Die Strassenzeitung aus Freiburg


Guten Morgen! Heute ist Samstag, der 11. September 2010
   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Fußballweltmeisterschaft der Obdachlosen in Edinburgh 05.

The Homeless World Cup

Vom 19. bis zum 24.Juli fand in Edinburgh der 3. Homeless World Cup (HWC) statt, die offizielle Fußballweltmeisterschaft der Obdachlosen und Straßenzeitungsverkäufer. Wie wir bereits berichteten, standen auch dieses Jahr zwei FREIeBÜRGER im deutschen Aufgebot. Diesmal unterschied sich das Turnier allerdings schon in der Vorbereitung von den Vorjahren.
Während 2003 auf Grund mangelnden Interesses hierzulande noch mitfahren konnte wer wollte, setzte man im vergangenen Jahr darauf, so viele Straßenzeitungen wie möglich daran zu beteiligen. Der sportliche Erfolg blieb dabei natürlich aus.


 

In diesem Jahr setzte der Trainerstab um Dieter Hollnagel erstmals auf das Leistungsprinzip bei der Auswahl der Spieler. Er hatte im Vorfeld die deutschen Kicker zweimal zu einem Wochenend-Trainingslager nach Göttingen bestellt und dort dann die wirklich Besten unter ihnen ins deutsche Team berufen. Auf Grund ihrer guten Leistungen waren FREIeBÜRGER-Torwart Florian Walter und unser Stürmerstar Ekki Peters sogar als Mannschaftskapitän mit von der Partie. Grund dafür war auch, dass beide beim FC Portugiesen Freiburg mittrainieren konnten und sich somit fit gehalten haben. Dafür nochmals Dankeschön an die Portugiesen!

Nachdem die Vorbereitungen also gut verlaufen sind, ging es dann am 14.07. in der Nacht los in Richtung Norden, erste Station der Reise und Mannschaftstreffpunkt war Lübeck. Morgens kamen unsere zwei Helden dann übermüdet in der Marzipanstadt an und begaben sich sofort ins Quartier um erst einmal zu schlafen. Am Abend war dann die offizielle Mannschaftsankunft und Begrüßung sowie die Trikotverteilung. Am nächsten Tag ging es dann erst einmal in den Knast, aber keine Angst, der Betreuer Jo Tein hatte dort ein Testspiel gegen eine Auswahl der JVA organisiert. Da die Knasttruppe eingespielt war und unser Team noch ziemlich geschlaucht von der Anreise war, ging die Partie knapp verloren, aber sie hatten wenigstens ihre erste Trainingseinheit unter Wettkampfbedingungen.

Am 18. Juli machte sich dann das deutsche Nationalteam per Flieger auf nach Glasgow, von wo aus es dann mit dem Zug weiter in die schottische Hauptstadt ging. In Edinburgh angekommen, wurden die einzelnen Mannschaften in einem komfortablen Studentenwohnheim untergebracht. Am Nachmittag folgte dann noch eine kurze Teambesprechung und ein erstes Training, danach war auch dieser stressige Tag beendet. Am nächsten Tag wurde es dann ernst: Zuerst erfolgte die offizielle Eröffnung der WM durch den Bürgermeister der schottischen Metropole und ein Mitglied der europäischen Fußballunion (UEFA), was den mittlerweile erreichten Stellenwert des HWC belegt! Danach fand die Auslosung der Vorrundengruppen statt und dann ging es auch schon los mit den Spielen. Unser Team schlug überraschend die spielstarken Schweden mit 6:2, verlor dann aber gegen Wales mit demselben Ergebnis. Aber durch den Sieg über die Wikinger war das erste Ziel, die Zwischenrunde, schon mal erreicht. Hier warteten dann die Slowakei, Irland und Ex-Weltmeister Österreich auf die deutsche Mannschaft. Gegen die Slowaken wurde gewonnen und gegen die zweikampfstarken Iren gab es eine Niederlage. Am Donnerstag kam es dann zum Gipfel Deutschland gegen Österreich, bei dem es um den Einzug unter die besten acht ging. Leider waren einige Kicker der deutschen Auswahl noch ein wenig angeschlagen vom Irlandspiel, so dass dieses wichtige Match gegen die Ösis mit 1:4 verloren ging. Somit landete man dann bei der Endrunde in der Gruppe, die Platz 9-16 ausspielten. Hier mussten sie zuerst gegen Russland antreten und bekam eine 1:8-Klatsche, allerdings muss man dazu sagen, das Ekki verletzt fehlte und Keeper Flo von seiner Abwehr ziemlich im Stich gelassen wurde! Nun gab es noch zwei Spiele gegen Namibia, die leider auch knapp verloren wurden. Somit gab es am Sonntag bei den Platzierungsspielen die Begegnung um Platz 15 zwischen Deutschland und der Schweiz. Bei diesem Match rächten sich die Schweizer für ihre Niederlage 2003 in Graz und schlugen die deutsche Mannschaft mit 3:1. Somit blieb für unsere Truppe leider nur der 16. Platz übrig, aber angesichts der Tatsache, dass diesmal mehr, nämlich 27 Mannschaften teilnahmen, ist das im Gegensatz zu den Vorjahren, in denen wir gerade mal einer der letzten Plätze belegten, doch eine gewaltige Steigerung!

