Hört sich erst einmal etwas utopisch an, ist es allerdings
nicht, denn „Stell Dir vor: Mit schon 500 Euro bist du Miteigentümer
von 90 Stadtwerken mit 7,5 Millionen Kunden. Du kannst mitbestimmen,
ob diese mit Atomstrom oder grünem Strom versorgt werden.
Du kannst dafür sorgen, dass Millionenbeträge nicht
länger in Konzernkassen versickern, sondern zurück in
die Taschen der Bürger vor Ort fließen“.
Die Gründer haben bewusst die Form der Genossenschaft gewählt,
denn im Gegensatz zu einer Kapitalgesellschaft hat hier jeder,
egal wie viele Anteile er erworben hat, nur eine Stimme und so
ist es auch ausgeschlossen, dass sich Investmentgesellschaften
dort einkaufen können.
Die Schönauer Stromrebellen haben schon vor Jahren bewiesen,
dass dies möglich ist. Als es am 27. April 1986 in dem sowjetischen
Kernkraftwerk Tschernobyl zu dem bisher größten anzunehmenden
Unfall (GAU) gekommen war, gründete sich, wie in vielen anderen
Städten Deutschlands, auch in Schönau eine Bürgerinitiative,
um für einen Ausstieg aus der Atomenergie zu kämpfen
.Den Schönauern wurde allerdings sehr schnell klar, um diesen
Ausstieg zu erreichen, musste das örtliche Stromnetz vom
bisherigen Energieversorger „freigekauft“ werden,
denn nur so war es möglich, Einfluss auf die Energiepolitik
zu nehmen.
Viele hielten diese Idee für utopisch und es war ein langer
Weg, bis am 10. März 1996 nach einem zweiten Bürgerentscheid
klar war, die Schönauer wollen ihren Strom in Bürgerhand.
Seitdem gibt es die EWS (Elektrizitätswerke Schönau)
mit ihren 650 Gesellschaftern, die bundesweit ca. 85.000 Kunden
mit sauberem Strom beliefert.
Die Erzeuger für die EWS garantieren, dass sie keine Kapitalbeteiligungen
an Atomkraftwerken oder deren Tochterunternehmen haben. Der Strom
wird aus Erdgas (6,7 %) und erneuerbaren Energien (93,3 %) erzeugt
und der TÜV Nord überprüft diese Angaben der EWS
jährlich.
Den Gesellschaftern der EWS geht es auch nicht darum, die höchste
Gewinnmaximierung zu erreichen, sondern sie investieren mit dem
Sonnen-Cent in eine nachhaltige Energieversorgung.
Soviel Zeit, wie die Schönauer, haben die Initiatoren der
Genossenschaft „Energie in Bürgerhand“ nicht
und sie erklären, wie es in 4 Schritten klappen kann, diese
Idee umzusetzen.
- Schritt 1: Wir machen alle mächtig Werbung
Jetzt ist jeder von uns gefragt, für unsere Sache in seinem
persönlichen Umfeld zu werben. Lasst uns viele Menschen
begeistern! Denn je mehr wir werden, desto größer
ist unser Einfluss und damit der politische und ökologische
Gewinn
- Schritt 2: Wir legen zusammen
Möglichst viele zahlen mindestens 500 Euro (besser ein
Vielfaches) auf ein Treuhandkonto ein, um später Anteile
an der Thüga zu erwerben. Das Geld ist zweckgebunden und
wird verzinst.
- Schritt 3: Wir verhandeln
Vertreter unserer Genossenschaft und die Stadtwerkskonsortien
verhandeln mit E.ON. Sind sie erfolgreich, wird das Geld auf
dem Treuhandkonto in Genossenschaftsanteile umgewandelt. Die
Genossenschaft erwirbt einen entsprechend hohen Anteil an der
Thüga. Enden die Verhandlungen ergebnislos, bekommen die
Bürger ihr Geld verzinst zurück.
- Schritt 4: Wir sind am Ziel
Wir sind Miteigentümer des fünftgrößten
Energieversorgers. Wenn unser Anteil hoch genug ist, entsenden
wir einen oder mehrere gewählte Vertreter in den Aufsichtsrat.
Wir können nun direkten Einfluss auf die Unternehmenspolitik
ausüben und darauf einwirken, dass in über 90 Stadtwerken
eine ökologische und soziale Energiepolitik umgesetzt wird.
Um dieses Ziel zu erreichen, werden bundesweit Mitstreiter
gesucht, damit dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt werden kann.
Uli
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