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Juni2009

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Energie in Bürgerhand


Bis zum Sommer 2009 will der Energiekonzern E.ON seine Tochtergesellschaft Thüga verkaufen, um so einer Zwangsentflechtung durch das Kartellamt vorzubeugen. Die Thüga ist an vielen Stadtwerken beteiligt und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von ca. 15 Milliarden Euro.

Bisher hat sie solide Gewinne erwirtschaftet, die an die Mutter E.ON zurückgeflossen sind. Schon jetzt haben sich viele Stadtwerke und kommunale Versorger zusammengeschlossen, um 60-70 Prozent der Thüga-Anteile zu kaufen und weitere Stadtwerke haben ihr Interesse an einer Beteiligung bekundet. Wenn dies gelingt, würden die Gewinne nämlich an die Kommunen zurückfließen.

Im März haben Freiburger Bürger die Genossenschaft „Energie in Bürgerhand“ gegründet, um gemeinsam mit vielen anderen, Anteile an der Thüga zu erwerben, um so die „Idee einer ökologischen und zukunftsweisenden Energiewirtschaft zu verwirklichen“.

 

 



© Jan Gropp von pixelio.de

Hört sich erst einmal etwas utopisch an, ist es allerdings nicht, denn „Stell Dir vor: Mit schon 500 Euro bist du Miteigentümer von 90 Stadtwerken mit 7,5 Millionen Kunden. Du kannst mitbestimmen, ob diese mit Atomstrom oder grünem Strom versorgt werden. Du kannst dafür sorgen, dass Millionenbeträge nicht länger in Konzernkassen versickern, sondern zurück in die Taschen der Bürger vor Ort fließen“.

Die Gründer haben bewusst die Form der Genossenschaft gewählt, denn im Gegensatz zu einer Kapitalgesellschaft hat hier jeder, egal wie viele Anteile er erworben hat, nur eine Stimme und so ist es auch ausgeschlossen, dass sich Investmentgesellschaften dort einkaufen können.

Die Schönauer Stromrebellen haben schon vor Jahren bewiesen, dass dies möglich ist. Als es am 27. April 1986 in dem sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl zu dem bisher größten anzunehmenden Unfall (GAU) gekommen war, gründete sich, wie in vielen anderen Städten Deutschlands, auch in Schönau eine Bürgerinitiative, um für einen Ausstieg aus der Atomenergie zu kämpfen

.Den Schönauern wurde allerdings sehr schnell klar, um diesen Ausstieg zu erreichen, musste das örtliche Stromnetz vom bisherigen Energieversorger „freigekauft“ werden, denn nur so war es möglich, Einfluss auf die Energiepolitik zu nehmen.

Viele hielten diese Idee für utopisch und es war ein langer Weg, bis am 10. März 1996 nach einem zweiten Bürgerentscheid klar war, die Schönauer wollen ihren Strom in Bürgerhand. Seitdem gibt es die EWS (Elektrizitätswerke Schönau) mit ihren 650 Gesellschaftern, die bundesweit ca. 85.000 Kunden mit sauberem Strom beliefert.

Die Erzeuger für die EWS garantieren, dass sie keine Kapitalbeteiligungen an Atomkraftwerken oder deren Tochterunternehmen haben. Der Strom wird aus Erdgas (6,7 %) und erneuerbaren Energien (93,3 %) erzeugt und der TÜV Nord überprüft diese Angaben der EWS jährlich.

Den Gesellschaftern der EWS geht es auch nicht darum, die höchste Gewinnmaximierung zu erreichen, sondern sie investieren mit dem Sonnen-Cent in eine nachhaltige Energieversorgung.

Soviel Zeit, wie die Schönauer, haben die Initiatoren der Genossenschaft „Energie in Bürgerhand“ nicht und sie erklären, wie es in 4 Schritten klappen kann, diese Idee umzusetzen.

  • Schritt 1: Wir machen alle mächtig Werbung
    Jetzt ist jeder von uns gefragt, für unsere Sache in seinem persönlichen Umfeld zu werben. Lasst uns viele Menschen begeistern! Denn je mehr wir werden, desto größer ist unser Einfluss und damit der politische und ökologische Gewinn
  • Schritt 2: Wir legen zusammen
    Möglichst viele zahlen mindestens 500 Euro (besser ein Vielfaches) auf ein Treuhandkonto ein, um später Anteile an der Thüga zu erwerben. Das Geld ist zweckgebunden und wird verzinst.
  • Schritt 3: Wir verhandeln
    Vertreter unserer Genossenschaft und die Stadtwerkskonsortien verhandeln mit E.ON. Sind sie erfolgreich, wird das Geld auf dem Treuhandkonto in Genossenschaftsanteile umgewandelt. Die Genossenschaft erwirbt einen entsprechend hohen Anteil an der Thüga. Enden die Verhandlungen ergebnislos, bekommen die Bürger ihr Geld verzinst zurück.
  • Schritt 4: Wir sind am Ziel
    Wir sind Miteigentümer des fünftgrößten Energieversorgers. Wenn unser Anteil hoch genug ist, entsenden wir einen oder mehrere gewählte Vertreter in den Aufsichtsrat. Wir können nun direkten Einfluss auf die Unternehmenspolitik ausüben und darauf einwirken, dass in über 90 Stadtwerken eine ökologische und soziale Energiepolitik umgesetzt wird.

Um dieses Ziel zu erreichen, werden bundesweit Mitstreiter gesucht, damit dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt werden kann.

Uli

Nähere Informationen erhalten sie hier:

Merzhauserstraße 177
79100 Freiburg
Tel. +49.(0)761 2088830
Fax. +49.(0)761 3690420

 



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