| Diese sollte zunächst darin bestehen, das Projekt publik
zu machen und den ein oder anderen aus unserem Bekanntenkreis
zum Mitwirken zu bewegen. Vor ein paar Monaten wurden wir schon
einmal angesprochen, ob wir an einem Theaterprojekt von Wohnungslosen
mitarbeiten wollen, haben aber damals aus Zeitmangel abgelehnt
und dafür Kontakte zwischen Initiator und anderweitigen Einrichtungen
vermittelt.
Inzwischen hat eben jener Initiator Michael Labres mit den Leuten
von KUNSTHARTZ eine kleine Theatergruppe auf die Beine gestellt,
die regelmäßig im Ferdi-Weiß-Haus probt und mittlerweile
auch schon eine kleine Aufführung hatte.
Also
nahmen wir Kontakt zu ihm auf und hörten erfreut, dass er
schon Bescheid wusste und das seine kleine Truppe auch mitmachen
will.
Schon ein paar Tage später nahm das Stadttheater dann telefonisch
Kontakt zu uns auf und wir vereinbarten dann auch gleich ein Treffen
für die darauf folgende Woche, zum gegenseitigen Kennenlernen.
Daran nahm auch Regisseur Christoph Frick teil, der gemeinsam
mit Frau Mundel und der Dramaturgin Carolin Hochleichter die Idee
zu dem Stück hatte.
Ebenfalls dabei war die bekannte Sängerin Bernadette la
Hengst, die für die Aufführung die Musikstücke
schreiben und komponieren will und natürlich auch singen
wird. Leute aus Michaels Theaterteam nahmen auch daran teil, so
dass es eine interessante Runde war und der Nachmittag dann auch
ziemlich lang wurde.
Da die Sängerin nur für ein Wochenende in Freiburg
war und danach gleich wieder nach Berlin musste, vereinbarten
wir ein weiteres Treffen, an dem dann die Leute teilnehmen sollten,
die aktiv bei der Aufführung mitwirken wollen. Hier erfuhren
wir dann Details darüber, wie die Mitarbeit der Laienschauspieler
aussehen soll und wie der Zeitplan bis zur Aufführung ist.
Zurzeit ist das Stück noch in Arbeit, das heißt die
Bettleroper wird modernisiert und auf Probleme der Gegenwart umgeschrieben.
Im November findet dann ein weiteres Treffen statt, bei dem dann
eventuell der Inhalt schon vorgestellt werden kann.
| BETTLER-OPER
Die Bettler-Oper ist eine 1728 in London uraufgeführte
Oper von John Gay (Text) und Johann Christoph Pepusch (Musik).
Der Titel „The Beggar’s Opera“ und bedeutet
„Des Bettlers Oper“, nicht wie häufig wiedergegeben
Bettleroper. Denn in diesem Originalstück trat ein
Bettler vor das Publikum und erzählte eine Geschichte.
Mit seinem Stück wollte der Autor das Großbürgertum
im England des 18. Jahrhundert parodieren. Mit der Figur
des Peachum, die sich an den bekanntesten Verbrecher jener
Zeit anlehnt, wollte Gay gleichzeitig den damaligen britischen
Premier karikieren.
Brecht nahm das Stück als Vorlage für seine
berühmte Dreigroschenoper, welche genau 100 Jahre später,
1928 mit der Musik von Kurt Weil aufgeführt wurde. |
Dabei können auch schon die ersten Proben stattfinden, bei
denen dann auch ausgewählt wird, wer sich für den Chor
und wer sich als Laienschauspieler eignet.
Diese Anfangsproben finden wahrscheinlich im Ferdinand-Weiß-Haus
statt und ab Dezember wird es dann ernst, dann geht es ins Stadttheater
zum Üben.
Spätestens ab da wird das Ganze dann ziemlich arbeitsintensiv,
so dass die Teilnehmenden mit einigen Stunden pro Tag rechnen
können, weil für das Einstudieren des Stückes nun
nur noch acht Wochen Zeit verbleiben.
In dem Stück sollen bis zu sechs professionelle Schauspieler,
sowie ein Bettlerchor in dem nur Laien singen und sprechen werden.
Die Premiere der neuen Bettleroper soll am 31. Januar 2009 stattfinden
und insgesamt sind zehn Aufführungen geplant. Hoffen wir,
dass alle Beteiligten Spaß an ihrer ungewohnten Arbeit haben
werden und das das Stück gut ankommt und das Theater voll
wird!
