| Und alle Einkommen werden erwirtschaftet. Dabei gehen nur
4 von 10 Deutschen einer bezahlten Arbeit (Erwerbsarbeit) nach.
3 von 10 bekommen ihr Einkommen von den Angehörigen (hauptsächlich
Kinder und Jugendliche), 2 von 10 beziehen Rente oder Pension,
1 von 10 Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe. bekommen mehr als
die Hälfte der Bürger ein Einkommen obwohl sie keiner
Erwerbsarbeit nachgehen.
Sie bekommen ein so genanntes Transfereinkommen, ein Einkommen,
für das sie keiner Arbeit nachgehen müssen. So fremd
kann uns also ein Grundeinkommen gar nicht sein.
Neu daran ist lediglich die Bedingungslosigkeit!
Wie ist die Situation heute? Vollbeschäftigung ist längst
in weite Ferne gerückt, der Arbeitsmarkt bietet nicht genug
Arbeitsplätze für alle, er bringt dazu die Leistung
der sozialen Integration in Zukunft nicht mehr auf.
Alle politischen Kräfte von links bis rechts rufen nach
Wirtschaftswachstum und verdrängen die Chance, qualitativ
höherwertige und neue Organisationsmodelle für die Gesellschaft
zu entwerfen. Dabei bedeutet Wirtschaftswachstum nicht mehr Arbeitsplätze.
Unter dem Strich hat es in den letzten Jahren mehr Arbeitslose
geschaffen. Und dem Staat, um was geht es dem? Um mehr Arbeitsplätze
oder um die Steuereinnahmen aus diesen?
Die Logik der Erfolgsgeschichte ist ja gerade Arbeit zu verringern
(Rationalisierung).
Kein Manager wird einen Weg in der Produktion einschlagen, der
mehr Arbeit schafft.
Das Ziel der Wirtschaft ist also, mit immer weniger Arbeit immer
mehr zu produzieren und nicht mehr Arbeitsplätze zu schaffen!
Unser System ist also in einer Sackgasse. Soll man nun auf „Teufel
komm raus“ auf Wirtschaftswachstum setzen oder offen sein
für neue Formen des Zusammenlebens und dessen Finanzierung?
Es gibt verschiedene Modelle für ein bedingungsloses Grundeinkommen,
allen gemeinsam ist die Definition des Netzwerks Grundeinkommen:
„Ein Grundeinkommen ist ein Einkommen, das bedingungslos
jedem Mitglied einer politischen Gemeinschaft gewährt wird.“
| Es gibt 4 Kriterien:
Das Grundeinkommen soll
1. die Existenz sichern und gesellschaftliche Teilhabe
ermöglichen
2. einen individuellen Rechtsanspruch darstellen
3. ohne Bedürftigkeit ausgezahlt werden
4. keinen Zwang zur Arbeit bedeuten
|
Ein Grundeinkommen bedeutet jedoch nicht für jeden mehr
Geld. Es kommt nicht von oben und nicht obendrauf, es wächst
in das bestehende Einkommen. Es wird nur der Anteil des Erwerbseinkommens
geringer. Das Grundeinkommen ist eine andere Art von Einkommen,
kein Mindestlohn oder Bezahlung für irgendetwas. Es ist nicht
an die Arbeit gebunden, sondern bleibt bei der Person auch bei
allen Veränderungen.
| Vorteile für
den Einzelnen:
- Absicherung durch Grundeinkommen
- Möglichkeit, frei über seinen Arbeitsplatz
zu entscheiden
- Individuelle Ideen umsetzen
- Zeit für Kreatives
- Höhe so, dass er nicht unbedingt arbeiten muss
|
Menschen, die heute auf Sozialhilfe angewiesen sind, wären
es dann nicht mehr. Das bedingungslose Grundeinkommen ersetzt
staatliche Hilfe bis zu seiner Höhe. Nur wo Sozialleistungen
darüber hinaus nötig sind, bleiben sie bis zu diesem
Betrag erhalten.
Mehr Geld haben nur die in der Tasche, die vorher weniger hatten.
Das heißt, vor allem Kinder und Jugendliche, Familien, Empfänger
von zu geringen Renten, prekär Beschäftigte und Selbstständige,
die sich arm arbeiten, würden davon profitieren.
Ein Grundeinkommen hebt also Armut auf und stabilisiert den Mittelstand
auf einer Ausgangsbasis und es nimmt die Angst vor dem Alter!
