Kritiker
und Skeptiker kommen immer mit dem Argument, dass ein BGE nicht
zu finanzieren sei. Ist es wirklich so? Eine Reihe von Ökonomen
und Volkswirtschaftler sind durchaus der Ansicht, dass man dieses
Grundeinkommen finanzieren kann. Schon allein bei der Abschaffung
der zementierten Verwaltung (z.B. Arbeitsagenturen) und der
Abschaffung der Lohnnebenkosten bei gleichzeitiger Anhebung
der Mehrwertsteuer könnte diese Rechnung aufgehen.
Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat im Auftrag der CDU die Finanzierbarkeit
des Bedingungslosen Grundeinkommen untersucht und kam zu dem
Ergebnis, dass das Konzept finanzierbar ist und das Grundeinkommen
nicht teurer sei, wie die Sozialsysteme um Hartz IV.
Da verwundert es auch nicht, dass Thüringens Ministerpräsident
Dieter Althaus (CDU) ein Grundeinkommen für alle einfordert
und der Ansicht ist, dass dies „ein Zukunftsmodell der
pluralistischen Gesellschaft“ ist. In seinem Modell soll
jeder Bürger 800,- Euro bekommen.
Wie könnte man die Idee „Bedingungsloses
Grundeinkommen“ in unserer Gesellschaft umsetzen?
Schon in den 60er Jahren hatte der Ökonom Milton Friedman
(1912-2006) die Idee, eine Art Grundeinkommen durch die Einkommenssteuer
zu finanzieren. Er wünschte sich einen schlanken und liberalen
Sozialstaat. Bedürftigen Haushalten sollten Einkommenssteuer
ausgezahlt werden. Er nannte dies „Negative Einkommenssteuer“.
In den USA stand dieses Modell übrigens kurz vor der Einführung.
Wie könnte man heute ein Grundeinkommen in einer
Gesellschaft organisieren?
Wenden wir uns der Wertschöpfung zu. Als Wertschöpfung
einer Gesellschaft bezeichnen wir das, was im Laufe eines Jahres
in einem Land an Dienstleistungen und Produkten hergestellt,
weiterverarbeitet und dann auch verkauft wird. Wir stellen uns
diese Wertschöpfung einmal als Kreis vor, je produktiver
umso größer ist dieser Kreis. Diese Wertschöpfung
teilt sich in zwei Teile, einen Staats- und einen Privatanteil.
Ca. die Hälfte der Wertschöpfung geht über Steuern
und Abgaben an den Staat. Damit bezahlen wir die Schulen, die
Polizei, die Feuerwehr, die Sozialleistungen, etc. und alle
weiteren Leistungen, die nicht der Einzelne bezahlen soll, der
sie in Anspruch nimmt, sondern wir als Gemeinschaft tragen.
Die Staatsquote 2005 lag in der Schweiz bei 36%, in Schweden
bei 56% in Österreich bei 50% und in Deutschland bei 47%.
Wie sähe dies nun mit einem Grundeinkommen aus?
Bei den Einkommen, die der Staat auszahlt, wäre die Einführung
des Grundeinkommens nur eine Änderung in der Art der Auszahlung.
Denn das Geld für diese Einkommen ist ja bereits durch
die vorhandenen Steuern beim Staat vorhanden. Heute zahlt der
Staat damit die Löhne seiner Angestellten und Beamten,
ebenso wie die der Empfänger staatlicher Transferleistungen.
Bei all diesen Einkommen wäre die Einführung des
BGE nur eine Änderung in der Buchhaltung.
Bei den privatwirtschaftlichen Einkommen ist das Geld für
das BGE noch nicht beim Staat. Es muss erst durch Steuern an
den Staat fließen, damit er ein Grundeinkommen auch auszahlen
k
Beeutet das noch mehr Staat? Nein, denn der Staat ist nur Treuhänder
für das Grundeinkommen und der Garant des Rechtsanspruchs.
