| Nachdem er eine Wartenummer aus dem
Automaten gezogen hat und feststellt, dass noch 30 Leute vor ihm
dran sind, stellt er sich auf eine längere Wartezeit ein. Erstaunlicherweise
wird er schon nach einer guten halben Stunde aufgerufen und zur
Kundentheke gebeten. Dort gibt er dann seinen Antrag und die notwendigen
Unterlagen (Verdienstbescheinigung, Mietvertrag und die Kontoauszüge
der letzten 3 Monate) ab. Die Sachbearbeiterin macht sich Kopien
von den Unterlagen und erklärt Herrn A., dass war es schon
und der Bescheid würde ihm zugeschickt.
Schon eine Woche später liegt Post von der ARGE im Briefkasten
und Herr A. kann nicht verstehen, warum immer wieder über die
ARGE geschimpft wird, dass sie so langsam arbeitet.
Er öffnet den Brief um dort Folgendes zu lesen: „…hiermit
bestätigen wir Ihren formlosen Antrag auf Brennstoffbeihilfe.
Um diesen bearbeiten zu können, ist es notwendig, einen formellen
Antrag zu stellen“. Ein solcher Antrag liegt dem Schreiben
allerdings nicht bei und Herr A. nimmt sich noch einmal einen halben
Tag frei und geht erneut zur ARGE. Nach einer halben Stunde Wartezeit
steht er erneut vor der Kundentheke und zeigt der Sachbearbeiterin
das Schreiben. Er möchte bitte in den Wartebereich Nummer 007
gehen und dort würde man ihn dann aufrufen.
Hier warten ca. 30 Leute und die meisten stehen irgendwo rum oder
laufen nervös auf und ab, denn die Bestuhlung ist hier knapp
bemessen. Links und rechts an der Wand stehen Schreibtische mit
einem Monitor, PC, Tastatur und Maus. Diese Technik kann allerdings
nicht genutzt werden um die Wartezeit zu verkürzen, denn die
PCs sind nicht angeschlossen und der Monitor ist zur Wand ausgerichtet.
Immer wieder schaut einer der Wartenden auf die Uhr und schimpft
leise vor sich hin.
Gut 10 Büros gibt es in diesem Wartebereich, allerdings wird
anscheinend nur in 3 Büros gearbeitet, denn die anderen Türen
öffnen sich nur, wenn sich einmal einer der SachbearbeiterInnen,
immer mit einem Schlüssel bewaffnet, sich auf den Weg zur Personaltoilette
begibt. Nach 45 Minuten wird Herr A. aufgerufen und der nette Herr
erklärt ihm, dass er hier völlig falsch sei. Er möchte
bitte noch einmal an die Kundentheke gehen und die würden ihn
dann in das zuständige Sachgebiet weiterleiten. Die Dame an
der Kundentheke drückt ihm ein Formular in die Hand, welches
er bitte ausfüllen soll und leitet ihn dann in den Wartebereich
008 weiter.
Glücklicherweise
gibt es in diesem Bereich ausreichend Stühle und Tische um
das Formular auszufüllen. Beim Durchlesen des Antrages wird
Herr A. stutzig, dass er seinen Namen, seine Adresse und sein Geburtsdatum
angeben soll, leuchtet ihm ein. Was aber die Fragen nach gesundheitlichen
Einschränkungen - wenn ja Grad der Behinderung - , ob er eine
Hochschule besuche, einen pflegebedürftigen Angehörigen
betreue oder Schulden bzw. eine Suchterkrankung habe, mit seinem
Antrag auf Brennstoffbeihilfe zu tun hat, leuchtet ihm nicht ganz
ein.
Etwas irritiert schaut sich Herr A. die Schilder an den Türen
an und erfährt, dass sich auf der linken Seite die Integrationsstelle
und auf der rechten Seite die Clearingstelle befindet.