Das bedingungslose Grundeinkommen ist jedoch kein Geld, welches
die einen den anderen geben, keine nachtragende Hilfe bei Not,
sondern eine Perspektive für alle.
Ein Grundeinkommen setzt nicht den besseren Menschen voraus.
Es löst auch nicht die Probleme mit Geld, aber es ermöglicht
mehr Lösungen durch die Menschen!
Thomas Paine (1737-1809) ist der Begründer der Menschenrechte.
Seine Ideen hatten großen Einfluss auf die erste demokratische
Verfassung der Welt. Der Name „United States of America“
war seine Idee. Er ist der Ansicht, dass die Rechte aller Menschen
gleich sind aufgrund des Menschseins! Schon er war für eine
Art Grundeinkommen und begründet es so: Die Erde ernährt
alle, die darauf leben. Also steht jedem etwas Land zu. Wenn alles
Land schon verteilt ist, dann muss es einen Ausgleich geben...
| Würde dann
noch jemand arbeiten gehen, wenn es ein Grundeinkommen gibt?
Die Leistungen im Jahr 2001, Quelle statistisches Bundesamt:
56 Milliarden Arbeitsstunden in bezahlter Arbeit stehen
96 Milliarden Arbeitsstunden in ehrenamtlicher, privater,
Haus- und Elternarbeit gegenüber. Schon heute wird
also mehr Arbeit unentgeltlich erledigt.
Die Befürchtung, dass alle faul in der Hängematte
liegen, ist also grundlos!
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Allerdings reicht das Geld als Anreiz eine Arbeit anzunehmen
nicht mehr aus. Vielleicht muss man neue Anreize schaffen, damit
die Leute Arbeit annehmen. z.B. bessere Arbeitsbedingungen, höhere
Bezahlung, sinnvollere Arbeitsaufgaben.
Natürlich kann ein Grundeinkommen auch missbraucht
werden:
Wenn man es zu niedrig ansetzt und alle weiteren Sozialleistungen
streicht. Dann ist es nicht ausreichend zum Leben und dann herrscht
faktisch Arbeitszwang für jeden. Oder wenn man das BGE verfälscht
durch Auflagen und Sondermodelle. Dann hat man eine Situation
wie heute... nur verschärft!
Was ist Wirtschaft? Für wen ist sie
eigentlich da?
Wirtschaft ist ein Teilbereich des menschlichen Zusammenlebens.
Sie sollte uns Menschen neue Produkte schaffen, neue Möglichkeiten
eröffnen, Lebensqualität erhöhen...
Die Realität sieht allerdings anders aus: Die Wirtschaft
ist ein eigenständiger Kreislauf, der nicht unbedingt
zum Wohle des Menschen funktioniert. Er kann heute sogar
Menschen zerstören! |
Wir müssen uns vom Gedanken frei machen, dass nur wer arbeitet,
auch das Recht zum Essen hat. Lebensmittel und Produkte haben
wir mehr als genug. Unser Problem ist: Die Arbeit geht uns aus!
Alle Investitionen in neue Arbeitsplätze sind in Wahrheit
Rationalisierungsmaßnahmen. Es werden Möglichkeiten
und Wege entwickelt, um Arbeit einzusparen!
Viele Menschen, die einen Arbeitsplatz haben, haben in Wirklichkeit
einen Einkommensplatz, d.h., sie üben eine Tätigkeit
aus, nur damit sie ein Einkommen bekommen. Wünsche und Ideen
bleiben auf der Strecke, Fähigkeiten bleiben unberücksichtigt.
Oft sehen Arbeitnehmer keinen Sinn in ihrer Tätigkeit, das
schafft gesellschaftliche Probleme wie Frustration oder Dauerkrankheiten!
In Deutschland sehen sich nur 12 % der Arbeitnehmer ganz und
gar am richtigen Arbeitsplatz, 54 % sind einigermaßen unzufrieden,
sehen aber auch gute Aspekte, 34 % (das ist jeder dritte!) sind
außerordentlich unzufrieden mir ihrer Arbeitsstelle (Quelle:
DGB).
Der so genannte Arbeitskampf ist eigentlich ein Einkommenskampf.
Weil die Arbeitnehmer ein Einkommen für ihre Arbeitsleistung
erhalten, kämpfen sie um ihren Arbeitsplatz. Würden
sie das tun, wenn sie ein Grundeinkommen hätten? Und: Es
gibt kein Recht auf zugewiesene Arbeit. Es gibt kein Recht auf
Pflicht. Und kein Recht darauf, gekauft zu werden.