Dazu ersetzt das Grundeinkommen viele Sozialleistungen bis zu
seiner Höhe – die meisten heutigen Transferempfänger
fielen somit aus den Sozialsystemen raus, viel Bürokratie
könnte abgebaut werden, der Staat würde schlanker.
Aber
die Steuern würden erst einmal höher werden, denn
das BGE muss ja finanziert werden. Doch welche Steuern könnte
man erhöhen? Beim Modell des Milton Friedman soll das über
die Einkommenssteuer finanziert werden. Bei steigenden Erwerbslosenzahlen
ist das heute keine so gute Idee mehr. Und eine höhere
Einkommenssteuer würde die Erwerbsarbeit belasten und teurer
machen. Das Schlimme an der Einkommenssteuer ist, dass sie die
Leistung besteuert und so die eigene Basis auffrisst.
- Schauen wir uns einmal einen Betrieb an. In unserem Fall
ein Kaffeehaus in Basel. Für so einen gastronomischen
Betrieb sind alle Steuern Kosten. Und alle Kosten müssen
durch den Verkauf der Produkte wieder reingeholt werden.
- Es gibt hier drei Arten von Steuern:
- 1.) Die Mehrwertsteuer: Ist für den Kunden auf dem
Kassenzettel ausgewiesen und bedeutet für das Kaffeehaus
keine Kosten.
- 2.) Lohnnebenkosten: die je zur Hälfte vom Arbeitgeber
und vom Arbeitnehmer bezahlt werden
- 3.) Einkommenssteuer: wird vom Arbeitnehmer bezahlt
- Es scheint so, als ob unterschiedliche Steuern von unterschiedlichen
Beteiligten bezahlt werden würden. Das ist jedoch nur
auf dem Papier so. Alle Gelder, die hier an Arbeitgeber, den
Mitarbeiter, den Staat fließen, wurden vorher vom Kunden
bezahlt – die Wertschöpfung findet erst statt,
wenn das Produkt verkauft wird. Nehmen wir einen Milchkaffee.
In diesem stecken also die Kosten für die Infrastruktur,
die Warenkosten, die Löhne und die MwSt. Der Kunde sieht
auf dem Kassenzettel nur die Mehrwertsteuer, aber er bezahlt
auch die Lohn- und Einkommenssteuer für die Angestellten
im Kaffeehaus und sogar die Lohn- und Einkommensteuer der
Menschen, die an der Herstellung der Waren beteiligt sind
(z.B. Bauer).
Wie wäre es, wenn alle Steuern erst am Ende fällig
wären? Wenn die Mehrwertsteuer erhöht und alle anderen
Steuern ersetzen würde? Und erst fällig werden würde,
wenn das Produkt verkauft wird?
Dann könnte jeder sehen, was er für seinen Staat
beisteuert. An der Kasse wären dann alle gleich. Demokratie,
die an der Kasse stattfindet.
Schwarzarbeit gäbe es dann keine mehr, da keine Steuern
mehr die Arbeit verteuern. Dagegen wären allerdings dann
Schwarzverkäufe reizvoll. Allerdings wäre es für
die Steuerfahndung wesentlich leichter, wenn es nur eine Steuer
gäbe. Außerdem würde viel bürokratischer
Aufwand in Unternehmen und der Finanzverwaltung abnehmen.
„Sie haben in einer entgrenzten Welt nur dann Chancen
nachhaltig Steuern für den Staat einzunehmen, wenn sie
eine Steuerquelle auftreiben können, die ihnen nicht davonlaufen
kann.“, so Prof. Georg Vobruba, Uni Leipzig.
Eine Steuer, die nicht „davonlaufen“ kann, ist
die Mehrwertsteuer. Sie wird fällig wenn der Konsument
sein Geld ausgibt. Deshalb kann man sie auch Konsumsteuer nennen.
