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Avantgarde Bettler


Wie schon berichtet, führt das Stadttheater Freiburg die Bettleroper neu auf und das sogar mit Laien!

Nun ja, die Zeit verrinnt und die Premiere rückt immer näher. Am 23. Januar ist es dann endlich soweit, das Schauspiel wird uraufgeführt und die Laiendarsteller freuen sich am meisten darauf!

Da ich seit geraumer Zeit die Proben beobachtet habe, kann ich hier behaupten, dass sich das Team inzwischen sehr gut aufeinander eingespielt hat.

Während am Anfang im Ferdinand-Weiß-Haus nur Chor-Proben stattfanden, hat sich das Ganze mittlerweile intensiviert. Denn seit Mitte Dezember fanden die Proben im Stadttheater statt und seitdem sind auch die professionellen Schauspieler dabei.

Beim ersten gemeinsamen Treffen der Schauspieler und des Bettlerchores kam es dann auch gleich zu interessanten Fragen, die vom Regisseur in den Raum geworfen wurden. So war er zum Beispiel der Ansicht, dass sowohl

 

Foto: Maurice Korbel ©

Bettler von den Darstellern lernen können, wie auch umgekehrt. Denn jeder vertritt seine Ansicht des Lebens. Und schon kam ein reges Gespräch in Gange, in dem Künstler von Bettlern erfahren wollten, wie man denn eigentlich bettelt und wie sie in diese Situation gekommen sind. Auf der anderen Seite wollten die Laien wissen, wie man so etwas auf der Bühne darstellt.

Danach begann dann die kreative Phase der Vorbereitung auf das Theaterstück. Die (ehemaligen) Bettler erklärten ihre jeweilige Form des Bettelns und die Probleme des Straßenlebens. Da die Künstler sich in diesem Metier nicht auskannten, folgte nun eine Diskussion darüber, wie man dieses „Bettelleben“ auf der Bühne umsetzen soll.

Von Wolfgang kam dann der Vorschlag, die Schauspieler sollen sich mit einem Bettelschild auf die Bühne stellen und beim Publikum um Applaus betteln, was auch allgemein gut ankam und hoffentlich auch so gebracht wird! Der nächste Gedanke war, die Zuschauer irgendwie zu animieren, eines der Lieder mitzusingen, denn auch das könnte gut ankommen.

Dazu wurde sogar eine Hitliste der beliebtesten Straßenmusikersongs erstellt! Uli gab dann noch eine persönliche Einführung in sein Straßenleben und erklärte, was es für Probleme geben kann, wie und wo man Platte machen kann und wo nicht.

BETTLER-OPER

Die Bettler-Oper ist eine 1728 in London uraufgeführte Oper von John Gay (Text) und Johann Christoph Pepusch (Musik). Der Titel „The Beggar’s Opera“ und bedeutet „Des Bettlers Oper“, nicht wie häufig wiedergegeben Bettleroper. Denn in diesem Originalstück trat ein Bettler vor das Publikum und erzählte eine Geschichte.

Mit seinem Stück wollte der Autor das Großbürgertum im England des 18. Jahrhundert parodieren. Mit der Figur des Peachum, die sich an den bekanntesten Verbrecher jener Zeit anlehnt, wollte Gay gleichzeitig den damaligen britischen Premier karikieren.

Brecht nahm das Stück als Vorlage für seine berühmte Dreigroschenoper, welche genau 100 Jahre später, 1928 mit der Musik von Kurt Weil aufgeführt wurde.

Nun kam das Gespräch erst richtig in Gang, denn jeder wollte vom anderen etwas wissen. Und endlich kamen auch die ersten konkreten Vereinbarungen zustande.

So luden die Schauspieler die „Obdachlosen“ in ihre Wohnung ein, um von ihnen zu erfahren, was laut Hartz IV nicht unbedingt notwendig ist, bei der Einrichtung einer Wohnung.

Auf Vorschlag des Regisseurs erklärte sich unser Chefredakteur dann auch bereit, die Schauspieler auf einer Art Sozialwanderung zu begleiten.

Uli hat dann auch mit Betty und Anna (zwei der Darstellerinnen) den „Sozi-Marathon“ abgelaufen. Von diversen Obdachlosenaufenthaltsräumen bis zu Essens- und Beratungsstellen, hat er den beiden so ziemlich alles in Freiburg gezeigt.

Die beiden Frauen waren teils begeistert vom Angebot und andererseits auch erschüttert von der Not in der Stadt.

Außerdem wollten die Schauspieler wissen, wie die Umgangsformen auf der Straße sind, das heißt, wie redet man miteinander, wie kleidet man sich und wie ist es, das erste Mal zu betteln? Denn gerade bei Letzterem gibt es eine gewisse Schamzone, bis man sich zum Betteln überwinden kann und der Übergang ist fließend.

Lustigerweise wollten die Profis dann auch noch wissen, welches denn die häufigsten Ausreden der Leute sind, um kein Geld zu geben. Die einfachste wäre natürlich: „Ich habe gerade nichts“! – das würde bei der derzeitigen Rezession auch jeder glauben, aber es kamen da wirklich die abenteuerlichsten Sprüche auf den Tisch, die ich hier nicht erwähnen werde, denn sonst gäbe es ja keine Ausreden mehr.

Nachdem dann jeder seine Vorschläge und Gedanken eingebracht hatte, wurde dann auch noch einiges aus dem Text geprobt. Davon darf ich allerdings noch nichts verraten, denn im Theater freut man sich auf ein hoffentlich volles Haus! Nur soviel: Es klang alles gut und es war interessant und ich hoffe, nun seid Ihr gespannt!

 

  • Regie: Christoph Frick
  • Musik: Bernadette La Hengst
  • Dramaturgie: Carolin Hochleichter
  • Darsteller: Anna Böger,Bettina Grahs, Melanie Lüninghöner, Frank Albrecht, Andre Benndorff, Nicola Fritzen und natürlich unser Bettlerchor

 

 

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