Ein Recht auf Arbeit kann immer nur das Recht zu der Arbeit
sein, die jemand von sich aus tut. Und ein solches Recht braucht
ein Recht auf Einkommen!
Eine Umfrage in Deutschland: Wenn sie ein
bedingungsloses Grundeinkommen hätten, würden
sie selber dann noch arbeiten gehen?
60 % Ja
30 % Ja, aber vielleicht etwas anderes oder nicht mehr
Vollzeit
10 % würden erst einmal ausschlafen, würden
verreisen, sich um andere kümmern, vielleicht nochmals
studieren.
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Die Befürchtungen, dass niemand mehr Geld erwirtschaftet
und alle nur noch faul Zuhause bleiben, sind also unbegründet.
Das Grundeinkommen soll zum Lebensnotwendigen auf einem kulturtauglichen
Niveau reichen.
Mehr Geld verdienen zu wollen wird also weiterhin so normal wie
vorher sein, um sich Wünsche zu erfüllen und die steigenden
Bedürfnisse zu befriedigen!
Doch wer macht dann die so genannte Drecksarbeit?
Da gibt es drei Möglichkeiten:
1. Die Arbeit besser bezahlen und bessere
Bedingungen schaffen
2. Automatisieren und rationalisieren
(Beispiel: Müllabfuhr: Früher fuhren 3 Leute
auf einem Wagen mit, der Fahrer und 2 Arbeiter,
welche die Tonnen zum Wagen brachten,
sie entleerten.
Heute gibt es in machen Orten schon Fahrzeuge mit einem
mechanischen Greifarm,
der die Tonnen greift und in den Wagen leert. Nur noch
ein Fahrer ist nötig!)
3 . Selber machen.
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Was bringt das Grundeinkommen für die Gesellschaft?
Der Schweizer Soziologe Ulrich Maeder sieht den Vorteil, dass
die Leute ihr Leben weniger an der Erwerbsarbeit ausrichten. Es
gibt eine Fokussierung auf die Sinnfrage. Was ist mir wirklich
wichtig im Leben? Ein Grundeinkommen würde vielen Menschen
den Rücken stärken, ihnen mehr Sicherheit verleihen.
Dazu würde es seiner Meinung nach einen Kreativitätsschub
geben und einen Zufriedenheitsschub. Außerdem würden
die Menschen weniger kontraproduktiv mit dem Ellenbogen vorangehen.
Sie würden weniger drauf erpicht sein, auf Kosten anderer
profitieren zu können. Im heutigen System herrscht eine extreme
Konkurrenz, bei dem die Mechanismen der Solidarität unterlaufen
werden.
Da man mit dem Grundeinkommen finanziell auf
einem gewissen Niveau unabhängig ist, muss man nicht unbedingt
arbeiten oder kann Teilzeit arbeiten und hat so mehr Zeit für
seine Familie oder die Pflege von Angehörigen. Familienbande
würden verstärkt und viele Angehörige hätten
im Alter eine bessere Betreuung.
Dadurch, dass man nicht jeden Job annehmen muss, ist die Position
des Arbeitnehmers gegenüber dem Arbeitgeber gestärkt.
Der Arbeitnehmer kann auf gleicher Augenhöhe verhandeln und
seine Vorstellungen von Arbeit (Bedingungen, Lohn, Ideen) besser
einbringen, was zu einer Verbesserung des Arbeitsklimas führen
kann. Zeit für neue Ideen und Kreativität schaffen Innovation
und damit neue Produkte und Arbeitsplätze.
Die Frage ist doch: In was für einer Welt
wollen wir leben?
Wollen wir weiter einen Wirtschaftskreislauf unterstützen,
der nur einige Wenige reicher macht, während viele
von ihrem Lohn nicht mehr leben können?
Wollen wir zu einer Erwerbsarbeit gehen, in der wir keinen
Sinn sehen? Wollen wir weiter unsere Fähigkeiten
ungenutzt lassen und unsere Wünsche hinten anstellen?
Oder wollen wir nach dem technischen Fortschritt auch
einen sozialen Fortschritt, also ein qualitativ höherwertiges
Leben für alle?
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Im Teil II geht es dann um die Finanzierung
des bedingungslosen Grundeinkommens. Kritiker sagen immer, es
wäre nicht zu finanzieren. Einige Volkswirtschaftler sind
da allerdings anderer Meinung.
Micky
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