Im Folgenden führte ich ein Interview
mit Bernadette la Hengst, um mehr über die Hintergründe
zu erfahren.
| Wie ist die Idee entstanden,
die Bettleroper neu zu inszenieren und wie kamt ihr dazu,
Laien mitspielen zu lassen?
- Barbara Mundel und Christoph Frick hatten die Idee,
wollten aber ursprünglich die Dreigroschenoper als
Vorlage nehmen. Hier gab es aber die Schwierigkeit, dass
die Erben von Brecht und Weil es nicht zulassen, dass
an den Werken der beiden irgendetwas geändert wird.
So beschlossen sie, den Vorgänger zu nehmen und aus
unserem Team heraus kam dann der Vorschlag, die neue Armut
darzustellen und zwar mit authentischen Darstellern, also
mit Menschen die unmittelbar betroffen sind.
Warum ist dir die Arbeit an diesem Projekt so wichtig
und vor allem die Arbeit mit Laien?
-
Ganz einfach, Armut kann jeden treffen
und es kann verdammt schnell gehen, dass man ganz unten
landet. Ich selbst habe da persönliche Erfahrungen,
denn ich habe jahrelang selbst Straßenmusik gemacht.
Die Arbeit mit Laien ist für mich nichts Neues,
ich habe auch schon in einem Seniorenheim mit Laienmusikern
gearbeitet und auch an sozialen und politischen Kunstprojekten
mitgewirkt. Außerdem ist es mir wichtig, dass
die Darsteller realistisch rüberkommen und nicht
ein Schauspieler einen Armen spielt.
Was hältst du persönlich von Hartz IV
und den Folgen für die davon Betroffenen?
- Ich selbst habe in meinem Bekanntenkreis auch einige,
die davon betroffen sind und stelle fest, dass diese Menschen
einer wahnsinnigen Tortur unterzogen werden. Die ständigen
Ämterwege, die Meldepflicht und die Bettelei nach
jedemCent finde ich schlimm. Die Menschen sind dadurch
extrem abhängig und an das Amt gekettet. Allein durch
die ganze Rennerei wegen den verschiedenen Ämtern
entsteht bei manchen Menschen schon die Illusion, eine
Arbeit zu haben, weil sie den ganzen Tag beschäftigt
sind. Deswegen halte ich von Hartz IV gar nichts und bin
für das bedingungslose Grundeinkommen!
Welchen Erfolg erwartet ihr von dem Projekt und
kann man damit etwas an der Armut ändern?
- Das Thema Armut ist immer mehr von Interesse. Ich hoffe,
dass sich die einzelnen Besucher des Stückes, danach
vielleicht etwas mehr damit beschäftigen, aber an
konkrete Resultate denke ich vorher nicht. Interessanter
ist es für mich, wie sich die Darsteller während
der Arbeiten entwickeln und was sie dem Zuschauer letztendlich
vermitteln können.
Wer kann alles mitmachen und wo können sich
Interessenten melden?
- Mitmachen kann grundsätzlich jeder, der Lust hat
am Theaterspielen oder an der Musik. Melden kann man sich
im Ferdinand-Weiß-Haus bzw. beim FREIeBÜRGER.
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| BERNADETTE LA HENGST
Die vielfältige Künstlerin wurde 1967 im Kurort
Bad Salzuflen als Bernadette Hengst geboren. Bereits mit
19 Jahren veröffentlichte sie erste Musikstücke
auf verschiedenen Cassetten-Samplern. Mit Anfang 20 zog
sie dann nach Berlin, um dort als Schauspielerin zu arbeiten.
Im Wendejahr 1989 ging Bernadette la Hengst nach Hamburg,
wo sie ein Jahr später die Band „Die Braut Haut
Ins Auge“ gründete. In den nächsten zehn
Jahren produziert die Band, in der Bernadette Sängerin
und Gitarristin ist, vier Alben, mit feinem Indie-Rock.
Nachdem sich die Band im Jahre 2000 auflöste, versuchte
sie sich eine zeitlang in anderen Bereichen, bevor sie 2002
ihr erstes Solo-Album produzierte. Anschließend folgte
eine Tournee durch Deutschland, Österreich und die
Schweiz. 2003 bekam sie für ihre Arbeit den Künstlerpreis
von NRW. Ein Jahr später verlegte sie ihren Wohnsitz
zurück nach Berlin, wo sie dann eine Tochter zur Welt
brachte. Ein Jahr später brachte sie ihr zweites Soloalbum
„La Beat“ heraus, wieder gefolgt von einer längeren
Tournee, welche die Künstlerin diesmal sogar bis London
führte. Inzwischen ist ihr drittes Soloalbum „Machinette“
erschienen. |
Carsten
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