Die Integrationsstelle hat 9 Büros, allerdings öffnet
sich in der ganzen Zeit nur eine einzige Türe. In der Clearingstelle
mit drei Büros geht es anscheinend schneller – kann Herr
A. der während des Wartens feststellen. Für ihn stellt
sich jetzt nur noch die Frage, wer hier für ihn zuständig
ist? Seit 25 Jahren lebt Herr A. in Freiburg und ist der Meinung,
dass er sich als linker Niederrheiner sehr gut integriert hat in
dieser Stadt. Also ist seine logische Schlussfolgerung, dass wohl
die Clearingstelle für ihn zuständig ist.
Allerdings läuft dort eine Frau - intensiv in lautem Selbstgespräch
vertieft - nervös auf und ab. Als dann noch ein Mann aus diesem
Büro herauskommt, ihr erklärt, dass alles okay sei und
er müsse nur noch seine Papiere aus dem PLK Emmendingen holen,
versteht Herr A. gar nichts mehr.
Ansonsten das gleiche wie im Bereich 007, die anderen Türen
öffnen sich nur, wenn einer der SachbearbeiterInnen zur Toilette
gehen will. Vielleicht ist dort ja auch die Raucherecke, sinniert
Herr A. so vor sich hin. Nach einer guten Stunde Warterei wird sein
Name aufgerufen und eine Frau mittleren Alters, Typ verständnisvolle
Diplompsychologin, bittet ihn in ihr Büro hinein. Als erstes
erklärt sie Herrn A., dass sie eigentlich keine Anträge
bearbeitet und nicht weiß, warum er bei ihr gelandet ist.
Sie schlägt ihm deshalb vor, einen kompletten Antrag auf ALG
II zu stellen, denn er hätte ja Anspruch darauf und dann wiederzukommen.
Herr A. macht einen Gegenvorschlag: Sie möge doch bitte die
zuständige Sachbearbeiterin, die dieses Schreiben an ihn geschickt
hat, anrufen um mit ihr abzuklären was das Ganze soll.
Sie bedrängelt ihn immer wieder, doch bitte, bitte das Geld,
was ihm zustehe, zu beantragen und wie schon gesagt, ist sie für
solche Sachen überhaupt nicht zuständig. Sicherheitshalber
kopiert sie noch einmal die mitgebrachten Unterlagen.
Herr A. erklärt der Dame ruhig, aber bestimmt, dass er diese
37,- Euro nicht haben möchte, sondern nur die ihm zustehende
Brennstoffbeihilfe. Nach ca. einer Viertelstunde fällt der
verständnisvollen Psychologin das T-Shirt von Herrn A. auf
und sie kommt zu dem Ergebnis: „Ach so, Sie sind ein FREIeBÜRGER
und möchten überhaupt keine Leistungen von uns“.
„Genau“ entgegnet Herr A. „und jetzt rufen Sie
bitte die Verfasserin dieses Schreibens an, damit ich meinen Antrag
nun endlich abgeben kann. Ich bin berufstätig und kann nicht
am laufenden Band auf das Amt rennen“. Das leuchtet der verständnisvollen
Frau ein und sie greift zum Telefon um zu erfahren das Frau A. schon
außer Hauses (Mittagspause) ist.
Eine
Woche später begibt sich Herr A. erneut auf den Weg zur ARGE.
Zielstrebig will er auf den Nummernautomaten zugehen, allerdings
wird ihm der Zugang durch eine große Hinweistafel versperrt.
„Wegen Arbeitsüberlastung ist das Sachgebiet Buchstabe
A – H für den Publikumsverkehr nicht geöffnet, bei
dringenden Anfragen wenden Sie sich bitte an die Kundentheke B12“.
Irgendwie sonderbar, die Arbeitslosenzahlen gehen zurück und
die ARGE-Mitarbeiter sind überlastet, denkt Herr A. und zieht
sich eine Wartenummer aus dem Automaten. Kaum hat er seinen Rucksack
geöffnet um die notwendigen Unterlagen herauszuholen, erscheint
auch schon seine Nummer auf dem Display. Eine nette Dame nimmt die
Unterlagen entgegen und geht schnurstracks zum Kopierer. Danach
soll er wieder im Wartebereich 007 Platz nehmen und warten bis er
aufgerufen wird.
