In diesem Jahr setzte der Trainerstab um Dieter
Hollnagel erstmals auf das Leistungsprinzip bei der Auswahl der
Spieler. Er hatte im Vorfeld die deutschen Kicker zweimal zu einem
Wochenend-Trainingslager nach Göttingen bestellt und dort
dann die wirklich Besten unter ihnen ins deutsche Team berufen.
Auf Grund ihrer guten Leistungen waren FREIeBÜRGER-Torwart
Florian Walter und unser Stürmerstar Ekki Peters sogar als
Mannschaftskapitän mit von der Partie. Grund dafür war
auch, dass beide beim FC Portugiesen Freiburg mittrainieren konnten
und sich somit fit gehalten haben. Dafür nochmals Dankeschön
an die Portugiesen!
Nachdem die Vorbereitungen also gut verlaufen sind, ging es dann
am 14.07. in der Nacht los in Richtung Norden, erste Station der
Reise und Mannschaftstreffpunkt war Lübeck. Morgens kamen
unsere zwei Helden dann übermüdet in der Marzipanstadt
an und begaben sich sofort ins Quartier um erst einmal zu schlafen.
Am Abend war dann die offizielle Mannschaftsankunft und Begrüßung
sowie die Trikotverteilung. Am nächsten Tag ging es dann
erst einmal in den Knast, aber keine Angst, der Betreuer Jo Tein
hatte dort ein Testspiel gegen eine Auswahl der JVA organisiert.
Da die Knasttruppe eingespielt war und unser Team noch ziemlich
geschlaucht von der Anreise war, ging die Partie knapp verloren,
aber sie hatten wenigstens ihre erste Trainingseinheit unter Wettkampfbedingungen.
Am 18. Juli machte sich dann das deutsche Nationalteam per Flieger
auf nach Glasgow, von wo aus es dann mit dem Zug weiter in die
schottische Hauptstadt ging. In Edinburgh angekommen, wurden die
einzelnen Mannschaften in einem komfortablen Studentenwohnheim
untergebracht. Am Nachmittag folgte dann noch eine kurze Teambesprechung
und ein erstes Training, danach war auch dieser stressige Tag
beendet. Am nächsten Tag wurde es dann ernst: Zuerst erfolgte
die offizielle Eröffnung der WM durch den Bürgermeister
der schottischen Metropole und ein Mitglied der europäischen
Fußballunion (UEFA), was den mittlerweile erreichten Stellenwert
des HWC belegt! Danach fand die Auslosung der Vorrundengruppen
statt und dann ging es auch schon los mit den Spielen. Unser Team
schlug überraschend die spielstarken Schweden mit 6:2, verlor
dann aber gegen Wales mit demselben Ergebnis. Aber durch den Sieg
über die Wikinger war das erste Ziel, die Zwischenrunde,
schon mal erreicht. Hier warteten dann die Slowakei, Irland und
Ex-Weltmeister Österreich auf die deutsche Mannschaft. Gegen
die Slowaken wurde gewonnen und gegen die zweikampfstarken Iren
gab es eine Niederlage. Am Donnerstag kam es dann zum Gipfel Deutschland
gegen Österreich, bei dem es um den Einzug unter die besten
acht ging. Leider waren einige Kicker der deutschen Auswahl noch
ein wenig angeschlagen vom Irlandspiel, so dass dieses wichtige
Match gegen die Ösis mit 1:4 verloren ging. Somit landete
man dann bei der Endrunde in der Gruppe, die Platz 9-16 ausspielten.
Hier mussten sie zuerst gegen Russland antreten und bekam eine
1:8-Klatsche, allerdings muss man dazu sagen, das Ekki verletzt
fehlte und Keeper Flo von seiner Abwehr ziemlich im Stich gelassen
wurde! Nun gab es noch zwei Spiele gegen Namibia, die leider auch
knapp verloren wurden. Somit gab es am Sonntag bei den Platzierungsspielen
die Begegnung um Platz 15 zwischen Deutschland und der Schweiz.