Die Steuer zahlt nicht, wer den Kaffee bringt, sondern wer ihn
trinkt. Mehr ältere Leute, mehr Erwerbslose, wären
mit der Konsumsteuer kein Problem, denn konsumiert wird immer
und produziert wird mehr als genug!
Ein
weiteres Problem der Einkommenssteuer ist, dass Maschinen weitgehend
steuerfrei sind! Sie haben kein Einkommen, deshalb zahlen sie
auch keine Einkommenssteuer.
Produkte, die hauptsächlich der Mensch herstellt, sind
dadurch teurer als jene, die hauptsächlich von Maschinen
hergestellt werden.
Wenn man nun von der Menschenarbeit und der Maschinenarbeit
den heutigen Steueranteil entfernt und auf beide den gleichen
Anteil Konsumsteuer draufsetzt, dann wird menschliche Arbeit
billiger und maschinelle Arbeit teurer. Die Arbeit von Mensch
und Maschine wird steuerlich gleichgestellt. Weil die Steuer
erst auf das Ergebnis der Wertschöpfung kommt. Maschinen
würden also nicht nur die Arbeit übernehmen sondern
auch einen Teil des Steueraufkommens.
Die Mehrwertsteuer gibt der Arbeitsteilung mehr Raum und ist
wettbewerbsneutral. In Deutschland macht die Mehrwertsteuer
mit ihren 19 % inzwischen den größten einheitlichen
Steuersatz aus. In Schweden beträgt sie 25 % und für
den Beitritt in die Europäische Gemeinschaft ist sie Voraussetzung!
Die Mehrwertsteuer ist also die kommende Steuer.
„Ich habe erlebt, dass die Einkommenssteuer ständig
Bremswirkung hat, und die Konsumsteuer zunächst einmal
das ganze Leistungsgeschehen entwickeln lässt“, so
Dr. Benedikt Hardorp (hat bei der Einführung der MwSt.
mitgewirkt).
Wenn die einzige Steuer die Mehrwertsteuer ist, dann zahlt
jeder Bürger die gleiche Höhe an Steuern. Wo ist dann
aber der Steuerfreibetrag, die soziale Komponente?
Jeder bekommt für seine Grundbedürfnisse MwSt. rückvergütet.
Das BGE wäre dann die Vergütung der MwSt. für
die Grundbedürfnisse als ausgezahlter Freibetrag. Wäre
die Mehrwertsteuer die einzige, dann läge sie etwa bei
50 % der Wertschöpfung.
Gehen wir einmal von einem bedingungslosen Grundeinkommen von
1000 Euro aus. Jeder bekommt 1000 Euro. Der, der nichts dazuverdient,
kann maximal 1000 Euro ausgeben. Er zahlt minus 500 Euro Steuern.
Bekommt also vom Staat 500 Euro Steuern zurück.
Wer 500 Euro dazuverdient, kann maximal 1500 ausgeben, zahlt
also minus 250 Euro Steuern. Erst wer mehr als doppelt soviel
wie das Grundeinkommen zur Verfügung hat, der zahlt real
Steuern. Wer z.B. 2000 Euro dazuverdient, der hat mit dem Grundeinkommen
insgesamt 3000 Euro zur Verfügung, er kann maximal 3000
Euro ausgeben, davon wären 1500 Steuern. Zieht man davon
die 1000 Euro BGE ab, dann zahlt jemand mit einem Gesamteinkommen
von 3000 Euro real 500 Euro Steuern. Je höher das Gesamteinkommen
desto höher auch das Steueraufkommen. Mit immer höher
werdenden Einkommen nähert sich das Steueraufkommen mehr
und mehr den 50 % an (Maximaler Steuersatz).
