| Bettler von den Darstellern lernen können, wie auch umgekehrt.
Denn jeder vertritt seine Ansicht des Lebens. Und schon kam ein
reges Gespräch in Gange, in dem Künstler von Bettlern
erfahren wollten, wie man denn eigentlich bettelt und wie sie
in diese Situation gekommen sind. Auf der anderen Seite wollten
die Laien wissen, wie man so etwas auf der Bühne darstellt.
Danach begann dann die kreative Phase der Vorbereitung auf das
Theaterstück. Die (ehemaligen) Bettler erklärten ihre
jeweilige Form des Bettelns und die Probleme des Straßenlebens.
Da die Künstler sich in diesem Metier nicht auskannten, folgte
nun eine Diskussion darüber, wie man dieses „Bettelleben“
auf der Bühne umsetzen soll.
Von Wolfgang kam dann der Vorschlag, die Schauspieler sollen
sich mit einem Bettelschild auf die Bühne stellen und beim
Publikum um Applaus betteln, was auch allgemein gut ankam und
hoffentlich auch so gebracht wird! Der nächste Gedanke war,
die Zuschauer irgendwie zu animieren, eines der Lieder mitzusingen,
denn auch das könnte gut ankommen.
Dazu wurde sogar eine Hitliste der beliebtesten Straßenmusikersongs
erstellt! Uli gab dann noch eine persönliche Einführung
in sein Straßenleben und erklärte, was es für
Probleme geben kann, wie und wo man Platte machen kann und wo
nicht.
| BETTLER-OPER
Die Bettler-Oper ist eine 1728 in London uraufgeführte
Oper von John Gay (Text) und Johann Christoph Pepusch (Musik).
Der Titel „The Beggar’s Opera“ und bedeutet
„Des Bettlers Oper“, nicht wie häufig wiedergegeben
Bettleroper. Denn in diesem Originalstück trat ein
Bettler vor das Publikum und erzählte eine Geschichte.
Mit seinem Stück wollte der Autor das Großbürgertum
im England des 18. Jahrhundert parodieren. Mit der Figur
des Peachum, die sich an den bekanntesten Verbrecher jener
Zeit anlehnt, wollte Gay gleichzeitig den damaligen britischen
Premier karikieren.
Brecht nahm das Stück als Vorlage für seine
berühmte Dreigroschenoper, welche genau 100 Jahre später,
1928 mit der Musik von Kurt Weil aufgeführt wurde. |
Nun kam das Gespräch erst richtig in Gang, denn jeder wollte
vom anderen etwas wissen. Und endlich kamen auch die ersten konkreten
Vereinbarungen zustande.
So luden die Schauspieler die „Obdachlosen“ in ihre
Wohnung ein, um von ihnen zu erfahren, was laut Hartz IV nicht
unbedingt notwendig ist, bei der Einrichtung einer Wohnung.
Auf Vorschlag des Regisseurs erklärte sich unser Chefredakteur
dann auch bereit, die Schauspieler auf einer Art Sozialwanderung
zu begleiten.
Uli hat dann auch mit Betty und Anna (zwei der Darstellerinnen)
den „Sozi-Marathon“ abgelaufen. Von diversen Obdachlosenaufenthaltsräumen
bis zu Essens- und Beratungsstellen, hat er den beiden so ziemlich
alles in Freiburg gezeigt.
Die beiden Frauen waren teils begeistert vom Angebot und andererseits
auch erschüttert von der Not in der Stadt.
Außerdem wollten die Schauspieler wissen, wie die Umgangsformen
auf der Straße sind, das heißt, wie redet man miteinander,
wie kleidet man sich und wie ist es, das erste Mal zu betteln?
Denn gerade bei Letzterem gibt es eine gewisse Schamzone, bis
man sich zum Betteln überwinden kann und der Übergang
ist fließend.
Lustigerweise wollten die Profis dann auch noch wissen, welches
denn die häufigsten Ausreden der Leute sind, um kein Geld
zu geben. Die einfachste wäre natürlich: „Ich
habe gerade nichts“! – das würde bei der derzeitigen
Rezession auch jeder glauben, aber es kamen da wirklich die abenteuerlichsten
Sprüche auf den Tisch, die ich hier nicht erwähnen werde,
denn sonst gäbe es ja keine Ausreden mehr.
Nachdem dann jeder seine Vorschläge und Gedanken eingebracht
hatte, wurde dann auch noch einiges aus dem Text geprobt. Davon
darf ich allerdings noch nichts verraten, denn im Theater freut
man sich auf ein hoffentlich volles Haus! Nur soviel: Es klang
alles gut und es war interessant und ich hoffe, nun seid Ihr gespannt!
- Regie: Christoph Frick
- Musik: Bernadette La Hengst
- Dramaturgie: Carolin Hochleichter
- Darsteller: Anna Böger,Bettina Grahs, Melanie Lüninghöner,
Frank Albrecht, Andre Benndorff, Nicola Fritzen und natürlich
unser Bettlerchor
|