Bei diesem Match rächten sich die Schweizer für ihre
Niederlage 2003 in Graz und schlugen die deutsche Mannschaft mit
3:1. Somit blieb für unsere Truppe leider nur der 16. Platz
übrig, aber angesichts der Tatsache, dass diesmal mehr, nämlich
27 Mannschaften teilnahmen, ist das im Gegensatz zu den Vorjahren,
in denen wir gerade mal einer der letzten Plätze belegten,
doch eine gewaltige Steigerung!
Natürlich wurde nicht nur Fußball gespielt, es blieb
auch noch genügend Freizeit für die Kicker. Im deutschen
Team gab es zum Beispiel keinen Gruppenzwang, so dass sich unsere
beiden Stars Edinburgh auf ihre eigene Art und Weise anschauen
konnten. Wie sie mir versicherten, waren sie begeistert von der
historischen Stadt und den vielen Sehenswürdigkeiten. Überrascht
waren sie auch von der Gastfreundschaft der Schotten und den begeisterten
Zuschauern. Selbst beim Stadtbummel mussten sie Autogrammwünsche
erfüllen, was sie so natürlich noch nie erlebt hatten.
Ein Höhepunkt ihres Schottlandtrips war dann ein Ausflug
nach Glasgow, in den Celtic Park, zum Freundschaftsspiel zwischen
dem Kultclub Celtic Glasgow und dem UEFA Cup-Finalisten Sporting
Lissabon. Das Ergebnis von 2:2 war für die beiden nebensächlich,
aber sie waren überwältigt von der Stimmung in diesem
herrlichen Stadion und natürlich das in den Fanblocks viele
St. Pauli Schals zu sehen waren, da die beiden Clubs seit Jahren
eine enge Fanfreundschaft verbindet.
Einziger Wermutstropfen an diesem Turnier war die Tatsache, dass
die englische Regierung die Mannschaften fünf afrikanischer
Staaten nicht einreisen ließ. Die offizielle Begründung
der britischen Regierung war, diese Länder wären zu
arm und könnten sich einen Aufenthalt in Großbritannien
nicht leisten. Tatsache ist aber, dass eben diese Länder
von einer großen deutschen Straßenzeitung gesponsert
wurden und somit die Teilnahme an der WM finanziert wäre.
Aber trotz aller Proteste der teilnehmenden Länder ließen
sich die Briten nicht erweichen und versagte einigen Afrikanern
die Teilnahme. Hoffentlich nimmt sich die deutsche Regierung nächstes
Jahr, bei der Fußball-WM der Profis kein Beispiel daran!!!
Übrigens, Weltmeister wurde wie im vergangenen Jahr die
italienische Mannschaft, was aber keinen groß verwundert,
werden die doch unter fast professionellen Verhältnissen
trainiert. Wer nun aber denkt, nach diesem Turnier würden
unsere Stars in den (eigentlich wohlverdienten) Urlaub gehen,
hat sich getäuscht. Denn nun begann der Medienrummel! RTL
war schon im Vorfeld an den Jungs dran und hat sie vor der WM
daheim auf der Wagenburg besucht, ARD hat auch berichtet und die
hiesige Lokalpresse stand auch schon Schlange wegen Interviews.
Am schnellsten hatte dann aber SAT 1 geschaltet, die fragten nämlich
an, ob zwei Spieler zum Frühstücksfernsehen kommen könnten.
Da Berlin für die zwei FREIeBÜRGER-Spieler auf dem Heimweg
lag und sie ihre Sache ganz ordentlich gemacht hatten, wurden
sie entsandt. In Berlin angekommen, wurden sie vom Fernsehsender
im Hilton (!!!) einquartiert, was sie sich wohl auch verdient
hatten nach den Strapazen. Nach einem Restaurantbesuch und dem
Leeren der Minibar schliefen sie nobel ein und tauchten dann (gaaanz
früh morgens) im Studio auf und gaben ihre Statements zur
WM ab. Enttäuscht waren sie von den Machern der Sendung,
denn die waren wohl ziemlich unvorbereitet und reichlich inkompetent
für so ein Thema! Am Ende wollte der Sender nicht einmal
die Rechnung im Hotel bezahlen und trotz Zusage gab es auch keine
Gage für die beiden WM-Helden. Aber trotzdem waren die beiden
froh dabei gewesen zu sein und hoffen, dass sie auch im nächsten
Jahr wieder für Deutschland kicken dürfen!