Wenn die Steuer auf einmal kassiert wird, dann sind die Löhne
von der Steuer befreit und machen weniger Kosten für die
Unternehmer. Vielleicht stellt dann der Arbeitgeber neue Mitarbeiter
an, es gibt dann mehr Raum für neue Ideen, mehr Zeit etwas
auszuprobieren, die Arbeit könnte auf mehr Schultern verteilt
werden, die Arbeitsatmosphäre könnte angenehmer werden...
Kommen wir wieder zu unserem Kaffeehaus und dem Milchkaffee.
Die Kosten für den Kaffee setzen sich nun so zusammen:
Das untere Drittel sind die Löhne, die Warenkosten und
die Infrastruktur.
Das mittlere Drittel ist der Anteil für das BGE.
Das oberste Drittel ist für die staatlichen Aufgaben (ohne
Grundeinkommen).
Alle Preise sind Einkommen:
Das untere Drittel sind die Einkommen derer, die unmittelbar
an der Wertschöpfung beteiligt sind.
Das mittlere Drittel sind die Grundeinkommen für alle!
Das obere Drittel sind die Einkommen derer, welche die Rahmenbedingungen
erfüllen und die staatlichen Aufgaben übernehmen.
In unserem Kaffeehaus-Modell („Milchkaffee“) machen
die Löhne nun nicht mehr die Hälfte des Preises aus,
sondern nur noch ein Sechstel. Die Höhe der Löhne
ändert sich nicht, das Grundeinkommen wächst in das
bestehende Einkommen.
Der
Einzelne hat nun mit dem Grundeinkommen eine bessere Position,
eine neue Verhandlungsbasis gegenüber dem Arbeitgeber.
Ist das Einkommen zu gering, kann der Arbeitnehmer drauf verzichten.
Prekäre Beschäftigungsverhältnisse und Lohndumping
würden der Vergangenheit angehören. Und wer innerlich
kündigt, kann es auch gleich äußerlich tun.
Weniger Menschen wären unzufrieden mit ihrem Job!
Außerdem werden auch Familien bessergestellt. Jedes Familienmitglied
hat sein eigenes Grundeinkommen und wäre weniger auf Leistungen
anderer Familienmitglieder angewiesen. Je mehr Mitglieder die
Familie hat, umso mehr Grundeinkommen steht der Familie insgesamt
zur Verfügung. Sie ist nicht mehr so abhängig vom
Einkommen der erwerbstätigen Mitglieder.
Und ist bei einer 4-köpfigen Familie der Vater der Alleinverdiener,
dann ist er nicht mehr schlechter gestellt als sein Arbeitskollege
ohne Familie. Der Familienvater braucht für seine Familie
mehr Geld, das BGE stellt der Familie mehr Geld zur Verfügung
als dem Single. Die Ausgangsposition des Familienvaters ist
gestärkt.
Und wie steht es mit der Schaffung unentgeltlicher
Werte?
Es gibt noch eine zweite Wertschöpfung, die der sozialen,
kulturellen und menschlichen Werte. Mit dem BGE würde die
Schaffung dieser Werte zunehmen:
Pflege zuhause, Zeit für Mitmenschen, echte Bildung, die
den einzelnen stärkt, freie Forschung, freies Unternehmertum...
all diese Werte würden aufblühen und die Menschen
wären gesünder, angstfreier, selbstbewusster und ideenreicher...
Und diese Eigenschaften kämen dann wiederum auch der ersten
Wertschöpfung zugute, d.h. die Wertschöpfung steigt,
das Einkommen des Staates steigt.
Ein BGE hätte also zahlreiche Vorteile für das Individuum
und eine Finanzierung wäre möglich!
Nun muss sich die Idee des BGE nur noch in den Köpfen unserer
Mitmenschen festsetzen. Wenn man sich bewusst macht, dass uns
die Arbeit ausgeht und das bisherige System nur noch am Leben
erhalten wird, dann wird man nach neuen Möglichkeiten des
Wirtschaftens und Zusammenlebens suchen und dann auch Visionen
wie das Bedingungslose Grundeinkommen umsetzen.
Micky
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