Heute sitzen hier nur 6 Leute und die PCs stehen immer noch zur
Wand ausgerichtet. Eine Frau steckt eine Karte in den Bargeldautomaten,
der Automat reagiert nicht - stattdessen verschluckt er die Karte.
Verwirrt geht sie wieder und erscheint nach fünf Minuten mit
einem sachkundigen Mitarbeiter. Dieser schließt den Automaten
auf, tippt einige Sachen ein und verschließt den Automaten.
Auch der zweite Versuch scheitert und ein jüngerer Mann meint
ironisch: „Kauft euch doch mal vernünftige Karten und
nicht immer diese Sonderposten! Übrigens, letzte Woche hattet
ihr schon das gleiche Problem.“. Der Mitarbeiter lässt
sich nicht beirren und gibt der Frau den guten Rat, noch einmal
ins Sachgebiet zu gehen um sich eine neue Karte geben zu lassen.
Sie erklärt ihm, dass dies bereits die zweite Karte ist, mit
der sie versucht Geld aus diesem Automaten abzuheben. Eine andere
Frau will es nun mit ihrer Karte versuchen, allerdings mit dem gleichen
Ergebnis.
Was nun?
Der Mitarbeiter erklärt den beiden Frauen, dass er da leider
auch nichts machen kann, denn die Geldautomaten werden über
Nürnberg gesteuert und die müssen den Fehler beheben,
„Das könne allerdings etwas länger dauern“,
merkt er noch an.
Ein anderer Kunde betritt den Raum mit den Worten: „Wenn ich
heute wieder kein Geld bekomme, gibt es einen Toten!“, der
Jüngere stimmt ihm zu und meint nur „am besten ist es
sowieso, den ganzen Laden direkt in die Luft zu sprengen!“
Herr A. unterhält sich ein bisschen mit dem jungen Mann und
erfährt, dass dieser eigentlich nichts Bestimmtes auf dem Amt
will. Er sei einfach nur so da, um etwas Stimmung in den Laden zu
bringen und das mache er regelmäßig, so einmal die Woche.
„Hab ja sonst nicht zu tun“, erklärt er Herrn A.,
„denn Spaß muss sein“.
Nach einer Stunde Warterei wird Herrn A. langsam ungeduldig und
er klopft zögerlich an die Tür der unbekannten Briefeschreiberin.
Nachdem er ihr sein Anliegen erklärt hat, bekommt er nur die
barsche Antwort: „Für Antragsbearbeitung bin ich nicht
zuständig!“ Auch sein Einwurf, sie sei doch die Verfasserin
dieses Schreibens, fruchtet nicht und er wird mit der gleichen Antwort
abgespeist.
Als Herr A. erneut nachhakt, dass sie doch dieses Schreiben an ihn
verfasst habe und er nun endlich wissen will wo er seinen Antrag
abgeben kann, droht sie ihm an: „Falls Sie nicht unverzüglich
das Büro verlassen, sehe ich mich gezwungen den Sicherheitsdienst
zu rufen!“. Entnervt verlässt er diesen gastlichen Raum
und geht nochmals zur Kundentheke, um nachzufragen ob man ihn vergessen
habe.
Zwei Minuten später wird endlich sein Name aufgerufen, die
Sachbearbeiterin begleitet ihn in ihr Büro. Auf dem Weg dorthin
brummelt sie kichernd folgende Worte vor sich hin: „Mann,
heute ist schon wieder einer dieser verrückten Tage und das
schon morgens um kurz vor zehn“.
In ihrem Büro angekommen, schaut sie sich kurz die Unterlagen
an und kann auch nicht verstehen, warum Herr A. einen kompletten
ALG II-Antrag stellen muss. Sie läuft zum Kopierer um die Unterlagen
nochmals, „damit nun nichts mehr schief gehen kann“,
zu kopieren und verspricht Herrn A., dass der Antrag zügig
bearbeitet wird.
Schon nach vier Tagen lag der Bewillungsbescheid bei Herrn A. im
Briefkasten und raten Sie mal, wer ihn unterschrieben hatte!
Genau, die Sachbearbeiterin, die für solche Sachen angeblich
nicht zuständig ist!
Uli
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