Natürlich wurde nicht nur Fußball gespielt, es blieb auch noch genügend Freizeit für die Kicker. Im deutschen Team gab es zum Beispiel keinen Gruppenzwang, so dass sich unsere beiden Stars Edinburgh auf ihre eigene Art und Weise anschauen konnten. Wie sie mir versicherten, waren sie begeistert von der historischen Stadt und den vielen Sehenswürdigkeiten. Überrascht waren sie auch von der Gastfreundschaft der Schotten und den begeisterten Zuschauern. Selbst beim Stadtbummel mussten sie Autogrammwünsche erfüllen, was sie so natürlich noch nie erlebt hatten. Ein Höhepunkt ihres Schottlandtrips war dann ein Ausflug nach Glasgow, in den Celtic Park, zum Freundschaftsspiel zwischen dem Kultclub Celtic Glasgow und dem UEFA Cup-Finalisten Sporting Lissabon. Das Ergebnis von 2:2 war für die beiden nebensächlich, aber sie waren überwältigt von der Stimmung in diesem herrlichen Stadion und natürlich das in den Fanblocks viele St. Pauli Schals zu sehen waren, da die beiden Clubs seit Jahren eine enge Fanfreundschaft verbindet.

Einziger Wermutstropfen an diesem Turnier war die Tatsache, dass die englische Regierung die Mannschaften fünf afrikanischer Staaten nicht einreisen ließ. Die offizielle Begründung der britischen Regierung war, diese Länder wären zu arm und könnten sich einen Aufenthalt in Großbritannien nicht leisten. Tatsache ist aber, dass eben diese Länder von einer großen deutschen Straßenzeitung gesponsert wurden und somit die Teilnahme an der WM finanziert wäre. Aber trotz aller Proteste der teilnehmenden Länder ließen sich die Briten nicht erweichen und versagte einigen Afrikanern die Teilnahme. Hoffentlich nimmt sich die deutsche Regierung nächstes Jahr, bei der Fußball-WM der Profis kein Beispiel daran!!!

Übrigens, Weltmeister wurde wie im vergangenen Jahr die italienische Mannschaft, was aber keinen groß verwundert, werden die doch unter fast professionellen Verhältnissen trainiert. Wer nun aber denkt, nach diesem Turnier würden unsere Stars in den (eigentlich wohlverdienten) Urlaub gehen, hat sich getäuscht. Denn nun begann der Medienrummel! RTL war schon im Vorfeld an den Jungs dran und hat sie vor der WM daheim auf der Wagenburg besucht, ARD hat auch berichtet und die hiesige Lokalpresse stand auch schon Schlange wegen Interviews.
Am schnellsten hatte dann aber SAT 1 geschaltet, die fragten nämlich an, ob zwei Spieler zum Frühstücksfernsehen kommen könnten. Da Berlin für die zwei FREIeBÜRGER-Spieler auf dem Heimweg lag und sie ihre Sache ganz ordentlich gemacht hatten, wurden sie entsandt. In Berlin angekommen, wurden sie vom Fernsehsender im Hilton (!!!) einquartiert, was sie sich wohl auch verdient hatten nach den Strapazen. Nach einem Restaurantbesuch und dem Leeren der Minibar schliefen sie nobel ein und tauchten dann (gaaanz früh morgens) im Studio auf und gaben ihre Statements zur WM ab. Enttäuscht waren sie von den Machern der Sendung, denn die waren wohl ziemlich unvorbereitet und reichlich inkompetent für so ein Thema! Am Ende wollte der Sender nicht einmal die Rechnung im Hotel bezahlen und trotz Zusage gab es auch keine Gage für die beiden WM-Helden. Aber trotzdem waren die beiden froh dabei gewesen zu sein und hoffen, dass sie auch im nächsten Jahr wieder für Deutschland kicken dürfen!

 


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