen. „Wir starten in Hamburg und weiten den Vertrieb dann schrittweise auf ganz Deutschland aus. Ab 2011 können wir dann bundesweit Zuhause-Kraftwerke installieren“, erläutert Lücking. Volkswagen wird in diesem Jahr einige 100 Zuhau-seKraftwerke ausliefern und dann Ende 2010 in die Serienproduktion einsteigen.

 

Verbraucher können sich schon jetzt unter www.zuhausekraftwerk.de informieren und als Interessenten dafür registrieren.

Micky

 

Die Lichtblick AG mit Sitz in Hamburg ist nach eigenen Angaben mit über 500.000 Kunden der größte Öko-Strom- und Gas-Versorger in Deutschland. Sie bietet OK-Power- und TüV-zertifizierten Ökostrom an.

 

Der Autohersteller Volkswagen hat Erfahrungen mit dem Bau effizienter Verbrennungsmotoren – und mit Kraftwerken: der Konzern betreibt an den Standorten Wolfsburg, Kassel, Honnover, Emden und Mlada Bolesláv Heiz- und Stromkraftwerke.

 

 

 

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